Heike Hofmann
geHerr Präsident, meine Damen und Herren! Der Fachkräfinterestemangel wirkt tief in alle gesellschaftlichen Bereiche hinBerufsein. Bürgerinnen und Bürger spüren ihn bei der Suche nach einem Kita-Platz, beim Unterrichtsausfall an den Schulen Rücken oder beim Warten auf einen Arzttermin. Er gefährdet auch unseren Wohlstand. im Ich danke deshalb den Fraktionen von SPD und CDU Morafür diesen umfangreichen Antrag zur Fachkräftesicherung Feuer und -gewinnung; denn dieser Antrag gibt mir die Chance, anzuIhnen die Maßnahmen aufzuzeigen, die die Landesregierung allumfassend ergreift, um den Fachkräftemangel zu ihnen mildern. Und ich sage Ihnen deutlich: Das ist eines der nicht zentralsten Themen dieser Zeiten. wei- (Beifall SPD und vereinzelt CDU) WahrDie Arbeitsmärkte und Wirtschaftsräume in den Regiotun. nen Hessens befinden sich in einem grundlegenden Strukturwandel. Dieser vollzieht sich aber im ganzen BundesZurufe gebiet. Diese Veränderungsprozesse zeichnen sich durch Ravensglobale Megatrends wie den demografischen Wandel, die Digitalisierung, die Dekarbonisierung, aber auch geopolikonkre- tische und gesellschaftliche Entwicklungen aus, die uns für auch hier prägen. Alle Regionen in Hessen sind von den Von Auswirkungen auf die aktuelle und zukünftige Fach- und In- Arbeitskräftesicherung betroffen. Die neueste Prognose der Hessischen Fach- und Arbeitskräfteinitiative „Zukunftsgerecht und regional“ – sie ist Fahrer ist schon angesprochen worden – zeigt, dass bis zum Jahre 2030 240.000 Fachkräfte fehlen. Ich will Ihnen noch eisprechen ne interessante Zahl nennen: Das sind rund 160.000 Menallerding ja schen mit einem Berufsabschluss und knapp 80.000 Menschen mit einem Studienabschluss. jenes gerne Die Landesregierung hat deshalb auch zu Recht einen Ulrike Schwerpunkt auf dieses Thema gelegt, und alle Regierungsmitglieder, alle Ressorts ziehen in dieser Frage an armen einem Strang. Wir sind als Arbeitsministerium ressortübergreifend tätig, aber jedes einzelne Ressort erarbeitet seine einzelnen Maßnahmen und setzt sie entsprechend auch aufs Gleis. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für verein- ihr engagiertes Zutun in dieser entscheidenden Zukunftsfrage. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Besonders möchte ich an der Stelle aber unserem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori danken; denn wir sind beide davon überzeugt, dass gute Arbeit und gute Wirtschaft zwei Seiten derselben Medaille sind. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Was gibt es aber zu tun, meine Damen und Herren? Es gilt zum einen, alle verfügbaren inländischen Potenziale zu heben. Unsere Strategie fußt deshalb auf einem Maßnahmenmix aus Bildung, Arbeitsmarktpolitik, Internationalisierung und Attraktivität. Fach- und Arbeitskräftesicherung findet aber auch vor Ort statt. Deshalb haben wir mit der Initiative „Zukunftsgerecht und regional“ eine wichtige Maßnahme ergriffen, indem wir in allen Regionen – auch in Zusammenarbeit mit dem IWAK, dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität in Frankfurt am Main – sehr passgenau und regional Arbeitsmarktdaten und -fakten ermitteln und diese auch mit allen relevanten Playern in den Regionen in sogenannten Zukunftswerkstätten besprechen. Das ergibt das entsprechende Fundament, um in den einzelnen Regionen auch wirklich passgenau und branchenübergreifend zu handeln. Ich finde dies ganz zentral. Das Instrument „Zukunftsgerecht und regional“ ist wirklich ein Erfolg. (Beifall CDU und SPD) Ich sage Ihnen: Die Fachkräftesicherung oder die Beseitigung des Fachkräftemangels ist keine One-Woman- oder keine One-Man-Show, sondern das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb ist es so wichtig, dass wir alle relevanten Player – ob es die Wirtschaft ist, die Verbände, die Kirchen, aber auch die Sozialpartner, die Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmer – zusammenbringen, unsere Kräfte bündeln und gemeinsam an einem Strang ziehen. Es geht hier nicht um irgendwelche Besprechungsgremien in der 20., 30., 40. Folge. Nein, wir haben uns insbesondere in dem neuen Format des Zukunftskonvents darauf verständigt, dass wir über die Fachgruppen konkrete Arbeitsergebnisse erzielen, damit der Fachkräftemangel in Hessen abgemildert wird. Meine Damen und Herren, wir arbeiten an ganz konkreten Ergebnissen. (Beifall CDU und SPD) Ich will auch noch einmal verstärken, was schon angesprochen worden ist: Wir haben über die Facharbeitsgruppen eine Neuerung vorgenommen, indem wir uns die Lebenslagen der einzelnen Bürgerinnen und Bürger, der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genauer anschauen. Wenn wir das machen, können wir auch die Potenziale der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den unterschiedlichen Lebenslagen, in denen sie sich befinden, besser abschöpfen und ausschöpfen und haben einen besseren Blick auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ich glaube, das ist ein Erfolg versprechender Ansatz, meine Damen und Herren. (Beifall CDU und SPD) Was neu und wichtig ist: Wir zeigen mit dieser Strategie nicht mit Finger auf andere, sondern nehmen alle mit in die Verantwortung. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, deswegen arbeiten wir gemeinsam an entsprechenden Lösungen, meine Damen und Herren. Wir haben, das ist schon angesprochen worden, zudem die Stabsstelle „Fachkräfte für Hessen“ personell und strukturell gestärkt. Sie bündelt ressortübergreifend die Vielzahl der Aktivitäten und Maßnahmen und setzt darüber hinaus Impulse, neue Strategien und Unterstützungsangebote. Daneben arbeiten wir an besseren und einfachen Prozessen. Hier ist das Stichwort Entbürokratisierung zu nennen; denn das ist ebenfalls ein wichtiges Thema, das positiv auf das Konto der Fach- und Arbeitskräftesicherung einzahlt. Meine Damen und Herren, deshalb ist dieses Thema bei uns mit dabei. (Beifall CDU und SPD) Eine weitere Neuerung ist, und darauf bin ich sehr stolz: Wir haben schon öfter in diesem Haus darüber gesprochen, wie wichtig es ist, wenn ausländische Fachkräfte, die zu uns kommen, willkommen geheißen werden. Dafür haben wir das WELCOMECENTER Hessen in Frankfurt, das wir kontinuierlich fortführen. Aber nicht nur das: Mir ist wichtig, dass dieses Angebot in der Fläche in Hessen eingeführt wird. Ich bin stolz darauf, dass wir alsbald auch in Mittelund Nordhessen ein Welcomecenter eröffnen können, meine Damen und Herren. (Beifall CDU und SPD) Ein Weiteres: Einrichtungen und Betriebe, die in sogenannten Engpassberufen in der Kinder- und Jugendhilfe oder auch der Eingliederungshilfe oder der pflegerischen Versorgung tätig sind, wollen wir mit einem sogenannten Integrationsbonus weiter unterstützen, den wir Ende der Woche scharfstellen wollen. Diese Betriebe und Einrichtungen können dann mit dem Integrationsbonus Zuschüsse für Personalausgaben bekommen, die ihnen beim sogenannten Onboarding-Prozess helfen – das heißt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch besser und nachhaltiger integriert werden – oder auch für die systematische Einarbeitung der internationalen Fachkräfte im beruflichen Anerkennungsverfahren oder für interkulturelle Trainings. Ich sage Ihnen, meine Damen und Herren: Der Integrationsbonus kommt, und er wird auch in diesem Bereich helfen, dass wir den Fachkräftemangel mildern. (Beifall CDU und SPD) Ich will ein weiteres zentrales Thema nennen, das mir sehr wichtig ist. Wir müssen insbesondere bei den Frauen dafür sorgen – viele stecken in der Teilzeitfalle –, dass diejenigen, die können und wollen, das sind sehr viele, auch wirklich mehr arbeiten können. Wir müssen die Chancen und Potenziale von Frauenerwerbsarbeit stärker ausnutzen und Frauen auch darin unterstützen, dass Familie und Beruf, Beruf und Pflege besser vereinbar sind, dass die Care-Arbeit besser aufgeteilt wird. Deshalb ist es so wichtig, dass wir in unserem Ministerium und seitens der Landesregierung die frühkindliche Bildung stärken. Denn wir wissen aus einer Befragung, dass die häufigste Antwort, warum Frauen mit Kindern unter 14 Jahren im Haushalt in Teilzeit arbeiten, der fehlende Betreuungsplatz ist. Deshalb ist es wichtig, dass die Landesregierung auch an diesem Thema entsprechend arbeitet. (Beifall CDU und SPD)
