hessischer-landtag.de ↗

Astrid Wallmann

06.02.2025 Sitzungen 21/31

Als Nächste hat die Fraktionsvorsitzende der Freien kraten, Frau Abgeordnete Knell, das Wort. Wiebke Knell (Freie Demokraten): Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die AfD möchte heute über den Waschbären in Hessen diskutieren. Das ist bemerkenswert; denn der Vergangenheit sind Sie hier im Haus nicht gerade jagdpolitischer Expertise aufgefallen. Herr Schenk hat soeben noch einmal unter Beweis gestellt. Wir Freie mokraten in Hessen helfen da gerne aus und rufen einen Antrag von uns zu den Schonzeiten des Raubwildes und zur Fangjagd mit auf. Die CDU wird uns gleich erklären, dass das ohnehin im Koalitionsvertrag steht. Einige Punkte stehen lich darin, aber mit den Punkten, die wir ergänzt machen wir das Ganze noch besser. Meine Damen und Herren, es gibt nämlich überhaupt nen Grund, sich nur singulär mit dem Waschbären beschäftigen, wie die AfD das gemacht hat. Wir weitere invasive Arten in Hessen. Das sind Marderhund, Mink, Nutria. Besonders Letztere sind wirklich ein Problem für unsere Ökosysteme. Und es gibt nicht invasive Arten. Auch beim heimischen Raubwild wie Fuchs gibt es Anpassungsbedarf bei den Jagd- und zeiten. Meine Damen und Herren, die Probleme mit der tung des Waschbären sind ja bekannt: der Waschbär dem Dachboden, die ausgeräumte Mülltonne. Jeder Nordhessen kennt das. Das mag zwar lästig sein, aber ist bei Weitem nicht das größte Problem. Der Waschbär frisst alles und hat keine natürlichen Er frisst zum Beispiel Erdkröten, Teichmolche, sche, Ringelnattern und Sumpfschildkröten. Es gibt ein ganz interessantes Projekt. Das Wildtierforschungsprojekt ZOWIAC hat gezeigt, dass Waschbären erhebliche Schäden bei unseren heimischen Amphibien- und enarten anrichten. Es gibt Untersuchungen im Spessart ich habe mir das vor Ort angeschaut –, da wurden in ziger Stunde über 400 gehäutete Kröten gefunden. habe ich von einigen von Ihnen gehört, der Waschbär doch niedlich. Ich will Ihnen etwas erzählen. Waschbären sind schlau. Um die Giftdrüsen ihrer Beute zu umgehen, ver- schlitzen sie die Tiere bei lebendigem Leib auf, stülpen das Innere nach außen und fressen das Muskelfleisch. Die Häute findet man dann rund um die Teiche liegend. Das einiges klingt vielleicht nicht mehr ganz so niedlich, wie es sich der eine oder andere Waschbärfreund vielleicht vorstellt. Es ist vor allem ein deutlicher Beweis für die gravierenden Bodenökologischen Schäden, die diese invasiven Räuber anrichFuchs ten. für Die Auswirkungen gehen aber weit über die auf Amphibien und Reptilien hinaus. Denken Sie an Bodenbrüter, wie Kiebitze, oder auch an Kleinnager. Der geliebte Feldhamsauster ist vor Waschbären nicht gefeit. in geboten, (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Da hört der Spaß auf!) – Da hört der Spaß wirklich auf, hoffentlich auch für die GRÜNEN. – Ein weiteres Problem: Marderhunde sind gebietsfremde Allesfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen Vögel und deren Eier sowie Amphibien, Schnecken, Insekten, DemoFische und Kleinsäuger. Deswegen muss auch die Ausbreitung des Marderhundes dringend unterbunden werden. Weiter geht es mit den Nutrias, auch Biberratte genannt. Das Problem kennt man vor allem in Frankfurt. Die Probleme mit Nutrias sind enorm, weil viele Städter meinen, diese Tiere füttern zu müssen, und damit zu ihrer Ausbreitung beitragen. Deswegen werden Nutrias in anderen Bunin desländern ganzjährig bejagt. mit das Wir Freie Demokraten sagen, dass die Schonzeiten von DeWaschbär, Nutria, Marderhund und Mink ganz gestrichen deshalb werden müssen. Wir müssen alles unternehmen, die Bestände dieser Arten zu reduzieren. Dazu zählt eben auch eine intensive Bejagung. Der Elterntierschutz ist bereits durch das Bundesjadgesetz sichergestellt. Deswegen sealles tatsäch- hen wir keinen Anlass, in Hessen darüber hinausgehende Schonzeiten festzusetzen. haben, Meine Damen und Herren, es wird nicht reichen, nur die Schonzeitbestimmungen aufzuheben. Wir müssen auch die keizu Jagd mit Lebendfallen in Hessen verstärken. Die Fangjagd haben ist oftmals wirklich die einzige Möglichkeit, diese Arten, vor allem Waschbär und Nutria, aber auch den Fuchs, efgroßes fektiv zu bejagen. nur Deshalb haben wir Ihnen eine Reihe weiterer Vorschläge dem mitgebracht. Herr Minister, wir fordern Sie auf, den EinSchonsatz von Kofferfallen explizit zu erlauben. Die Jagd mit Kofferfallen ist tierschutzgerecht, sie ist kostengünstig, Ausbrei- aber sie wird in der Hessischen Jagdverordnung nicht erauf wähnt. Das muss sich ändern. Wenn Sie die Jagdverordin nung ohnehin überarbeiten, was Sie angekündigt haben, das dann sollten Sie auch die verpflichtenden Kontrollen der Lebendfallen streichen, zumindest für den Fall, dass elektronische Fangmelder eingesetzt werden. Aktuell müssen Feinde. diese Fallen selbst dann, wenn sie mit einem elektroniGrasfröschen Fangmelder ausgestattet sind, täglich zwischen 5 hierzu und 9 Uhr kontrolliert werden. Das ist für Berufstätige mit normalen Arbeitszeiten nicht leistbar. Diese Regelung ist sinnlos und gehört abgeschafft. Reptili– (Beifall Freie Demokraten) einEben Elektronische Fangmelder verbessern die Effizienz der sei Fangjagd. Deswegen fordern wir auch, dass ihre Anschaffung gefördert wird, zum Beispiel aus Mitteln der Jagdabgabe. Wenn wir es mit der Eindämmung invasiver Arten wirklich ernst meinen, dann müssen wir, glaube ich, noch einen Schritt weitergehen. Wir brauchen eine Erlegerprämie in Hessen. Das ist kein absurder Vorschlag, sondern eine Realität in den Ländern, wo Waschbär und Nutria bereits noch größere Probleme verursachen. In Niedersachsen und in Brandenburg gibt es in vielen Landkreisen Prämien für jeden erlegten Waschbären. Ich glaube, die brauchen wir auch in Hessen, damit die Probleme nicht immer größer werden. Unsere Ökosysteme werden es uns jedenfalls danken. (Beifall Freie Demokraten)

Alle Reden von Astrid Wallmann Protokoll ↗