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Kathrin Anders

GRÜNE 27.02.2025 Sitzungen 21/34

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! „Das sollte wohl nicht sein“, „Sie sind noch so jung, Sie werden noch viele Kinder bekommen“, „Das passiert so vielen Frauen, Sie werden drüber hinwegkommen“ – meine sehr verehrten Damen und Herren, solche ignoranten Sätze müssen sich viele Frauen anhören, wenn sie gerade eine Fehlgeburt oder stille Geburt erlitten haben. Wenn die Zeit der guten Hoffnung abrupt ein Ende findet und Eltern klar wird, dass sie ihr Kind eben nicht lebend im Arm halten werden und es nicht werden aufwachsen sehen: Viele begleitet dieser Verlust ein Leben lang. Ich bin den vielen hartnäckigen Frauen dankbar, die in den letzten zwei Jahren auf Bundesebene intensiv für einen gestaffelten Mutterschutz nach Fehlgeburten gekämpft haben und auf den letzten Metern auch ein Gesetz erfolgreich verabschieden konnten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD, Freie Demokraten und vereinzelt AfD) Es war lange überfällig, dass Frauen, die eine Fehlgeburt nach der 12. Woche erleiden, nicht mehr wie bisher am nächsten Tag arbeiten gehen müssen. Damit wird ihr Schmerz, aber auch ihr Recht auf Regeneration nach einem Abort endlich gesellschaftlich anerkannt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD, Freie Demokraten und vereinzelt AfD) Dennoch sind viele Familien mit diesem Verlust allein. Viele Familien trauern im Stillen, auch wenn jede dritte Frau ein frühzeitiges Ende einer Schwangerschaft erlebt. In Hessen sind im Jahr 2022 9.425 verstorbene Kinder registriert worden. Kinder, die vor der 24. Schwangerschaftswoche tot geboren werden oder unter 500 Gramm wiegen, werden in der Statistik allerdings gar nicht erfasst. Seriöse Schätzungen sprechen von über 10.000 Fehlgeburten im Jahr 2022 in Hessen, also weit mehr als doppelt so viele Betroffene wie in der Statistik aufgeführt. Hier zeigt sich eine Lücke, die wir wenigstens wahrnehmen müssen. Alle Eltern von Sternenkindern brauchen mehr strukturelle Unterstützung und spezifische Angebote, egal, in welcher Schwangerschaftswoche sie einen Verlust erfahren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD, Freie Demokraten und vereinzelt AfD) Krankenkassen sollten auch die psychosoziale Beratung während eines Rückbildungskurses zahlen. Diesen Anteil tragen Frauen nämlich zurzeit selbst. Kurse, die ausschließlich die körperliche Regeneration in den Blick nehmen, werden aber den Bedürfnissen der Betroffenen nicht gerecht. Viele Eltern beklagen auch, dass sie eben nicht über die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung aufgeklärt werden, besonders dann, wenn das Kind unter 500 Gramm wiegt. Hierfür sollte es endlich einheitliche Standards geben. Außerdem muss, wie Frau Knell mehrfach angesprochen hat, das Thema stille Geburten bereits im Studium der Medizinerinnen und Mediziner thematisiert werden. Die Hochschule Fulda möchte ich ausdrücklich hervorheben; denn dort gibt es bereits Seminare für Hebammen. Genau dieses Fachwissen und diese Empathie, die dort die jungen Hebammen vermittelt bekommen, brauchen auch die verantwortlichen Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken. Um den Verlust und die besonderen Herausforderungen anzugehen, sollten wir auch darüber nachdenken, inwieweit wir Zuschüsse zur Bestattung gewähren können. Junge Familien trifft dieser Schicksalsschlag meist unvermittelt und meist auch in prekären Lagen. Die Bestattungskosten sind für einige eine echte Belastung. Ich bin froh, dass wir endlich einen offenen Diskurs über dieses Thema haben und dass dieses Thema eben kein Tabuthema mehr ist. Deswegen gilt mein herzlicher Dank der FDP-Fraktion, die das Thema mit der Einbringung des Antrags in die öffentliche Debatte rückt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD, Freie Demokraten und vereinzelt AfD) Mein Dank gilt aber vor allem den vielen ehrenamtlichen Initiativen in Hessen, die betroffenen Eltern nach dem Verlust eine wichtige Stütze sind. Auch sie brauchen mehr Anerkennung und Ressourcen, damit es eben nicht vom Wohnort abhängig ist, ob Familien Unterstützung erfahren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD und Freie Demokraten) Ich bin froh, dass wir einen Konsens darüber haben, dass wir uns damit konstruktiv und intensiv im Ausschuss befassen wollen, und freue mich auf die Ergebnisse im Sinne der vielen betroffenen Frauen und Familien hier in Hessen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD und Freie Demokraten)

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