Dr. Daniela Sommer
Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erhält Frau Abgeordnete Förster-Heldmann das Wort. Hildegard Förster-Heldmann (BÜNDNIS 90/DIE NEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin, geschätzte Kolleginnen Kollegen! Herr Büger, eigentlich ist dieser Antrag ein radebeispiel dafür, was geschieht, wenn die Politik ckig an einem Thema arbeitet. Dann kann sich ganz sam Erfolg breitmachen. Ich will es Ihnen erklären. Das steht auch in dem trag. 2015 hat der damalige Minister für Wissenschaft Kunst in der Landesregierung, Boris Rhein, die Stelle für Provenienzforschung installiert. Damit hat möglich gemacht, dass die Landesmuseen in die Lage setzt wurden, die Provenienz aktiv zu bearbeiten. Museen Ein gutes Beispiel dafür ist der „Frühlingssturm“ von zu Ludwig von Hofmann, der sich auf der Mathildenhöhe Rech- in Darmstadt befindet. Dieses Gemälde hat eine ganz ingewahrt teressante Biografie. Das merkt man, wenn man es sich anschaut. Die waren überhaupt nicht erschrocken. Da sind diesem ein nackter Mann und eine barbusige Frau zu sehen. Das einfach wäre vielleicht heute so auch nicht mehr möglich. Das ist aber ein zentrales Gemälde des Jugendstils. Es lohnt sich, das einmal anzuschauen. Fokus Was ist dann passiert? – Nein, vorher ist etwas ganz anmüs- deres passiert. Man hat im Museum of Modern Art zwei soll Bilder von Egon Schiele entdeckt. Das hat einen Stein Projekt- ins Rollen gebracht. Daraufhin kam die Washingtoner Erwie klärung zustande. Da hat man sich international darauf pro geeinigt, wie man mit dem Thema Raubgut der Nationalsozialisten umgeht. Dann kam der nächste Schritt. Dann kam Ministerin AngeMit- la Dorn, die die Forschung ausgeweitet hat. Sie hat die kolonialen Sammlungsgüter dazugenommen. Sie hat das wün- damit praktisch ins politische Blickfeld gerückt. (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Da musste (Freie man ab und zu nachhelfen! Dazu gab es einige Anträge!) – Das stimmt nicht. Herr Naas, lassen Sie mich jetzt einArbeit mal die Erfolgsgeschichte hessischer Politik erzählen, ohne dass Sie wieder herummäkeln. der (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Angela Dorn hat das nächste Fass aufgemacht. Sie hat die kolonialen Sammlungsgüter auf die politische Ebene defigehoben. immer kluge Jetzt komme ich zu meiner Kritik an dem vorliegenden Antrag. Lassen Sie uns beides nicht vermischen. Denn zeigt die von den Nationalsozialisten geraubte Kunst ist etwas komplett anderes. Das geht mit wahnsinnig viel Elend, mit noch Mord und Totschlag und mit Vernichtung einher. Desweeinen Deswe- gen muss man beides voneinander trennen. Deswegen ist es wichtig, zu wissen, wie das in der Vergangenheit hier gehandhabt wurde. Da man das nicht vermischen sollte, muss man dem einfach gerecht werden. Claudia Roth spielt bei dieser Debatte auch eine Rolle. Herr Büger, das haben auch Sie vorhin gesagt. Nur sehr wenig von der von den Nationalsozialisten geraubten Kunst wurde irgendwie wieder zurückgeführt. nun Im Übrigen haben wir schon im Jahr 2021 dazu einen Antrag gestellt. Es lohnt sich, den noch einmal zu lesen. Damit komme ich zu etwas, was in Absprache mit dem GRÜBund, also im Rahmen einer Kooperation, von Angela Dorn in Hessen installiert wurde. Das ist die Drei-Wegeund Strategie. Was bedeutet das? Da geht es um die kolonialen PaSammlungsgüter. Da geht es um die Frage: Wie gehen wir hartnädamit um? Es gibt da drei Stichworte. Das ist auch für lang- Leute interessant, die sich nicht für Kunst und Kultur interessieren. Das wollte ich nur einmal nebenbei bemerken. An- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Zentrale Die drei Stichworte lauten: Zugang, Transparenz und Koer es operation. Der Zugang ist dabei das schnellste. Es geht ver- darum, den Zugang zu den Dingen zu ermöglichen, die schon digital erfasst worden sind. Transparenz schafft man, indem man die Güter immer mehr digital erfasst, sodass man von außen einen Zugang hat, was sich wo in welchem Zustand befindet. Letztendlich kommt man zur Kooperation. Wenn man das alles geschafft hat, dann geht es darum, mit den Gesellschaften, denen diese Sammlungsgüter genommen wurden, in Kooperation zu kommen. Auch das wurde heute schon gesagt: Vieles ist nicht einfach. Vieles kann nicht einfach zurückgegeben werden, weil einiges nicht klar ist. Die Herkunftsländer haben sich oftmals verändert, deswegen auch der Begriff der Gesellschaften, aus denen das kommt. (Zuruf: Ja!)
