Sandra Funken
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Ende dieses Monats begehen wir den Internationalen Aktionstag für Frauengesundheit. Doch für uns als christlich-soziale Koalition gilt: Frauengesundheit verdient an jedem Tag im Jahr unsere volle Aufmerksamkeit. (Beifall CDU und SPD) Der Gender Health Gap Report des Wirtschaftsforums 2024 zeigt deutlich: Frauen leben weltweit rund 25 % weniger gesunde Lebensjahre als Männer, und das vor allem wegen struktureller Benachteiligungen in Forschung, Diagnostik und Behandlung. Fehldiagnosen, falsche Medikamentation und die Unterrepräsentanz von Frauen in medizinischen Studien führen mitunter zu lebensbedrohlichen Situationen. So werden beispielsweise Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen später erkannt und verlaufen deshalb aufgrund frauenspezifischer Symptome häufiger tödlich. Deshalb setzen wir uns mit diesem Antrag für eine frauengerechtere Gesundheitspolitik in Hessen ein. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt Freie Demokraten) Auch unsere Gesundheitsministerin Diana Stolz bringt das Thema spürbar voran. Bei so einem wichtigen Thema hier von einem „Schaufensterantrag“ zu sprechen, ist schon sehr dreist, finde ich. (Zuruf Sandra Weegels (AfD)) Im Koalitionsvertrag haben wir Vereinbarungen zu wichtigen Themen wie Endometriose, Wechseljahre, Gewalt unter der Geburt und Förderung von Hebammen getroffen. All das zeigt, dass Frauengesundheit schon jetzt ein Anliegen der Landesregierung ist. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt Freie Demokraten) Wir sehen auch: Es gibt noch einiges zu tun, das stimmt. Besonders die Themen Wechseljahre und Menopause müssen stärker in das gesellschaftliche und gesundheitspolitische Bewusstsein gerückt werden. Kampagnen wie „Wir sind 9 Millionen“, Ärztinnen und Ärzte, aber auch Botschafterinnen in sozialen Medien machen deutlich, wie sehr Frauen teilweise von massiven Beschwerden betroffen sind. Laut der MenoSupport-Studie waren deshalb bereits über 30 % der betroffenen Frauen krankgeschrieben oder nahmen unbezahlten Urlaub. Diese gesundheitlichen Herausforderungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit oder ziehen sich sogar vorzeitig aus ihrem Berufsleben zurück, und das mit spürbaren Folgen für die Wirtschaft. Die daraus entstehenden Ausfälle gehen in die Milliarden, und das ausgerechnet in Zeiten eines akuten Fachkräftemangels. Unser Anspruch muss sein: Keine Frau sollte, wie man immer so schön sagte, einfach durchmüssen. Frauen verdienen eine medizinische Versorgung, die durchgehend ernst genommen wird. Was sie erleben, muss klar kommuniziert werden. Meine sehr geehrten Damen und Herren, genauso wichtig ist es, dass auch Arbeitgeber für die besonderen Herausforderungen sensibilisiert sind und ein unterstützendes Arbeitsumfeld schaffen. Deshalb setzen wir auf mehr Aufklärung, bessere ärztliche Aus- und Weiterbildung, eigene Abrechnungsziffern für Wechseljahres- und menopausale Beschwerden und konkrete Unterstützungsangebote am Arbeitsplatz. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt Freie Demokraten) Meine sehr geehrten Damen und Herren, ein weiteres wichtiges Thema ist das Thema Lipödem, das auch unsere volle Aufmerksamkeit verdient. Die krankhafte Fettverteilungsstörung wird häufig spät erkannt. Ich freue mich, dass wir dieses Thema nun endlich in die Öffentlichkeit holen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Kosten für Behandlungsmaßnahmen wie die Liposuktion bereits vor Stadium III durch die Krankenkassen übernommen werden. (Beifall CDU, SPD und Yanki Pürsün (Freie Demokraten)) Ein Pilotprojekt soll interdisziplinäre Versorgungsstrukturen untersuchen. Zudem wollen wir Selbsthilfegruppen durch gezielte Unterstützung stärken. Nicht zuletzt gilt unsere Aufmerksamkeit natürlich allen anderen frauenspezifischen Erkrankungen. Hier kann ich Osteoporose, HPVInfektion und vieles mehr nennen. Mit unserem Antrag setzen wir konkrete Impulse für bessere medizinische Versorgung, mehr Forschung und gesellschaftliche Sichtbarkeit. – Vielen Dank. (Beifall CDU, SPD und vereinzelt Freie Demokraten)
