Andreas Lobenstein
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wie heißt es im Volksmund doch so schön? Wenn du zwei Hasen jagst, wirst du keinen von beiden fangen. – Diese für die meisten Dinge im Leben geltende Redensart kann man wohl ohne Weiteres auch auf den vorliegenden Antrag der FDP anwenden. Worum genau geht es? Die Freien Demokraten, in dieser Sache von den GRÜNEN unterstützt, wie man der Presse entnehmen konnte, möchten in Hessen ein duales Bachelor- und Masterstudium für das Lehramt schaffen. Das weckt natürlich schnell Assoziationen mit dem deutschen Erfolgsmodell der dualen Berufsausbildung, für das wir zu Recht in der ganzen Welt große Anerkennung gefunden haben. Doch lassen Sie mich zu Beginn gleich eines klarstellen: Der Lehrerberuf – das wissen Sie alle natürlich genauso gut wie ich – ist durchaus einzigartig. Das liegt nicht nur darin begründet, dass zukünftige Lehrer bei der Beschulung und nicht zuletzt auch bei der Erziehung unserer Kinder einer äußerst verantwortlichen Tätigkeit nachgehen. Nein, auch das Lehramtsstudium als solches sticht, was den Aufbau und den Ablauf des eigentlichen Studiums angeht, aus der sonstigen Hochschullandschaft hervor. So umfasst das Studium – auch das wissen Sie alle sehr gut – neben der Pädagogik auch das fachwissenschaftliche Studium mit fachdidaktischen Anteilen für zwei Unterrichtsfächer. Der Grad, zu welchen Anteilen pädagogische oder fachwissenschaftliche Aspekte im Studium variieren, hängt ganz von der gewählten Schulform ab. So wird es einen nicht unerheblichen Unterschied machen, ob ich Lehramt für Grundschulen, also L1, Lehramt an Gymnasien, also L3, oder vielleicht auch Lehramt für Förderpädagogik, also L5, als Student gewählt habe. Studenten, welche zum Beispiel Musik als Lehrfach studieren, haben wiederum ganz andere Studieninhalte und ohnehin einen größeren Praxisanteil. Praxisanteile gibt es im Übrigen auch schon jetzt während des Lehramtsstudium. Im Allgemeinen setzen sie sich aus einem Grundpraktikum und einem Praxissemester in der zweiten Hälfte des Studiengangs zusammen. Außerdem ist bereits jetzt ein achtwöchiges Betriebspraktikum verbindlich vorgesehen. Für die Ausweitung dieser in unserem AfD-Konzept im Übrigen bezahlten Praktikumsphasen sprechen auch wir uns aus, nur sollten unsere Studenten durch die Einführung eines de facto dualen Lehramtsstudiums keinesfalls als Lückenbüßer in Zeiten des Lehrermangels eingesetzt werden. (Beifall AfD) Ein umfangreiches Stipendienprogramm für angehende Lehrkräfte, gerade in den Mangelfächern, wäre unserer Meinung nach zielführender; denn so könnten sich Studenten ohne allzu große materielle Sorgen auf ihr umfangreiches und anspruchsvolles Studium konzentrieren. Unsere Sorge bezüglich Ihres Antrags gilt besonders auch deshalb, weil in ihm explizit von einem Bachelorstudium die Rede ist. Diese potenziellen Bachelorstudenten hätten in Zukunft weder ausreichend Zeit gehabt, zunächst ihre eigenen Fächer gründlich zu studieren, noch hätten sie auch nur im Ansatz genug Möglichkeiten wahrnehmen können, ausreichend pädagogisch geschult zu werden. (Beifall AfD) Wir erleben doch jetzt schon mitunter, dass sich fertig studierte Lehrer im Referendariat überfordert fühlen. Wie soll das erst aussehen, wenn nun vermehrt Studenten an unseren Schulen unterrichten? Womöglich würden sie dann noch eher vom Schulalltag abgeschreckt als herangeführt werden, wie Sie es in Ihrem Antrag schreiben bzw. erhoffen. Ein etwas anderes und, wie ich meine, durchaus diskutables Konzept wäre es, wenn man in einem Pilotprojekt zunächst einmal ein duales Masterstudium für das Lehramt, insbesondere in Mangelfächern, einführte. Dann wäre zumindest die fachwissenschaftliche Ausbildung mit einem Bachelorabschluss sichergestellt. Dann könnte man in einem anschließenden Masterstudiengang auch mehr Praxiserfahrung als bisher einbauen. Zum Schluss. Evaluation hört sich immer schick an. Genau solche Masterstudiengänge, wie eben beschrieben, werden aber seit dem Wintersemester 2024/25 zum Beispiel in Baden-Württemberg angeboten. Das könnte man einer Ausschussreise nächstes Jahr unter die Lupe nehmen. Insofern lehnen wir den Antrag in der derzeitigen ab. Wir haben heute in einer Woche aber schon eine Ausschusssitzung. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Anhaltender Beifall AfD)
