Dr. Daniela Sommer
es Der nächste Redner ist Herr Abgeordneter Ziegler von der SPD-Fraktion. Bitte schön. Das hadenn Maximilian Ziegler (Vogelsberg) (SPD): sind Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und traHerren! Gestern lief im hr-Fernsehen eine Doku über das gemeinschaftliche Wohnprojekt der Genossenschaft „Kassel im Wandel“. Dort wird nicht nur nachhaltig gelebt, gesondern es wurde auch nachhaltig mit Lehm, Holz und Lehm- Strohballen gebaut – ganz ohne Änderung der Hessischen Bauordnung; einfach, weil es geht. Interessant dabei: Der bin Neubau, der rund 4 Millionen Euro gekostet hat, wurde – auch vom Land Hessen gefördert. Da musste ich ein bisschen schmunzeln; denn das zeigt ja: Wer mit Lehm bauen bisschen will, kann das längst tun, lieber Herr Kollege Naas. Die Hessische Bauordnung ist baustoffneutral; das ist doch ein schöner Satz für liberale Ohren. GRÜ- (Tobias Eckert (SPD): Eigentlich schon, ja!) wirklich Jetzt fordert die FDP-Fraktion aber, dass die HBO so geguter ändert werden soll, dass Lehmbaustoffe konventionellen sorgt Baustoffen gleichgestellt werden – was auch immer das bedeutet. Baustoffneutralität bedeutet aber, der HBO ist Bau- ziemlich egal, ob ein bestimmtes Ziel, zum Beispiel die wollen Standsicherheit, mit einem Mauerstein aus Porenbeton, und Kalksandstein, Ton oder Lehm erreicht wird. Deshalb ist auch der Eindruck, den Sie mit Ihrem Antrag erwecken, nämlich, dass das Bauen mit Lehm irgendwie schlechtergemit stellt wäre, falsch. Wichtig für die Hessische Bauordnung ist lediglich, ob DesweProdukte geeignet sind und ob deren sichere Verwendung nachgewiesen ist. Der einfachste Weg hierfür ist Normung, bürokra- ansonsten können Sie zum Beispiel auch mit einer Zulasfür sung oder einem Prüfzeugnis arbeiten, wie wir das vom dann Trockenbau kennen. Für das Bauen mit Lehm gibt es unter zum anderem die DIN 18940, die Konstruktionen, Bemessunmeine gen oder auch die Ausführung regelt. Mit dieser Norm können Bauherrinnen und Bauherren und alle am Bau Beteiligten, zum Beispiel Architekten, arbeiten. Mit dieser Norm, Herr Naas, wurde auch die vormalige Beschränkung auf zwei Geschosse aufgehoben, die unter Anwendung der Lehmbauregeln bislang vorgeschrieben war. Jetzt dürfen zum Beispiel Gebäude der Gebäudeklasse 4 mit einer Höhe von bis zu 13 Metern mit geeigneten Lehmbaustoffen errichtet werden. Das gilt übrigens auch vor dem Hintergrund, dass die neue Norm noch Eingang in die MusterVerwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen finden muss; das ist für 2026 geplant. (Zuruf Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten)) Das ist also kein Hindernis, Herr Naas. Die DIN 18945 regelt die Herstellung von Lehmsteinen. Bauherren können also, wie mit Kalksandsteinen auch, bereits jetzt ohne übermäßige bürokratische Hürden mit Lehm bauen. (Zuruf Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten)) – Nein, ich verstehe Ihren Punkt mit den Genehmigungsverfahren nicht; ich habe extra beim Deutschen Institut für Bautechnik angerufen. – Wenn Sie damit bauen wollen, (Zuruf: Ja!) sehe ich das größere Problem darin, dass das Bauen mit Lehm derzeit noch eine Nische ist, wenn man den Marktanteil mit konventionellen Baustoffen wie Beton oder Kalksandstein vergleicht. Denn das Wissen über die sichere Anwendung und die bauphysikalischen Eigenschaften von Lehm ist in der Bauwirtschaft noch nicht wirklich flächendeckend verbreitet. Das betrifft Aspekte wie die Verarbeitbarkeit, zum Beispiel im Vergleich zu großformatigem Mauerwerk oder Mauerwerk im Dünnbettverfahren, und somit auch Nachteile bei der Bauzeit. Es betrifft aber auch Eigenschaften wie das Quell- und Schwindverhalten bei zu viel Feuchte oder schlicht geringere Zug- und Druckfestigkeiten; die können wir an der Stelle auch nicht wegdiskutieren. Ich glaube aber, dass die relativ neue Norm 2023 sicherlich einen Anschub für die breitere Verwendung von Lehmbaustoffen geben wird. Aber der vorliegende Antrag, und das ist ganz wichtig, wird daran überhaupt nichts ändern; denn er versucht, sehr unkonkret Dinge zu regeln, die bereits geregelt sind, lieber Kollege. (Beifall SPD und CDU) Lehm gewinnt zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt durch das wachsende Interesse an nachhaltigerem Bauen und ökologischen Materialien. Projekte wie das eingangs erwähnte in Kassel zeigen, dass Lehm in modernen Bauvorhaben ankommt. Sie können auch wertvolle Impulse liefern, gerade weil sie innovative Konzepte erproben und nachhaltige Bauweisen sichtbar machen. Solche Förderungen können natürlich auch sinnvoll sein, um neue Wege zu testen und Erfahrungen zu sammeln. Aber wir sollten unsere jetzigen knappen Mittel nicht flächendeckend für eine Verstärkung dieser Bauweise bei öffentlichen Bauvorhaben einsetzen. Unsere Mittel müssen gezielt dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden, nämlich bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. (Beifall SPD und CDU) Lehm ist ein traditionsreicher Baustoff, da stimme ich Ihnen zu; mit viel Potenzial, der im Kontext nachhaltigeren Bauens an Bedeutung gewinnt. Aber viele Aussagen in diesem Antrag sind schlichtweg falsch oder einfach überflüssig. Sie versuchen, Probleme zu lösen, die in der Praxis überhaupt nicht existieren; und genau deshalb werden wir Ihren Antrag ablehnen. – Vielen Dank. (Beifall SPD)
