René Rock
Herr Kollege Stirböck, Entschuldigung. – Herr Kollege Kasseckert, vielleicht können Sie das Gespräch beenden. Sehr gut. Herr Kollege Stirböck, Sie haben wieder das Wort. Oliver Stirböck (Freie Demokraten): Herzlichen Dank. – Vielmehr haben die Jugendlichen den ersten Kontakt dazu über die sozialen Medien, über TikTok, Instagram und YouTube. Dort begegnen junge Menschen heute täglich Spartipps, Investmentideen und Hinweisen auf die vermeintlich besten Finanzstrategien. Das zeigt, wie groß das Interesse der jungen Menschen an Geld und der Wirtschaft ist. Auf diesem großen Interesse der jungen Menschen muss eine Finanzbildungsstrategie fußen. (Beifall Freie Demokraten) Aber das Interesse allein reicht nicht. Es gibt nicht nur immer mehr Finanzprodukte, sondern sie werden auch immer komplexer. Wer zwischen ETFs, Krypto-, Dispound Konsumkredit unterscheiden soll, braucht mehr als oft halbgare Clips und Tipps. Er braucht das Handwerkszeug. Er braucht das solide Verständnis ökonomischer Schlüsselkonzepte. Er braucht Beurteilungsfähigkeit. Nur wer selbst versteht, wie das mit den Finanzen funktioniert, kann solche Tipps einordnen, Chancen erkennen und Risiken vermeiden. Dabei müssen wir den Jugendlichen helfen. (Beifall Freie Demokraten) Eine gute ökonomische Bildung kann unsere Jugendlichen urteilsfähig und unabhängig machen. Eine geringe ökonomische Bildung hingegen geht mit einer geringeren Sparquote, einer höheren Gefahr privater Überschuldung, einer geringeren Kapitalmarktpartizipation und mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einer Unternehmungsgründung einher. Ökonomisches Grundverständnis ist heute so wichtig wie Lesen und Schreiben. Einen finanziellen Analphabetismus können wir uns nicht leisten. Unternehmen wir mehr dagegen. (Beifall Freie Demokraten) Der Hessenmonitor zeigt: Junge Erwachsene zeigen hohes Interesse und Offenheit gegenüber den Finanzthemen. Aber 73 % geben an, nie eine Form finanzieller Schulung erhalten zu haben. Nur 12 % haben überhaupt Finanzwissen in der Schule vermittelt bekommen. Nur 37 % beantworten die drei Standardfragen zum Zins, zur Inflation und zur Diversifikation korrekt. 34 % der Befragten haben Schulden. Bei niedriger Bildung ist die Quote überdurchschnittlich hoch. Aber immerhin 28 % folgen Finanzinfluencern. Diese Ergebnisse in einem Satz zusammengefasst: Eine hohe Nachfrage nach ökonomischer Bildung trifft auf ein völlig unzureichendes Angebot, und das müssen wir ändern. Genau hier setzt unsere Initiative „School meets Finance“ an. (Beifall Freie Demokraten) Wir müssen also die ökonomische Bildung ausbauen, von der Grundschule bis zur Universität und darüber hinaus. Ich möchte ausdrücklich anerkennen, dass die Koalition, die Landesregierung und vor allem Minister Lorz sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben und es auch ein Stück weit vorantreiben, dass Minister Lorz etwa am Festival für Finanzbildung teilgenommen hat, das Christian Lindner und Bettina Stark-Watzinger im vergangenen Jahr organisiert haben. Aber wir müssen auch gemeinsam anerkennen, dass das, was es bislang in Hessen gibt, nicht ausreichend ist. Deshalb haben wir heute einen neuen Vorschlag in die Debatte eingebracht. (Beifall Freie Demokraten) Mit unserer Initiative „School meets Finance“ schließen wir die Lücke zwischen der Neugierde der jungen Generation und dem fehlenden Angebot an den Schulen. Unser Vorschlag: Finanzfachleute kommen direkt in die Schulen, bringen ihre Alltagserfahrung mit und vermitteln den Jugendlichen auf eine verständliche, auf eine lebensnahe Art und Weise ökonomische Grundkenntnisse. Was heißt das konkret? Keine trockene Theorie, sondern Workshops und Planspiele zu Fragen wie: Wie funktioniert ein Girokonto? Was passiert, wenn ich einen Kredit aufnehme? Warum lohnt sich ein ETF-Sparplan? Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto? – Darüber ist ja schon einmal ein Kanzlerkandidat gescheitert. Außerdem sollte es Vorträge von Fachleuten aus Banken, Versicherungen, Start-ups oder der Deutschen Börse geben, Exkursionen zu Finanzinstitutionen, interaktive Formate mit zur Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler. bringen wir Finanzbildung dorthin, wo sie hingehört, lich in die Mitte des Unterrichts – praxisnah, anschaulich und relevant. (Beifall Freie Demokraten und BÜNDNIS GRÜNEN) Uns ist auch wichtig, dass dieses Angebot flächendeckend allen Schulformen offenstehen soll: Haupt-, Real- und samtschulen, Gymnasien, beruflichen Schulen. Das nicht erst kurz vor dem Abitur, sondern das muss in der Sekundarstufe I beginnen; denn finanzielle darf kein Privileg sein, sondern sie ist ein Baustein Chancengleichheit. (Beifall Freie Demokraten) Nur wer früh versteht, wie wirtschaftliche Prozesse tionieren, kann am gesellschaftlichen und am wirtschaftlichen Leben vollwertig teilnehmen. Finanzielle Selbstbestimmung ist gelebte Freiheit, und Freiheit ist nichts, man verordnet, sondern man muss sie ermöglichen, dazu sollten wir gemeinsam beitragen. (Beifall Freie Demokraten) Wir haben spätestens seit dem Hessenmonitor kein kenntnisproblem mehr. Unser Antrag löst zugegebenermaßen nicht das gesamte Problem. Aber der Gedanke und sollte ein Beitrag sein, eingebettet in eine Gesamtstrategie ökonomischer und finanzieller Bildung. Dazu dass wir auch die Lehrerfortbildung für das Fach schaft verbessern müssen. Vielleicht braucht es dazu tatsächlich ein eigenständiges Fach. Lassen Sie uns gemeinsam das Gehirnschmalz entwickeln und daran arbeiten, die finanzielle und ökonomische dung in unserem Land voranzubringen. Ökonomische dung stärkt die Aktienkultur, stärkt den Finanzplatz, ökonomische Bildung macht auch den Einzelnen stark, darauf kommt es an. – Herzlichen Dank. (Beifall Freie Demokraten)
