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Dr. Daniela Sommer

27.03.2025 Sitzungen 21/37

Für die Freien Demokraten hat die Fraktionsvorsitzende Knell das Wort. Bitte schön. Dabei Wiebke Knell (Freie Demokraten): auf meine Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Fraktion der GRÜNEN adressiert mit ihrem Antrag zur kostenfreien Bereitstellung alter Prüfungsaufgaben ein Thema, das auf den ersten Blick unbekompliziert erscheint. Wer könnte schon etwas dagegen -prühaben, Schülerinnen und Schülern mehr Materialien zur der Prüfungsvorbereitung zur Verfügung zu stellen? Aber wie Beso oft steckt der Teufel doch im Detail. Ich möchte desweLehrer gen die Gelegenheit nutzen, diesen Antrag aus liberaler im Perspektive zu beleuchten. verganAufga- Der Antrag der GRÜNEN erweckt den Eindruck, als sei die kostenfreie Bereitstellung alter Abituraufgaben der und Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Aber ist dem wir denn auch wirklich so? Ich habe drei Punkte mitgebracht, die ich gern ansprechen möchte, die aus unserer Sicht kritisch zu betrachten sind: Erstens. Der Antrag greift zu kurz. Echte Bildungsgerechtigkeit entsteht eben nicht durch die bloße Verfügbarkeit von alten Prüfungsaufgaben. Sie entsteht durch qualitativ hochwertigen Unterricht, (Vereinzelter Beifall Freie Demokraten) gut ausgebildete und motivierte Lehrkräfte, moderne Lehrmethoden und eine zeitgemäße digitale Infrastruktur an unseren Schulen. Das heißt natürlich nicht, dass das alles in Hessen schon gegeben ist. Aber das wäre zumindest ein Ansatz. Zweitens. Wir müssen uns fragen, welches Signal wir mit diesem Fokus auf alte Prüfungsaufgaben an unsere Schülerinnen und Schüler senden. Fördern wir damit nicht eher ein oberflächliches Teaching to the test statt tiefgreifendes Verständnis und kritisches Denken? (Beifall Freie Demokraten) Bildung ist mehr als das Auswendiglernen von Antworten auf bekannte Fragen. Sie ist die Fähigkeit, auch neue Fragen zu stellen und kreative Lösungen zu finden. (Unruhe – Glockenzeichen) Drittens. Der Antrag lässt viele praktische Fragen offen: Wie soll mit urheberrechtlich geschützten Materialien umgegangen werden? Welche Ressourcen müssen für die Aufbereitung und digitale Bereitstellung aufgewendet werden? Und vor allem: Wie stellen wir sicher, dass die Qualität und Vergleichbarkeit zukünftiger Prüfungen nicht leiden, wenn der Pool vergangener Aufgaben öffentlich zugänglich ist? Deswegen verfolgen wir als FDP hier einen anderen Ansatz. Wir wollen – das Thema hatten wir schon – die Schulen selbst stärken und ihnen mehr pädagogische Freiheit geben, um ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich auf Prüfungen vorzubereiten. Wir setzen auf digitale Lernplattformen, die individualisiertes Lernen ermöglichen, mit Übungsaufgaben, die sich dem Leistungsstand der Schüler anpassen, statt starrer Wiederholungen alter Prüfungen. Der Hauptpunkt ist: Wir wollen das Bildungssystem modernisieren, indem wir nicht nur auf die Reproduktion von Wissen setzen, sondern auf Kompetenzen, die im 21. Jahrhundert auch wirklich relevant sind: Problemlösungsfähigkeit, kritisches Denken, Kreativität und eben auch digitale Kompetenz. Also, statt alte Prüfungsaufgaben online zu stellen, sollten wir in moderne Lernsysteme investieren, die den Schülerinnen und Schülern personalisierte Rückmeldungen zu ihrem Lernfortschritt geben und ihnen dabei helfen, ihre Stärken auszubauen und ihre Schwächen zu überwinden. (Beifall Freie Demokraten) Meine Damen und Herren, liebe GRÜNE, verstehen Sie mich nicht falsch: Die FDP-Fraktion unterstützt das Ziel, allen Schülerinnen und Schülern gleiche Chancen zu bieten, vor allem auch unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund. Aber der vorliegende Antrag ist ein Tropfen auf den heißen Stein und lenkt von den wirklichen Herausforderungen im hessischen Bildungssystem ab. Wir brauchen mutigere und umfassendere Reformen, die den Schulen mehr Freiheit geben, die Lehrkräfte entlasten und die digitale Transformation im Bildungsbereich vorantreiben. Wir brauchen auch ein Bildungssystem, das junge Menschen auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet und nicht auf die Prüfungen der Vergangenheit. – Herzlichen Dank. (Beifall Freie Demokraten)

Protokoll ↗