Patrick Appel
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, meine Damen Herren! „School meets Finance: Ökonomische Wissensvermittlung aus der Praxis“ – das ist ein Titel, der Interesse, das gebe ich zu. Das ist auch ein Thema, dem wir alle in diesem Hause sagen können: Ja, das wichtig; denn ökonomische Bildung ist heute keine mehr, sondern das ist eine Schlüsselqualifikation für bestimmtes Leben. Wie treffen wir gute finanzielle Entscheidungen? funktioniert ein Kredit, eine Versicherung, ein trag? Wie sorge ich für das Alter vor, oder auch für den nächsten Monat? – Das sind Fragen, die uns erst im Berufsleben begegnen, sondern eigentlich schon ganz jungen Jahren. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler gut darauf vorbereiten. Bezug (Beifall CDU und SPD) So näm- In diesem Sinne sind der Antrag und der Impuls der FDPFraktion absolut richtig: Finanzbildung gehört auf die Tagesordnung, und das unterstützen wir auch ausdrücklich. Aber so griffig dieser Titel auch klingt, vermischt er doch 90/DIE zwei Dinge, die wir sorgfältig voneinander trennen müssen, nämlich die ökonomische Bildung auf der einen Seite und die Finanz- und Verbraucherbildung auf der anderen Seite. Beides gehört zusammen, aber es ist nicht dasselbe. Gesoll Wer Bildung gestalten will, der muss diese Unterscheidung auch ernst nehmen. bereits Bildung Aber – das ist wichtig – wir müssen diesen Antrag in für den bestehenden Kontext einordnen; denn vieles, was hier von der FDP gefordert wird, passiert längst. Manches, was als neu vorgestellt wird, ist bereits Teil der hessischen Bildungsstrategie. funk- (Beifall CDU und SPD – Widerspruch Freie Demokraten) was Herr Stirböck, dass unsere Schülerinnen und Schüler sich und nicht erst mit TikTok und Co. weiterbilden, zeige ich Ihnen gleich gerne noch einmal auf; denn die ökonomische Bildung ist in Hessen fester Bestandteil des Schulsystems, und die beginnt verdammt früh, nämlich schon in Er- der Grundschule, beispielsweise im Mathematikunterricht beim Thema „Rechnen mit Geld“, oder auch beim Umgang kann mit dem Taschengeld oder bei der ersten Diskussion über Konsum im Morgenkreis. Davon haben Sie daheim sichergehört, lich schon einmal gehört. Wirt- (Zuruf Wiebke Knell (Freie Demokraten)) auch Das sind die ersten Schritte zu ökonomischen Kompetenzen, und sie werden systematisch ausgebaut: in der Sekundarstufe I, in der Sekundarstufe II, in Projekten, in CurriBilcula und auch in Prüfungsvorgaben. Zentral ist hierfür – Bilda gibt es also schon ein Fach, das wir dafür haben – und das Fach Politik und Wirtschaft. Wir haben dieses Fach und in den letzten Jahren auch gezielt gestärkt. Es ist in der Oberstufe verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler. In den Schulen mit Hauptschulbildungsgang, Mittelstufenschulen und in der Jahrgangsstufe 10 an integrierten Gesamtschulen erhalten sie eine zusätzliche Unterrichtsstunde. Das Kerncurriculum in der Sekundarstufe I schreibt für alle Schulformen verbindlich das Fach Politik und Wirtschaft vor, mit Inhaltsfeldern wie beispielsweise Grundlagen des Wirtschaftens, Haushaltsführung, oder auch Konsumentscheidungen. Überfachliche Kompetenzbeschreibungen fördern dabei Urteilsfähigkeit, reflektiertes und Konsumverhalten oder auch unternehmerisches Denken. So legen wir den Grundstein für eine nachhaltige Finanzweckt kompetenz unserer Schülerinnen und Schüler. bei ist (Beifall CDU und SPD) Option Im Landesabitur werden jedes Jahr Aufgabenvorschläge selbstmit ökonomischem Schwerpunkt ausgewählt. Das Kerncurriculum für PoWi – es ist im November 2024 geändert Wie worden, wir reagieren also auch auf Entwicklungen und Mietver- auf Monitore – legt fest, dass Schülerinnen und Schüler einfach ökonomische Fragestellungen analysieren, wirtschaftspolinicht tische Argumente abwägen und auch eigene Handlungsin empfehlungen entwickeln. Für das Fach Wirtschaftswissenschaften – da sind wir schon beim zweiten Fach, während Herr Stirböck meinte, wir hätten kein Fach dafür in der Schule – in der gymnasialen Oberstufe existiert seit November 2024 ebenfalls ein neues Kerncurriculum, und das verknüpft Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu Themenblöcken wie beispielsweise nachhaltige Entwicklung oder auch Unternehmensgründung. Ich persönlich habe in meiner Schulzeit im Fach PoWi schon an Börsenplanspielen teilgenommen. Was wie ein Spiel begann, hat mir ausdrücklich gezeigt, wie Marktmechanismen funktionieren, wie schnell auch Emotionen in wirtschaftliche Entscheidungen hineinspielen und wie viel Wissen insgesamt nötig ist, um langfristig kluge Entscheidungen zu treffen. Deswegen freut es mich auch besonders, dass solche Formate auch weiterhin existieren und ausgebaut werden, wie beispielsweise aktuell in Gelnhausen: Dort nehmen 1.300 Schülerinnen und Schüler an Deutschlands größtem Börsenspiel teil, nämlich an den beruflichen Schulen vor Ort. Das ist nicht nur eine Zahl, sondern ein Beweis dafür, dass die finanzielle Bildung funktioniert – wenn sie gut eingebettet ist, professionell begleitet und ansprechend gestaltet wird. (Beifall CDU und SPD) Genau das ist unser Ziel: nicht punktuelle Einzelveranstaltungen, nicht lose Zusatzangebote, sondern eine nachhaltige strukturierte ökonomische Bildung. Dazu gehört auch ein gesetzlicher Rahmen. Seit 2022 ist Finanz- und Verbraucherbildung im Hessischen Schulgesetz verankert. Das ist nicht nur Symbolik, sondern das ist ein klarer, verbindlicher Auftrag an unsere hessischen Schulen. Unsere Curricula enthalten überfachliche Kompetenzbeschreibungen, die ökonomisches Denken ebenso fördern wie Urteilsfähigkeit, Konsumverhalten, unternehmerisches Denken. Diese Fähigkeiten sind unverzichtbar für Berufsleben, Alltagsentscheidungen und auch gesellschaftliche Teilhabe. Wir gehen noch weiter, etwa mit Formaten wie dem landesweiten Projekttag zu Finanzbildung, dem Netzwerk ökonomische Bildung und einem umfangreichen Fortbildungsangebot für Lehrkräfte, damit diese sicher und kompetent wirtschaftliche Inhalte vermitteln können; denn wir wissen: Die Lehrkraft bleibt die zentrale Figur für Bildung. Nur wenn sie qualifiziert, souverän und sicher auftritt, entsteht nachhaltiges Lernen, gerade in einem so sensiblen Feld wie dem Umgang mit Geld. „Was ist mit der Praxis?“, fragen Sie jetzt sicherlich. Was ist eigentlich mit den externen Partnern, von denen Sie gesprochen haben? Wir begrüßen diese Kooperation ausdrücklich. Aber wir sagen auch ganz klar: Sie müssen pädagogisch sinnvoll eingebunden sein, und sie dürfen nicht die staatliche Verantwortung für die Bildung verwässern. Banken, Fintechs oder Versicherungen haben ihre absolute Expertise – gar keine Frage –, aber auch ihre eigenen Interessen. Das ist legitim, das braucht aber klare Grenzen. Wir brauchen hier an unseren Schulen keinen neuen Wolf of Wall Street. (Beifall CDU und SPD) Bildung – das ist kein Werbeplatz, und das darf sie auch nie werden. Das ist auch rechtlich verankert. Das hessische Schulwesen steht unter staatlicher Aufsicht. So steht es in der Verfassung, und so steht es in unserem Hessischen Schulgesetz. Was Externe einbringen, ist willkommen, aber es braucht die steuernde Hand der Schule und die professionelle Begleitung durch Lehrkräfte. Ein weiterer Punkt ist die Rolle der Eltern. Sie haben es angesprochen, nämlich den Hessenmonitor. Er zeigt auch ganz deutlich, dass das Elternhaus das Finanzverhalten junger Menschen entscheidend mitprägt. Die Schule kann viel leisten, sie muss viel leisten, sie leistet auch sehr viel, aber sie ersetzt keine familiäre Prägung. Deshalb brauchen wir ein vernetztes Verständnis von Bildung, eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung. Auch die aktuelle Studie „Ökonomische Bildung in Deutschland“ aus dem Jahr 2024 bestätigt unseren hessischen Weg. Hessen liegt über dem Bundesdurchschnitt – in Klammern: an Gymnasien. Ja, wir haben in der Sekundarstufe I an den Haupt- und Realschulen Luft nach oben, aber auch genau dort setzen wir mit neuen altersgerechten Unterrichtseinheiten, mit zusätzlichen Unterrichtsstunden und mit gezielten Fortbildungen für die Lehrkräfte an. Hierzu lohnt sich auch der Blick in unsere Lehrkräfteakademie online. Da sind mehrere Seiten zu diesem Thema zu sehen. Unser Ziel ist ein methodisch-didaktisches, gleichwertiges Niveau an allen Schulformen für eine echte Bildungsgerechtigkeit. Ein weiterer zentraler Baustein ist die Verordnung zur beruflichen Orientierung. Sie verpflichtet alle Schulen ab Klasse 7 zur Zusammenarbeit mit Unternehmen, Betrieben oder auch Hochschulen. Dabei kommt es auch wieder ganz darauf an, welches Abschlussziel ich anstrebe. Auch hier ganz klar: Struktur, Qualität und Verbindlichkeit, aber eben keine Willkür. Aber was heißt das jetzt alles für den vorliegenden Antrag der FDP? Ja, er benennt ein berechtigtes Anliegen. Er bringt auch, wie man sieht, Schwung in eine Debatte. Aber er unterschätzt definitiv das, was bereits passiert. Er bleibt auch unsystematisch in seiner Umsetzung. Was wir brauchen, sind keine parallelen Welten, sondern wir brauchen kluge Ergänzungen zum Bestehen. Unser Ziel bleibt klar: Wir wollen junge Menschen stark machen für ihren Alltag, für ihren Beruf und für ihr Leben. Dazu gehören auch eine verlässliche Finanzpolitik und eine verlässliche Finanzkompetenz, die verbindlich und mit Weitblick ist. – Vielen Dank. (Beifall CDU und SPD)
