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Matthias Körner

SPD 14.05.2025 Sitzungen 21/40

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr verehrte Damen und Herren! Wir sagen heute klar: Junge Menschen brauchen echte Perspektiven. Kein Jugendlicher darf im Übergang zwischen Schule und Beruf verloren gehen. – Lassen Sie mich aber auch das deutlich sagen: Wir sehen Auszubildende nicht als Mängelwesen, nicht als Notfallprogramm, nicht als Statistik, nicht als Subjekte in einer angespannten Ausbildungsmarktsituation. Diese Sichtweise kommt einer anderen Zeit – ich habe sie selbst miterlebt –, Jugendberufsnot der Siebzigerjahre. Heute geht es nicht um Defizite, sondern es geht um ziale, um junge Menschen, die Verantwortung übernehmen sollen und auch wollen, um Talente, die unsere nicht nur mitgestalten können, sondern werden – in Pflege, im Handwerk, in der IT und in der Forschung. Ich wünsche mir manchmal, dass gerade meine Generation einen anderen Blick auf diese Generation gewinnt. glaube, das würde uns allen guttun, wenn wir manchmal weniger schlecht über junge Menschen sprächen, als das gelegentlich in der Öffentlichkeit hören. (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS DIE GRÜNEN) Wir setzen auf individuelle Förderung statt auf pauschale Maßnahmen. Wir stärken Programme wie OloV. Wir dern Praktika. Wir investieren in moderne wohnortnahe Berufsschulen. Heute werden aber nicht alle Probleme des Ausbildungswesens einmal pauschal mit dem großen Hebel und zeitig gelöst. Ich sehe da oben so ein paar Kollegen meiner Zeit im Berufsbildungsausschuss beim Wirtschaftsministerium. Sie wissen, ich habe es manchmal auch ne schneller, aber wir sind in einem Marathon und in einem Sprint. Die Herausforderungen sind vielschichtig, tiefgreifend und vor allem langfristig gewachsen. Wandel der Arbeitswelt, der demografische Druck, Bildungsbiografien, die Vereinbarkeit von Familie und ruf, ungleiche Chancen, fehlende Anschlussmöglichkeiten: All das lässt sich nicht mit einem Beschluss im Hessischen Landtag heute lösen. Das wäre schön, aber es wäre messen. Wir setzen heute einen Impuls. Wir geben der Fachkräftesicherung einen guten und sicheren Rahmen. Wir lieren ihn aus; denn – ich habe es schon gesagt – sind nicht im Sprint, sondern auf der langen Strecke. will das auch gar nicht als Vorwurf verstanden aber wir haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich viele Konstellationen geschaffen – an den unterschiedlichsten Stellen, in unterschiedlichen Farben, in unterschiedlicher Verantwortung, alle zusammen –, sodass es schwierig wird, zu verstehen, wer gerade wo aus welchem von wo nach wo gefördert werden soll. Junge Menschen, ihre Eltern, ihre Lehrkräfte, überhaupt ihr ganzes brauchen zugängliche und verständliche Angebote. ist über diese Zeit gewachsen. Es ist oft nicht mehr vielschichtig, sondern es ist undurchschaubar geworden. Der Mangel an Fach- und Arbeitskräften betrifft nicht einzelne Regionen und Branchen, sondern alle unseres Zusammenlebens. Ich selbst stamme aus dem gang 1969. In diesem Jahr kamen in Deutschland Millionen Kinder zur Welt. Vor zwei Jahren lag diese bei 680.000. Das ist kein kleiner Unterschied, das ist struktureller Wandel, der sich quer durch alle unserer Gesellschaft zieht. (Andreas Lichert (AfD): Eine Katastrophe!) Wir werden also künftig mit weniger jungen Menschen mehr erreichen müssen. Das bedeutet, wir können es nicht leisten, auch nur ein Talent zu übersehen oder ungenutzt zu lassen. Meine Damen und Herren, jeder gelungene Ausbildungsaus start ist ein Gewinn für die einzelne Person, für den Beder trieb, für unsere Gesellschaft insgesamt. (Beifall SPD und CDU) PotenDer Antrag trägt diesen Umständen Rechnung. Er ist nicht Zukunft nur ein Appell, sondern eben der Versuch eines Fahrplans der für eine zukünftige Arbeitswelt in Hessen. Allein in unserem Bundesland werden im Jahr 2030 vermutlich 240.000 Fachkräfte in den unterschiedlichsten Bereichen fehlen. Die Zahlen sind nicht abstrakt. Sie sind konkret. Sie beIch deuten fehlende Kräfte in den Krankenhäusern, fehlende Lehrkräfte in den Schulen, fehlende Handwerkerinnen und wir Handwerker bei Ihnen zu Hause, fehlende IT-Kräfte, fehlende Erzieherinnen und Erzieher. 90/ Wir haben immer noch zu viele Menschen, die wir vollständig in den Bereich verlieren, wo sie ohne Ausbildung und ohne Berufstätigkeit ihren Alltag irgendwie arrangieförren. Das können und dürfen wir uns noch weniger leisten. Jeder verdient eine zweite Chance – aus sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Vernunft. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) gleichaus Was tun wir? Wir setzen auf einen ganzheitlichen Ansatz von der frühzeitigen Berufsorientierung in den Schulen ger- über die Stärkung der dualen Berufsausbildung, der Hochnicht schulen und der Weiterbildung. Wir sehen das immer stärker geordnet nach Lebensphasen. Wir wollen das also nicht Der mehr nach Branchen betrachten, sondern eben nach Leneue bensphasen, in denen die jungen Leute sind. Man merkt das schon mit den Ansätzen aus den Praktika in den BeSchulen heraus, was dort unternommen worden ist, dass dieser Weg beschritten wird und wir ihn in den nächsten Jahren noch weiter verstärken. verWir sehen klar: Junge Menschen verdienen echte Perspektiven. Kein Jugendlicher darf an diesen Übergängen verloformu- ren gehen. Wir stärken die Programme. Wir werden sie weiter fortsetzen. wir Ich Gleichzeitig schauen wir auf Menschen mit familiären wissen, Verpflichtungen oder gesundheitlichen Einschränkungen. zu Teilzeitausbildung und Betreuungsangebote sind entscheidend, um Teilhabe zu ermöglichen und um Potenziale zu heben, die heute noch gar nicht erschlossen sind. Wir denken international mit dem 1.000-Köpfe-Programm für Grund Spitzenkräfte in der Spitzenforschung. Mit beschleunigten Anerkennungsverfahren und dem Abbau von Bürokratie Umfeld, schaffen wir Voraussetzungen, dass qualifizierte Menschen Vieles nicht nur zu uns kommen, sondern auch bei uns bleiben. nur Ich darf Ihr Augenmerk noch einmal besonders auf Punkt 9 lenken, wo wir relativ direkt sagen, dass wir konkrete Konnur stellationen identifizieren werden, in denen wir Programme Bereiche für Aufenthaltstitel beschleunigen. Jahr1,14 (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Zahl Es gibt gelungene Programme. Ein besonders Beispiel ist ein Bereiche das Projekt SchulePlus in Haiger. Dort arbeiten Schule, Unternehmen, Kammern und Beratungsstellen zusammen. (Beifall SPD und CDU) Das ist keine Theorie im Klassenzimmer, das ist echte uns Begegnung mit der Arbeitswelt über Praktika und Projekte. SchulePlus zeigt: Wenn alle Partner zusammenkommen, entstehen echte Perspektiven. Meine Damen und Herren, Fachkräftesicherung ist keine technische Verwaltungsaufgabe, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Arbeit des Zukunftskonvents Fach- und Arbeitskräfte beim Sozialministerium und gleichzeitig die Arbeit der Gewerkschaften, der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Kirchen, eben auch der Arbeitgeber und Sozialpartner im Bündnis für Ausbildung. Ausbildungsmangel ist kein Problem, das sich in einem Ministerium bündeln lässt. Es geht um die Motivation und Voraussetzungen, mit denen jungen Menschen aus den Schulen kommen. Es geht um die Rahmenbedingungen für Ausbildung. Es geht um Wege der Unterstützung. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Mit diesem Antrag zeigen wir: Hessen stellt sich der Zukunft mit Tatkraft. Wir entwickeln, wir fördern und vernetzen für eine starke Wirtschaft, für eine gerechte Gesellschaft, für ein Hessen, in dem jeder Mensch mit seinen Fähigkeiten gebraucht wird. Lassen Sie uns gemeinsam diesen Weg gehen. – Vielen Dank. (Beifall SPD und CDU)

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