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Nadine Gersberg

SPD 15.05.2025 Sitzungen 21/41

Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Stellen Sie sich vor, Sie seien ein Mann und gingen zum Arzt. Sie berichten ihm von starken Bauchund Magenschmerzen, die monatlich wiederkehren. Sie sind so stark, dass Sie nicht in der Lage sind, zur Arbeit zu gehen oder am Familienleben teilzunehmen. Sie haben so starke Schmerzen, dass Sie sehr starke Schmerzmittel benötigen und quasi ans Bett gefesselt sind. Da sagt der Arzt zu Ihnen: Ach, Sie haben anscheinend ein größeres Schmerzempfinden als andere Menschen. Haben Sie vielleicht oft Stress? Nehmen Sie sich einmal eine Wärmflasche und einen Kamillentee, entspannen Sie sich ein bisschen. Wenn es nicht besser wird, dann können Sie auch noch diese Pille hier nehmen. Aber ansonsten müssen Sie halt da durch, das ist bei Männern ganz normal. Können Sie sich vorstellen, dass Männern das in Deutschland regelmäßig passiert? Ich kann Sie beruhigen: Das passiert nicht. Das passiert aber Frauen, tagtäglich und schon immer. (Vereinzelter Beifall SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser Antrag zur Aktuellen Stunde ist sehr lang geworden, und ich kann Ihnen sagen: Unsere erste Version war noch zwei Seiten länger. Wir haben uns überlegt: Wir werden alle Probleme auflisten, die es im Gesundheitssystem gibt und wo Frauen nicht genügend berücksichtigt werden. Es waren so viele, es nahm kein Ende. Uns fiel immer noch mehr und mehr ein. Wir haben uns jetzt vorgenommen: Wir nehmen erst einmal einige Punkte heraus, und den Rest werden wir immer wieder einmal als Anträge stellen, um das Thema und dessen Bedeutung aufrechtzuerhalten; denn die Lücken im Gesundheitssystem sind sehr groß. Vor einigen Wochen titelte „Zeit Online“: „Es ist 2025 – und vielen Ärzten ist der Frauenkörper nahezu unbekannt.“ So ist es auch. Sehen wir es uns einmal an. Nicht nur der Körper ist ihnen unbekannt, sondern auch die Untersuchungen laufen bei Frauen anders als bei Männern. Wenn Frauen mit Schmerzen in die Rettungsstelle eines Krankenhauses kommen, warten sie dort im Schnitt 30 Minuten länger auf Hilfe als Männer. Sie bekommen bei gleicher Schmerzstärke weniger Schmerzmittel als Männer. Ihre Schmerzen werden prozentual häufiger als psychosomatisch klassifiziert, und in lebensbedrohlichen Situationen werden sie weniger oft reanimiert. Medizinische Standardwerke zeigten und zeigen immer noch Männer. Frauen kommen nur vor, wenn es um Fortpflanzung geht. Bis heute hat sich daran wenig geändert. Wir können heute wirklich sagen: Eine Frau zu sein, ist in unserer Gesellschaft eine gesundheitliche Falle. Warum ist das so? Warum nimmt man die Gesundheit von Männern ernster als die Gesundheit von Frauen? Warum denkt man, dass der Körper des Mannes der medizinische Maßstab für alle ist? Wir Frauen werden darauf programmiert, alles durchzuhalten, immer stark zu sein, uns nicht zu beschweren, wenn wir Regelschmerzen haben, wenn wir Probleme haben, Kinder zu bekommen, eine Fehlgeburt hatten. Das soll unsere Privatsache sein, darüber sollen wir nicht reden. Wir müssen zu Hause bleiben und selbst damit klarkommen. Manchmal müssen wir auch am nächsten Tag schon wieder arbeiten gehen, und auch dort sollen wir möglichst nicht darüber reden. Frauen in diesem Land sind wütend. Wir sollen immer perfekt sein. Wir sollen gut aussehen für unsere Männer, für die Außenwelt. Wir sollen unsere Frau stehen in der Arbeitswelt, auch dort immer gut aussehen, immer adrett gekleidet mit gutem Make-up. Wir leisten wahnsinnig viel mehr Care-Arbeit. Wir wissen, wir leisten mehr Care-Arbeit als die Männer. Wir müssen an alles denken. Das macht auch etwas mit unserer Gesundheit, das macht etwas mit unserer Psyche. Aber wenn wir krank werden, wenn es uns nicht mehr gut geht, dann lässt uns dieses medizinische Gesundheitssystem aktuell komplett hängen. Ich rufe alle Frauen an dieser Stelle auf: Machen Sie das nicht mehr mit, machen Sie das, was Ihnen guttut. Kleiden Sie sich, wie Sie sich wohlfühlen, und fordern Sie ein, dass man sich um kümmert. Beschweren Sie sich, wenn sich beim Arzt genug um Sie gekümmert wird. Sagen Sie anderen Sie sollen es ebenfalls tun. Wir müssen langsam auf die Barrikaden gehen. (Beifall SPD, Freie Demokraten, vereinzelt und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen als schwarz-rote Landesregierung unsere beit dazu leisten. Wir kümmern uns um die Gesundheit der Frauen. Wir gehen in die Problematik herein. brechen Tabus, wir reden darüber. Aber wir werden konkrete Maßnahmen ergreifen. Wir werden dafür dass das Thema Medizin und Frauengesundheit Eingang Medizinstudiengänge und in die Ausbildung von heitsberufen findet und verpflichtend ist. Wir wollen, in medizinischen Studien Frauen und Männer getrennt lysiert werden. Wir fördern Aufklärungs- und Präventionsangebote. Wir informieren selbst auf der Homepage Gesundheitsministeriums. Außerdem bauen wir den Dialog mit Expertinnen, fenen und Institutionen aus. Wir müssen uns auch vehement gegenüber Bundesregierung, Krankenkassen medizinischen Unternehmen dafür einsetzen, dass stärker in den Blick genommen werden. Wir setzen heute als schwarz-rote Regierung ein deutliches Zeichen für mehr Gleichberechtigung im Gesundheitssystem und gegen die strukturellen Benachteiligungen Frauen in der medizinischen Versorgung. Ich bitte Sie: te stimmen Sie unserem Antrag zu. – Vielen Dank. (Beifall SPD, CDU, vereinzelt BÜNDNIS GRÜNEN und Freie Demokraten)

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