Sabine Bächle-Scholz
– Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kolvorlegen! Nach der Ideologie zurück in die Realität, zurück nach Hessen, wo wir Probleme lösen, aber nicht schaffen, wo keine Prüfungsbeschlüsse notwendig sind, sondern wo fast wir bereits reformieren. davon Gesund- (Beifall CDU und vereinzelt SPD) Wir haben erkannt, das Thema Arbeitsmarkt stellt sich als eine Herausforderung für ganz Deutschland dar, die auch vor uns in Hessen nicht haltmacht. Der demografische Wandel ist kein zukünftiges Ereignis. Wir sind mittendrin. Dies hat Auswirkungen auf uns alle. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden wesentlich mehr Arbeitskräfte altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, als neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt strömen. Somit fehlen uns in der Zukunft nicht nur Fachkräfte, sondern auch insgesamt Arbeitskräfte. Hieraus ergeben sich Probleme für unsere Wirtschaft, für unsere sozialen Sicherungssysteme und infolgedessen für unseren Wohlstand. Gemäß den Prognosen der hessischen Fachkräfteinitiative „Zukunftsgerecht und regional“ aus dem Jahr 2022 sind dies bis 2030 ca. 240.000 Arbeitskräfte. Kollege Körner hat das bereits erwähnt. Diesem Problem ist schon die vorherige CDU-Landesregierung entschieden entgegengetreten. Die neue CDU-geführte Landesregierung wird sich weiterhin diesen Aufgaben stellen. Der vorliegende Antrag zeigt, was wir schon in die Wege geleitet haben und welchen Weg wir in Zukunft gehen werden. Wie wichtig uns dieses Thema ist, wird allein schon dadurch deutlich, dass wir für die Frage der Verbesserung des Ausbildungsangebots, der Chancengleichheit und für die Weiterentwicklung der Strategie zur Fachkräfte- und Arbeitskräftesicherung die Stabsstellen stärken werden. Richten wir – das ist leider so – einen Blick auf eine besorgniserregende Entwicklung. Davor verschließen wir auch nicht die Augen. Das betrifft die wachsende Abwanderung gut qualifizierter deutscher Fachkräfte. Wie in einem Artikel des „Handelsblatts“ erläutert, verlassen laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung jedes Jahr rund 210.000 Bürgerinnen und Bürger im Alter von 20 bis 40 Jahren Deutschland. Drei Viertel von ihnen haben einen Hochschulabschluss. Diese internationale Mobilität junger Erwachsener hat vielfältige Gründe. Dies sind beispielsweise berufliche Chancen, Lebensqualität oder vielleicht auch die Rahmenbedingungen. Das bedeutet aber auch einen Verlust an Talenten, Kompetenzen und Wissen für den Arbeitsmarkt hierzulande. Erschwerend kommt hinzu, dass immer weniger Ausgewanderte nach einigen Jahren zurückkehren. Uns muss es gelingen, diesen jungen Menschen Angebote zu machen, die sie veranlassen, sich nicht für das Ausland, sondern für Deutschland zu entscheiden. Außerdem müssen wir diejenigen unterstützen, die jetzt in den Arbeitsmarkt kommen, die vielen jungen Menschen, die im Übergang zwischen Berufsweg und Berufswelt stehen. Sie brauchen Perspektiven, Begleitung und Orientierung. Deshalb stärken wir die direkte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Berufshilfe, dem Jobcenter und der Berufsberatung der Agenturen. Um Auszubildende zu unterstützen, müssen wir auch gewährleisten, dass genug Ausbildungsplätze in der Nähe sind. Deshalb fördern wir die Erweiterung des Angebots an Berufsschulen und unterstützen den Bau von Wohneinheiten für Studierende und Auszubildende. Das haben wir auch explizit in unseren Koalitionsvertrag aufgenommen. Auch in diesem Vorhaben hat die Landesregierung bereits gut vorgelegt und einen wichtigen Beitrag zu den Rahmenbedingungen geliefert. Des Weiteren wollen wir Menschen helfen, die merken, dass sie in ihrer Ausbildung auf unerwartete Probleme stoßen und die Gefahr eines Ausbildungsabbruchs besteht. Unser Ziel ist es, die Ausbildungsabbruchquote so gering wie möglich zu halten. Deshalb werden wir das Beratungsangebot für Ratsuchende erweitern. Dafür ist es aber auch wichtig, über diese Angebote im Land umfassend zu informieren. Zur Gewinnung neuer Fachkräfte gehört auch die Familienfreundlichkeit. Menschen mit familiären Verpflichtungen oder eigenen gesundheitlichen Einschränkungen muss es möglich sein, die Ausbildung in Teilzeit zu machen. Die Landesregierung unterstützt bereits in ihrer Vorreiterposition gezielt die Betriebe und die Ausbildungsinteressierten bei der Anpassung der Ausbildungslehrpläne. Eines ist uns auch klar: Darüber hinaus müssen wir die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften in den Arbeitsmarkt weiter fördern. Wir müssen die Menschen, die für unsere Wirtschaft gebraucht werden, davon überzeugen, nach Hessen zu kommen. Dazu ist es notwendig – wir haben es schon gehört –, im Ausland erworbene Abschlüsse schneller zu prüfen und anzuerkennen. In diesem Sinne sind wir dabei, stärkere Vereinheitlichungen bzw. Standardisierungen von Anerkennungen zu schaffen und auch hier die Entbürokratisierung voranzutreiben. (Beifall CDU und SPD) Damit wird dafür gesorgt, dass Menschen, die arbeiten wollen, dies auch können und dürfen. Die Herausforderungen verschiedenster Art anzupacken, das haben wir in Hessen gelernt. Wir haben viele Maßnahmen ergriffen und nennenswerte Institutionen geschaffen, und zwar getragen von einem ganzheitlichen Ansatz, wie es Herr Körner bereits sagte: Erstens. Wir müssen in Hessen mit dem Programm LOEWE wieder die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu uns holen. Wenn wir ein Standort für Spitzenforschung sein wollen, brauchen wir auch die Spitzenforschung. Haben wir Spitzenforschung, schaffen wir Arbeitsplätze. Zweitens. Ein zentrales Instrument ist das Bündnis Ausbildung Hessen, das kürzlich sogar bis 2029 verlängert wurde. Konkret sollen die Attraktivität und das Image der dualen Ausbildung weiter gesteigert werden. Damit wird nämlich ein starkes Zeichen gesetzt, dass berufliche Ausbildung in Hessen gleichwertig zur akademischen Bildung und zukunftsfähig gestaltet wird. Drittens. Mit der landesweiten OloV-Strategie besitzt Hessen als einziges Bundesland ein flächendeckendes Konzept, um Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen. (Beifall CDU und SPD) Viertens. Das Schulversuchsprogramm BÜA, also das Programm zum Übergang von der Berufsfachschule in Ausbildung, wird in Hessen erprobt, um insbesondere junge Menschen unter 18 Jahren ohne Ausbildungsplatz gezielt zu fördern. Seit dem Schuljahr 2017/2018 nehmen insgesamt 38 Schulen an diesem Modellversuch teil. Bei der BÜA sollen Schulabgänger innerhalb von maximal zwei Jahren vorbereitet werden, damit ihnen der Einstieg in eine duale Berufsausbildung gelingt. Falls nötig, können sie in dieser Zeit sogar ihren Schulabschluss nachholen. Fünftens. Um die Fachkräftepolitik umfassend und kunftsgerichtet zu gestalten, hat die Landesregierung Zukunftskonvent „Fach- und Arbeitskräfte für Hessen“ Leben gerufen. Dieses Gremium vereint Vertreter der gierung, der Wirtschaft, der Gewerkschaften, der schaft, der Verwaltung und der Gesellschaft, um sam Lösungen zur Fachkräftesicherung zu erarbeiten. Zusammenarbeit in diesem Konvent sorgt dafür, dass tische Erfahrungen aus Unternehmen und Regionen in strategische Maßnahmen einfließen. Damit wird Fachkräfteoffensive der alten Landesregierung nachhaltig weitergeführt. Lassen Sie mich abschließend festhalten: Das Land hat die Zeichen der Zeit erkannt und handelt mit Entschlossenheit. Durch die genannten Initiativen und eine Strategie stellen wir sicher, dass Hessen auch in ein attraktiver, verlässlicher und starker Standort für beit und Ausbildung bleibt. Unsere Botschaft ist klar: investieren heute in Ausbildung, Weiterbildung und kräftegewinnung, um den Wohlstand von morgen in zukunftsfähigen Hessen zu sichern. Packen wir es Vielen Dank. (Beifall CDU und SPD)
