hessischer-landtag.de ↗

Andreas Lobenstein

AfD 14.05.2025 Sitzungen 21/40

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Seien wir einmal ehrlich: Im Grunde ist die Forderung, mehr und bessere Finanzbildung für unsere Schulen auf den Weg zu bringen, nichts wirklich Neues. Ein Blick in den Koalitionsvertrag von CDU und SPD bestätigt das. Dort heißt es zum Thema Unterrichtsinhalte, dass Kerncurricula geschärft und fortentwickelt werden sollen, „um in Zukunft mehr praktische Lebenskompetenzen sowie Verbraucher- und Finanzbildung in der Schule zu vermitteln“. Insofern interpretiere ich den Antrag der FDP, über den wir heute reden, als durchaus gut gemeinte Unterstützung der Koalition, von der in dieser Hinsicht jetzt noch wirklich viel zu vernehmen war – bis auf das, was Kollege Appel vorgetragen hat. Aber gut, die Legislaturperiode läuft ja noch ein bisschen. Dass es hier durchaus Luft nach oben gibt, was die nisse der jungen Generation in finanziellen und ökonomischen Fragen betrifft, ist offensichtlich Konsens hier Hause. Das bestätigt nicht zuletzt ein Blick auf die nisse der letzten Bundestagswahl, bei der die Gruppe 18- bis 24-Jährigen mit 25 %, also einer relativen heit, für die Partei DIE LINKE gestimmt hat, für eine tei also, deren neues Idol Heidi Reichinnek allen den Kapitalismus stürzen möchte und darüber hinaus Systemfrage stellt. Da kann, da muss es einem angst und bange werden. (Beifall AfD, Sascha Herr und Maximilian (fraktionslos)) Ich will das einfach einmal an dieser Stelle betonen – kleine Exkurs sei mir an dieser Stelle gestattet –: Keine dere Wirtschaftsform, die einen derart großen Beitrag Ausgestaltung unserer modernen Welt geleistet hat, zu Unrecht einen so schlechten Ruf wie der Kapitalismus. Ungeachtet der Tatsache, dass er Millionen Menschen bitterster Armut befreit hat und immer wieder Wachstum und erstaunliche Innovationen hervorgebracht hat, wird Begriff „Kapitalismus“ zumeist negativ konnotiert. Die Propagandisten seines historisch stets gescheiterten Gegenstücks, des Sozialismus, haben mit seiner Diskreditierung leider ganze Arbeit geleistet. So haftet dem lismus bis heute die Assoziation „kalt, rücksichtslos unmenschlich“ an – mit welchen bis in die Gegenwart reichenden langfristigen Folgen, das sehen wir in Meinungsbild, das eine Umfrage des „Spiegel“ 2022 ben hat. Kommen wir zurück zum Antrag der FDP. Ihr Antrag weckt ein bisschen den Eindruck, das Ei des Kolumbus entdeckt zu haben. (Oliver Stirböck (Freie Demokraten): Das haben nicht behauptet!) Was Sie uns hier als bahnbrechende neue Innovation preisen, ist aber – ich erwähnte es eingangs – nichts lich Neues. Gut, Sie haben das ein bisschen eingeräumt; das will ich durchaus anerkennen. Aber ob die Projekte, die auch in Hessen angeboten den, nun „Jugend gründet“, „Geldlehrer“ oder „JUNIOR“ heißen – Letzteres wird betrieben von einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft –, praxisnahe Elemente der Finanzbildung finden doch reits statt. Beispiele gefällig? Auf eine Kleine Anfrage der Geis von der SPD-Fraktion vom 12. Mai 2016 jedenfalls unterrichtete das Kultusministerium bereits eigens über Tätigkeit der „Geldlehrer“ an hessischen Schulen. in vielen anderen Bundesländern sind derartige bereits seit 20 bis 30 Jahren, mitunter gar seit 50 etabliert. Zudem hat sich die Kultusministerkonferenz des Finanzbildung bereits am 12. September 2013 angenommen und dabei den Beschluss gefasst, dass das Thema nanzen, Marktgeschehen und Verbraucherrecht“ alterszielgruppenspezifisch sowie schulform- bzw. schulstufennicht spezifisch in den schulischen Bildungs- und Erziehungsder prozess integriert werden sollte. Dementsprechend dürfte es nicht überraschen, dass auch Bankenplanspiele an hessischen Schulen stattfinden. DarKennt- über informierte etwa das Schulministerium im Juli 2016 als Antwort auf eine Kleine Anfrage des Kollegen Degen im von der SPD – ich zitiere –: Ergeb„Die Teilnehmer … des Planspiels ‚Schulbanker‘ der simulieren die Führung einer Bank und treffen im MehrTeam Entscheidungen unter anderem in der GeldanParlage, der Kreditvergabe und auch in der Aus- und Ernstes Weiterbildung. Sie analysieren und planen, erstellen die Jahresabschlüsse und überprüfen den betriebswirtwirklich schaftlichen Sinn der Geschäfte.“ Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband bietet Müger über den Sparkassen-Schulservice schon lange kostenlose Vorträge zur Finanzbildung von Schülern sowie ein Onder linelernspiel namens „Planspiel Börse“ an. anDurchaus wünschenswert wäre allerdings eine einheitliche zur Präsentation der schon vorhandenen überregionalen Progenießt jekte zur Finanzbildung von Schülern auf einer zentralen Seite im Internet. aus (Beifall AfD und Maximilian Müger (fraktionslos)) der Um das starke Potenzial des Finanz- und Bankensektors in unserem Bundesland besser zu nutzen, wäre eine eigene Plattform durchaus wünschenswert, die es ermöglicht, dass unsere Schulen schnell und leicht mit auskunftswilligen KapitaExperten des hessischen Finanz- und Bankensektors in und Kontakt treten. einem Aber trotz der insgesamt guten Ansätze Ihres Antrags bleierge- ben für mich jedoch noch einige Fragen, zum Beispiel die Frage, inwiefern für unsere Schüler durch etwaige „School Meets Finance“-Modelle ein zeitlicher Mehraufwand entersteht und ob diese nicht mit den ohnehin schon prall gefüllten Stundenplänen kollidieren. Wenn zum Beispiel – so steht es in Ihrem Antrag – „schuliwir sche Workshops … oder Exkursionen zu Finanzinstitutionen“ durch die Landesregierung ermöglicht und unterstützt an- werden sollen, muss man sich doch die Frage stellen, wirk- ob die Schulen demnächst vielleicht aufgrund der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Zeit ganz einfach vor die Wahl gestellt werden, eine reguläre Klassenfahrt oder eine Exkursion in Museen oder zu Gedenkstätten zugunsten werdieser Neuerung ausfallen zu lassen. (Beifall AfD) derartige Solche Exkursionen halte ich für sehr sinnvoll und wünbeschenswert. Aber ganz ehrlich: Ein Besuch der Bankentürme in Frankfurt – ich kenne die meisten davon von innen Kollegin ganz gut – stellt für mich keinen Mehrwert hinsichtlich der Finanzausbildung unserer Schüler dar. die Ich finde, diese Frage müsste Ihrerseits eindeutig mit eiAuch nem entsprechenden Lösungsansatz beantwortet werden. Projekte „School meets Finance“-Modelle sollten nach Ansicht Jahren, meiner Fraktion das aktuelle Schulprogramm höchstens ergänzen dürfen, ohne wichtige bereits bewährte Konzepte Themas zu verdrängen. Sofern man aber „School meets Finance“- Modelle den Schülern kostenfrei zur freien Verfügung „Fi- überlässt, etwa indem man von Experten erstellte Lerninund halte aus den Bereichen Finanzen und Wirtschaft über eine Onlineplattform verfügbar macht oder in den regulären PoWi-Unterricht integriert, ist nichts gegen ein solches Angebot einzuwenden. Deshalb insgesamt Enthaltung zu Ihrem Antrag. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall AfD)

Alle Reden von Andreas Lobenstein Protokoll ↗