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Matthias Körner

SPD 27.03.2025 Sitzungen 21/37

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Vor etwa vier Stunden hatten wir einen Antrag von der FDP zu beraten, (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Ja!) in dem vorgeschlagen wurde, spezifisch Frauen im IT-Bereich durch Berufspraxis an einen Beruf heranzuführen. (Yanki Pürsün (Freie Demokraten): Das ist sinnvoll!) Die Reaktion der AfD war ein Redebeitrag, der schon fast nahelegte, dass man durch diese Maßnahme gewissermaßen die grundgesetzlich garantierte Berufsfreiheit in Deutschland aufhebt. Jetzt, vier Stunden später, diskutieren wir einen Antrag, der Jugendliche dazu motivieren soll – und auch noch gegen Geld –, einen bestimmten Beruf zu ergreifen. Plötzlich ist das eine sinnvolle und konsistente Politik. (Miriam Dahlke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Es sind ja auch keine Frauen, die da gefördert werden!) Ich sage es einmal so: Mir muss man das durchaus erklären. Grundsätzlich ist gegen die Idee, mehr Berufspraxis in den Schulen zu etablieren, eigentlich gar nichts einzuwenden. (Beifall SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf Pascal Schleich (AfD)) Es ergibt durchaus Sinn, dass die Berufspraxis eine größere Rolle spielt. Sie ist aber bei der Frage der Berufswahl eines – und einiges ist schon angedeutet worden –, aber eben auch nicht das einzige Problem. Wir wissen, dass fast ein Drittel aller Jugendlichen, die sich irgendwann einmal im Verlauf dieser Phase vornehmen, in eine Berufsausbildung einzusteigen, irgendwann irgendetwas anderes macht. Sie beenden diese Phase eben nicht mit dem Einstieg in eine Berufsausbildung, sondern mit etwas anderem. Ich persönlich habe ein Ehrenamt behalten – und mache das auch immer noch gerne neben meinem Mandat –, bei dem ich mich sehr oft mit jungen Azubis beschäftigen darf, die in Wetzlar-Garbenheim ausgebildet werden. In den Gesprächen mit diesen jungen Auszubildenden merke ich immer wieder, dass es ungeheuer wichtig ist – und das wäre auch an dieser Stelle mein Appell –: Im Zusammenhang mit der Berufsausbildung müssen wir uns alle mal dahin gehend verändern, dass wir junge Menschen nicht immer über ihre Defizite und ihre Fehler definieren, sondern über das Tolle, das, was sie können, das, was sie einbringen, das, was sie wollen, und das, was sie motiviert. Das sind ihre Stärken, und das ist ihr Beitrag in dieser Gesellschaft. (Beifall SPD und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich wünsche mir manchmal einen Hauch dieser Zugewandtheit und der Empathie, die beispielsweise die Sozialpartner im kürzlich vorgelegten Papier „Bündnis für Ausbildung“ gezeigt haben, in dem sehr deutlich wird, wie man sich eine moderne, den Jugendlichen zugewandte Politik im Bereich Berufsausbildung und Berufsmotivation vorstellen kann. Also, bitte, lasst uns die jungen Leute nicht immer übers Defizit definieren. (Beifall SPD und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Am Ende bleibt die Frage, wie leicht oder wie schwer der Weg in die Berufsausbildung ist, und wie leicht oder schwer er im Vergleich zur Schule ist. Ich glaube, es gibt eine Reihe von Dingen, an denen gearbeitet werden muss. Praktika sind eines davon, aber eben nicht alles. Wir werden es im Ausschuss beraten. Aber heute ist auch der Tag der Biografien. Ich persönlich habe einmal einen Metallberuf gelernt. Davon behält man einiges, zum Beispiel ein fast religiöses Verhältnis zu materieller Genauigkeit, und – das hat jedenfalls die KI für meine Bildersammlung ausgeworfen – einen offensichtlich immer noch gültigen Brennschneideschein. Vor einigen Tagen jährte sich der Tag meines Bestehens. (Zuruf AfD: Glückwunsch!) – Gratulationen werden im Foyer entgegengenommen. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit. Wir werden es im Ausschuss beraten. Ich glaube aber nicht, dass wir den Antrag annehmen. – Danke. (Beifall SPD und vereinzelt CDU)

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