hessischer-landtag.de ↗

Tanja Jost

CDU 05.02.2025 Sitzungen 21/30

Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist gut, dass wir heute über nachhaltiges Bauen und innovative Baustoffe sprechen. Die FDP-Fraktion hat sich Gedanken gemacht. (Vereinzelte Heiterkeit) Ich sehe auch den Kollegen Naas schon vor meinem geistigen Auge mit riesigen Plakaten „Lasset den Lehm leben!“ durch den Taunus laufen. (Vereinzelter Beifall AfD – Heiterkeit AfD und SPD) Aber ich muss an der Stelle leider auch wieder ein bisschen Wasser in den FDP-Wein gießen. (Anhaltende Heiterkeit AfD und SPD) Lassen Sie mich das näher erklären. Zweifelsohne ist Lehm ein interessanter Baustoff (Zuruf: Das war mal gut!) und bietet bauphysikalische Vorteile, insbesondere – der Kollege hat es eben schon gesagt – gute Wärmedämmung und gute Feuchtigkeitsregulierung. Das kann dazu beitragen, den Energiebedarf von Gebäuden zu senken (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Das habe ich gesagt!) und das Raumklima zu verbessern. Auch die Tatsache, dass Lehm vollständig recycelbar ist, (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Auch gut!) ist eine nachhaltige Option im Bauwesen. Unser Koalitionsvertrag setzt ebenfalls einen klaren Schwerpunkt auf nachhaltiges Bauen. Dort steht: (Lena Arnoldt (CDU), an Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten) gewandt: Hör gut zu!) „Neben dem Klimaschutz legen wir einen Fokus auf die zukunftsorientierte Klimaanpassung unserer Städte und Gemeinden. Durch den Einsatz klimapositiver Baustoffe, den Einsatz des Schwammstadtprinzips und mehr Dachbegrünung sowie Verschattungen verbessern wir die Resilienz der Städte und Gemeinden, mit denen wir in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Bauwirtschaft Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung angehen werden.“ Dies bestätigt, dass wir mit unserer Baupolitik bereits den richtigen Weg eingeschlagen haben. Nachhaltige Baustoffe sind ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie – jetzt kommt es –, doch sie müssen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie bautechnisch sinnvoll sind, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall CDU und SPD) Der Antrag der FDP-Fraktion lässt diese wichtige sion wieder außer Acht; (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Oh!) denn Lehm hat physikalische und chemische Einschränkungen, die ihn nur begrenzt einsetzbar machen. Er geringere Zug- und Druckfestigkeiten als Beton, er formt sich bei Feuchtigkeitsschwankungen, er verwittert bei hoher Luftfeuchtigkeit, ist frostanfällig, und im wasserbereich, Kollege Naas, kann Lehm überhaupt genutzt werden. Diese Einschränkungen müssen in realistischen Baupolitik berücksichtigt werden. Fakt ist, die Aufnahme einer Regelung zum Lehmsteinmauerwerk ist längst in Arbeit. Die Gremien der ministerkonferenz haben sich bereits darauf verständigt, Lehmbaustoffe in die Muster-Verwaltungsvorschrift nische Baubestimmungen 2026 aufzunehmen. Die rung läuft, die Veröffentlichung ist für Mitte 2026 geplant. Was bedeutet das konkret für Hessen? Sechs Monate der Veröffentlichung wird die MVV TB 2026 auch in ser Landesrecht übernommen. Das ist geordnete tik, das ist vorausschauendes Handeln, nicht das Drauflosregulieren, wie es die FDP-Fraktion fordert, Damen und Herren. (Beifall CDU und SPD) Die Begründung des Antrags hebt hervor, dass durch Anpassung der Bauordnung Bauherren mehr Flexibilität erhalten. Ja, Flexibilität ist ein zentrales Anliegen, das bereits im Baupaket I berücksichtigt haben und chen. Doch diese Flexibilität darf nicht zulasten von cherheit und Qualität gehen. Deshalb setzen wir auf eine kluge Abwägung zwischen Fortschritt und Verantwortung. Genau das erfordert fachliche Prüfung statt vorschnelle politische Entscheidungen. Lassen Sie uns daran arbeiten, dass Lehm dort eingesetzt wird, wo es sinnvoll ist, und nicht einfach nur, weil es rade wieder gut klingt. Wir halten es dafür für geboten, Antrag zur weiteren fachlichen Prüfung dem Wirtschaftsausschuss zu überweisen; denn seriöse Baupolitik man nicht mit Schlagzeilen, sondern mit Verstand. – Dank. (Beifall CDU)

Alle Reden von Tanja Jost Protokoll ↗