Frank Lortz
und AusbilVielen Dank. – Das Wort hat der Abgeordnete René Rock, Seligenstadt, FDP-Fraktion. René Rock (Freie Demokraten): kommen Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Heute Staatsministerin Hofmann, positiv ist sicherlich, dass wir könheute eine Regierungserklärung zum Thema frühe Bildung gehört haben. Das hebt sich sehr gut ab von dem, was wir weiin den letzten fünf Jahren in diesem Bereich erlebt haben. aber Da war vor allem das Thema Wegducken die Linie des die damaligen Ministers. Er hatte überhaupt keine Idee, wie das man die Themen der frühen Bildung ernsthaft angeht. Von bedaher – Herr Martin, ich komme nachher noch zu Ihren haben Ausführungen – habe ich noch das eine oder andere Wort wollen; übrig für Sie. Sie Ich möchte an dieser Stelle einfach einmal über die Reabetreulität der Eltern in Hessen, über die Realität der Kinder und der Kitas in Hessen sprechen. Ich fand, das kam bis jetzt an der einen oder anderen Stelle zu kurz. Wir müssen feststellen, dass über 40.000 Betreuungsplätze fehlen. sie (Beifall Freie Demokraten) dazu einen Wir müssen feststellen, dass die Politik der Vorgängerrewir gierung dazu geführt hat, dass die Anzahl der Pädagoginaktuell nen und Pädagogen, die sich um unsere Kinder kümmern, die immer geringer wird. Eine oder zwei Zahlen wurden hier schon genannt. 2017 hatte ich noch eine Fifty-fifty-Chance als Eltern, dass ich mein Kind in eine Kita-Gruppe gebe, vereinin der das Mindestmaß an pädagogischen Fachkräften vorhanden war. Heute sind es noch 36 %. Sie haben also bei einem guten Drittel die Chance, dass Sie Ihr Kind in eine BilKrippengruppe oder eine Kita-Gruppe geben, in der die heutigen Fachkräfteanzahl dem Mindeststandard entspricht. Das ist unseeine besorgniserregende Entwicklung. un- (Beifall Freie Demokraten) dort Sie müssen feststellen, dass die Verlässlichkeit der Kinderbetreuung, die für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf existenziell ist, immer mehr abnimmt, was immer mehr Stress in die Familien bringt, immer mehr Stress in die uns Kitas bringt, und dass diese Entwicklung immer stärker eine in zunimmt. Sie müssen erleben, dass Randzeiten für die Aufnahme eiund nes Berufs oder einer beruflichen Tätigkeit, vielleicht nicht im Heimatort, immer mehr zurückgefahren werden, was auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer mehr vereinschränkt. wenige Durch hohe Fluktuation bei den Fachkräften wird die ganz wichtige persönliche Bindung der Kinder zu ihren Erzieherinnen und Erziehern immer stärker ausgehöhlt. Die Beziehungsarbeit leidet massiv. Das ist die Realität in den hessischen Kitas im Jahr 2024, und das bedarf einer besonderen die Anstrengung der Politik, um dem entgegenzuwirken. Ich (Beifall Freie Demokraten) Sehr geehrte Damen und Herren, ich will einmal wenige Punkte aufführen, die wir brauchen, die dringend umgesetzt werden müssten. Wir brauchen nicht nur ein Recht der Familien auf Betreuung, wir brauchen auch ein Recht der Kinder auf Bildung. Wir brauchen gute Bildung in den Kitas, und das setzt voraus, dass wir mehr und hoch qualifiziertes Personal in den Kitas haben. Wir müssen die Kommunen in die Lage versetzen, die Kitas zu finanzieren. Ich würde einmal sagen, zwei Drittel der Finanzierung der Betriebskosten der Kitas müssten von Bund und Land kommen. Wir brauchen ein Forschungsinstitut, das sich ganz besonders mit den Herausforderungen der frühen Bildung beschäftigt, und es wäre auch schön, dass die Ganztags-Kita irgendwann flächendeckend – denn es ist Bildung – kostenfrei für jeden zur Verfügung gestellt werden könnte. Wir haben in unserem Land ganz neu – das ist in allen Redebeiträgen, die wir hier gehört haben, zu kurz gekommen – eine Kita-Landeselternvertretung. Wenn wir sie ernst nehmen, sollten wir das in einer solchen Debatte auch zur Kenntnis nehmen. Sie muss auch wiedergewählt werden. Da ist die Landesregierung in der Pflicht, eine ordentliche Wahl zu organisieren. Sie muss arbeitsfähig gemacht werden bzw. besser arbeitsfähig gemacht werden. Das heißt, sie muss mit ihren Kitas kommunizieren können. Sie braucht einen Unterbau. Auch das sind Themen, die heute leider nicht zur Sprache gekommen sind. Sehr geehrte Damen und Herren, daher ist es kein Zufall, dass ich diese wenigen Punkte aufgezählt habe, die ich hier vorgelesen habe; denn das stammt alles aus dem Wahlprogramm der SPD. Frau Hofmann, das ist das, was Sie in Ihrem Wahlprogramm erkannt haben, was für die Kitas und die frühe Bildung in Hessen notwendig wäre. Jetzt können wir einmal sehen, was davon Sie ernst nehmen und auch umgesetzt haben. Denn das wäre notwendig. Es wäre ein Minimum für das, was wir für die Kinder in Hessen brauchen. Jetzt komme ich dazu, was Sie tun. Sie haben diese drei B hier vorgetragen: Bildung, Betreuung, Bauen. Was haben Sie bei dem Thema Bildung geleistet? Sie haben die völlig falsche Politik der Vorgängerregierung fortgesetzt. Herr Martin, Sie haben es ermöglicht, dass die Depädagogisierung in den Kitas weiter voranschreitet, und zwar massiv. Sie haben zugelassen, dass immer mehr Menschen ohne pädagogische Bildung in den Kitas arbeiten und unsere Kinder maximal betreuen. Das ist die Politik der Vorgängerregierung, die Sie, liebe Kollegin Hofmann, leider fortsetzen und, wie ich höre, auch ausweiten wollen. Denn das ist die einzige Antwort, die Sie auf die Probleme in den Kitas haben: Es ist egal, wer, Hauptsache es ist einer da, der die versicherungstechnische Aufsichtspflicht gewährleisten kann, damit am Ende nichts passiert. Dann gibt es Fortbildungsprogramme. Da frage ich mich manchmal: Wenn jemand eine Berufsausbildung gemacht hat, nicht studiert hat, kein Studierender ist, die schulische Ausbildung nicht wollte, und jetzt in der Kita arbeitet – hat er tatsächlich die Qualifikation, diesen Abschluss als pädagogische Fachkraft zu erreichen? Warum ist es nicht definiert, zu sagen: „Ich will, dass jeder, der als nicht pädagogische Fachkraft in eine Kita geht, zumindest in einem absehbaren Zeitraum eine wirkliche pädagogische Ausbildung vorweisen kann“? Das wäre doch das Mindeste, was Sie hier liefern müssen. Oder Sie sagen: Die Dequalifizierung wird für zwei Jahre fortgesetzt, wir machen das nur noch bis dahin, die Zeit geben wir uns, und ab da wird es anders. – Aber es wird immer weiter fortgeführt. Niemand würde sagen: Ich lasse jemanden Bus fahren, der keinen Beförderungsschein hat und der keinen Führerschein hat. – Da würde ich doch sagen, der Bus bleibt stehen. Wenn ich keinen Busfahrer habe, dann fährt der Bus nicht. Da kommt doch nicht irgendeiner und fährt den Bus. Aber in der Kita können Menschen pädagogische Arbeit verrichten, die keine pädagogische Ausbildung haben. (Zuruf Claudia Ravensburg (CDU) – Weitere Zurufe – Glockenzeichen) Liebe Freunde, wir sprechen von Mindestanforderungen und nicht von zusätzlichen Kräften, die Alltagsqualitäten in die Kita einbringen. Wir sprechen von einem absoluten Mindeststandard, der in Europa am unteren Ende liegt. Den erfüllen wir in unserem Land nicht, sondern wir sind bereit, in der Betreuung und Bildung unserer Kinder Dinge zu erlauben, die in keinem anderen Politikfeld in dieser Form möglich wären. Jetzt frage ich mich: Was tun Sie nicht, was Sie sich in Ihrem Koalitionsvertrag selbst aufgeschrieben haben? Im Koalitionsvertrag haben Sie gesagt, Sie führen das Investitionsprogramm für die Kitas fort. Jetzt hören wir, es gibt maximal noch Zinsvergünstigungen. Diese eigene Anforderung, die Sie sich im Koalitionsvertrag gegeben haben, fällt schon hinten runter. (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Achtung, Schuldenfalle!) Sie haben angekündigt, dass Sie zusammen mit den Kommunen einen Plan auflegen wollen, wie Sie künftig die Kitas besser finanzieren. Ich habe heute nichts davon gehört: keinen Zeitplan, wann das kommen soll, oder ob Gespräche geführt wurden. Sie haben sich selbst verpflichtet, zur Hälfte der Legislaturperiode zusammen mit den Kommunen einen Pakt für Personalgewinnung und ‑entwicklung vorzulegen. Gibt es da schon Initiativen? Gibt es da schon Ideen? Gibt es da schon Gespräche? Das wären Hinweise gewesen, wenn Sie schon nicht Ihr Programm – zumindest das, was Sie im Koalitionsvertrag versprochen haben – umsetzen: Wo stehen Sie, wo wollen Sie hin, und wann liefern Sie das, was Sie in dem Koalitionsvertrag – was wirklich nur der kleinste mögliche Nenner ist – versprochen haben? Ich hätte erwartet, dass Sie zumindest heute einmal erklären, wo es hingehen soll. (Beifall Freie Demokraten) Sehr geehrte Damen und Herren, es ist ein bisschen irritierend, wenn Sie hier sagen: Na ja, gut, wir lassen jetzt 800 Assistenzkräfte in Kitas arbeiten. – Ich habe noch nicht so richtig verstanden, wie das dann mit dem Fachkraftschlüssel aussieht, ob die angerechnet werden oder nicht. Sie finanzieren 800 Assistenzkräfte, die für 4.300 Kitas in unserem Land eine Entlastung bringen sollen. Sie werden künftig auch Betriebswirte gewinnen wollen, die Einrichtungen leiten. Da frage ich mich: Der Kollege Martin besucht jetzt Kitas. Ich meine, da wird er feststellen, dass viele Einrichtungen relativ klein sind und die Fachkräfte, die die Leitung machen, auch immer bereit sein müssen, in den Gruppen zu helfen, allein um die Leistungsfähigkeit der Kita überhaupt noch rechtzuerhalten. Wenn da jetzt ein Betriebswirt sitzt, soll das funktionieren? Es gibt Kitas, die haben zehn Gruppen, 15 Gruppen, kann es in Ausnahmefällen funktionieren. Aber bei Standardgruppen, den kleinen Einrichtungen bin ich skeptisch. Ich bin immer noch der Meinung, so wurde mir jedenfalls bei meinen Besuchen in Kitas immer zurückgespiegelt, dass die Arbeit mit den Kindern, Alltagsarbeit mit den Kindern, Beziehungsarbeit ist. Erzieherinnen und Erzieher – Frau Anders ist heute da, sie würde das wahrscheinlich bestätigen können die Beziehungsarbeit mit den Kindern eine ganz Aufgabe. Es kann eben durch eine Assistenzkraft nicht fach zusätzlich nebenher etwas anderes gemacht werden. Auch das Wickeln in der Krippe ist eine ganz entscheidende Beziehungsarbeit der Erzieherinnen und Erzieher dem Kind. Das war irgendwann einmal allgemeines, kanntes, gemeinsames Wissen in diesem Landtag. Da ich doch heute nicht sagen: Ich nehme irgendwelche tenzkräfte, es ist nicht so wichtig, was die Erzieherinnen und Erzieher da machen. – Nein, natürlich ist alles hungsarbeit und alles die Frage, wie die Kinder mit Erzieherinnen und Erziehern interagieren. Da bin ich bisschen irritiert, dass solche Vorschläge hier auch beklatscht werden. (Beifall Freie Demokraten) Sehr geehrte Damen und Herren, jetzt habe ich mich mit dieser Rede auseinandergesetzt und mit dem, was hier vorgeschlagen haben und was mich noch nicht beeindruckt hat. Ich habe vom Kollegen Bärsch Ja, die Kindertagespflege ist ein wichtiges Thema. – ist sie auch, aber wer sich mit dem Thema beschäftigt, weiß, es ist vor allem ein Thema, das im U-3-Bereich wichtige Rolle spielt. Da ist es natürlich auch so, dass in vielen Kommunen gigantische Gebühren haben. ist es auch eine ökonomische Frage. In Hessen soll es noch eine bis zwei Kommunen geben das sind vielleicht große Kommunen, da gebe ich nicht ganz unrecht –, wo man die Kindertagespflege leicht ein bisschen benachteiligt, weil man das nicht will. – Kollege Pürsün grinst ein bisschen, er weiß, Kommunen ich meine. – Das mag es in der einen oder deren Kommune noch geben, aber flächendeckend ist sehr dankbar, dass Kindertagespflege nachgefragt wird. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es hilfreich wenn die Kindertagespflegeausbildung zum erheblichen Teil digital stattfinden könnte. Denn wie will ich als zweimal in der Woche in ein Kreishaus fahren, eine bildung machen, oder in zwei Nachbarorte fahren, um Fachstunden zu leisten, die ich haben muss, um überhaupt etwas Entsprechendes machen zu können? Ich glaube, gibt es schon noch kluge Ideen, wie man zusätzliche kräfte gewinnen kann. Nirgendwo in Hessen – außer in einzelnen ausgewählten Kommunen – gibt es ein Blockieren oder ein Ablehnen der Kindertagespflege. Für viele Kommunen ist es eine für sie günstige Möglichkeit, Angebote zu schaffen. Ich glaube, die Eltern, die das nachfragen, finden – fentlich – Menschen, die es anbieten. Es gibt viele schiedenen Formen, wie die Kindertagespflege angeboten wieder werden kann. Zum Teil kann man diese kritisch sehen, auch, zum Beispiel mit von der Stadt angemieteten Gebäuden. auf- Ich glaube, da wird schon viel Kreatives gemacht. Ich sehe wie auch nicht die Chance, dass wir dort die große Lösung haben. Sie ist Teil der Lösung, das größte Potenzial ist abgeschöpft. da den Ich möchte aus Sicht der Freien Demokraten noch einmal sehr sagen, was wir brauchen: Wir brauchen einen echten Mases terplan, der drei Dinge umfasst. Das Allerwichtigste ist, wieder dass das Land und die Kommunen wirklich zu Partnern die werden und gemeinsam diese Aufgabe schultern. Es hat Für mir sehr gut gefallen – ich weiß gar nicht mehr, wer es hier nicht ausgeführt hat –, dass man die ökonomischen Auswirkun– ist gen für unsere Volkswirtschaft auch einmal beschrieben zentrale hat: Jede Erzieherin und jeder Erzieher, die ermöglichen, ein- dass eine Mutter oder ein Vater arbeiten gehen kann, führen natürlich dazu, dass Steuereinnahmen sprudeln, dass Sozialabgaben bezahlt werden und dass dringend benötigte Fachkräfte in allen Bereichen unserer Wirtschaft zur Verfümit gung stehen. anerkann Ich habe gesagt, es fehlen 41.000 Betreuungsplätze. Das Assis- bedeutet, es könnten dem Arbeitsmarkt sofort 41.000 Menschen mehr zur Verfügung stehen, sonst würden sie ja keiBezie- nen Betreuungsplatz nachfragen – 41.000 Fachkräfte, die den dem Arbeitsmarkt vorenthalten werden, die Steuern zahlen ein würden und die den Staat finanziell entlasten würden. noch Ich sage Ihnen jetzt einmal, was das große Problem ist. Ich habe es schon so oft hier gesagt, aber ich sage es noch einmal: Die Einkommensteuer steigt durch die Betreuung. Allerdings steigt sie vor allem für die Länder und den viel Bund. Weit über 85 % der Einkommensteuer gehen an Sie Bund und Länder, nur ein erheblich geringerer Teil landet so bei den Kommunen. Die haben aber in Hessen fast 90 % gehört: der Aufgaben finanziell zu schultern. Das Das heißt, es gibt ein krasses Missverhältnis zwischen eine denen, die von der Kinderbetreuung einen ökonomischen wir Vorteil haben, und denen, die diese Leistung erbringen Dann müssen. Darum brauchen wir diese Partnerschaft, weil die Kommunen an ihre Leistungsgrenze – zum Teil schon über diese Leistungsgrenze hinaus – gehen. Das wird dazu füh– ren, dass wir künftig wieder mehr Gebühren sehen werden. Ihnen viel- Das Gegenteil Ihrer Politik wird die Folge sein: Wenn Sie so 400 Millionen Euro aus dem KFA nehmen, werden die welche Erzieherinnen bei den Tarifsteigerungen trotzdem entsprean- chend bedient werden. Die Kommunen tragen die kompletman ten Personalkosten in diesem Bereich. Es wird eine massive Verteuerung der Kinderbetreuung für die Kommunen geben. Sie nehmen in der Grundfinanzierung Geld heraus, wäre, Sie nehmen bei der Investitionsunterstützung Geld heraus und erhoffen sich davon, dass 41.000 zusätzliche Plätze Mutter geschaffen werden. Das wird nicht funktionieren. Ändern FortSie Ihre Politik. die (Beifall Freie Demokraten) da Kaum einer kann Geld drucken. Wir brauchen aber VerFachlässlichkeit. Reden Sie mit den Kommunen. Machen Sie eine verlässliche Planung. Sie müssen sich darauf verlassen können, wie die Unterstützung der Landesregierung in den nächsten vier Jahren für die Kommunen aussehen auch wird. Der Finanzminister sagt immer: Wir alle haben den Steuertopf gemeinsam. – Aber wenn uns die Erfüllung der hof- Aufgabe wichtig ist, dann kann man nicht sagen, das sei ver- ein Problem der Kommunen. Das ist unser aller Problem. Setzen Sie sich deswegen mit den Kommunen an einen Tisch. Reden Sie aufrichtig und verlässlich über die Finanzierung. Das zweite Thema lautet Fachkräfte. Um bei den Fachkräften voranschreiten zu können, brauchen wir verschiedene Angebote, die in deren Lebensperspektive hineinpassen. Dazu gehört die schulische Ausbildung. Dazu gehört die praxisintegrierte vergütete Ausbildung. Dazu gehört die akademische Ausbildung. Dazu gehören ganz viele verschiedene Ausbildungswege. Hier wird die praxisintegrierte vergütete Ausbildung immer wieder als das große heilbringende Projekt dargestellt. Sie ist gut. Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen, dass es bei der praxisintegrierten vergüteten Ausbildung eine hohe Abbrecherquote gibt. Entweder löse ich das Problem irgendwann einmal, oder ich muss feststellen, dass nicht jeder die praxisintegrierte vergütete Ausbildung durchziehen kann, der diesen Beruf aber erlernen will. Also muss es auch eine andere Möglichkeit geben, vergütet an den Schulen entsprechend diese Ausbildung zu machen. Dabei braucht man dann vielleicht ein bisschen länger. Ich bin deshalb immer noch fest davon überzeugt, dass die Vergütung ein ganz zentraler Bestandteil der Attraktivität dieser Ausbildung ist. Da erwarte ich erste Schritte der Landesregierung, damit man da vorankommt. Wir müssen den Beruf finanziell attraktiver machen. Sonst werden die jungen Menschen diesen Beruf nicht nachfragen. (Beifall Freie Demokraten) Ich habe das schon mehrfach gesagt: Wir brauchen eine Öffnung des Fachkraftschlüssels nach oben. Vielleicht wäre es viel besser, Sie würden nicht die Assistenzkräfte finanzieren, sondern Sie würden für Gruppen auch akademisch gebildete Menschen finanzieren. Es ergibt sich dann ein Gap, das man als Stadt hat. Da kann man dann sagen: Ich habe jemanden, der höher qualifiziert ist, auf dieser Stelle sitzen, um dann dieses Gap zu finanzieren, um auch die Qualität zu fördern. Die Kommunen sagen dann: Ich will auch einmal in einer Gruppe eine akademische Fachkraft haben. Ich möchte den Fachkraftschlüssel ein Stück weit nach oben öffnen. Wir haben sehr viele Erzieherinnen und Erzieher, die nachher noch einmal ein Studium draufgepackt haben. Für sie ist es aber finanziell völlig uninteressant, zurück in eine Kindertagesstätte zu gehen. Von daher sage ich: Öffnen Sie doch den Fachkraftschlüssel nach oben. Das wird aber nicht reichen. Sie müssen natürlich die Fragen, wo sie eingesetzt werden können und wie sie vergütet werden, parallel dazu angehen. Wieso gibt es eigentlich so wenige Studienplätze in diesem Bereich? Es gibt eine relativ gute Nachfrage für solche Plätze. Warum schaffen wir nicht noch mehr Studienplätze in diesem Bereich? Denn eine stärkere Akademisierung könnte natürlich auch einen Teil zur Verbesserung der Qualität in den Einrichtungen beitragen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den wir als ganz zentral ansehen. Ich gehe wirklich davon aus, dass Sie das Thema frühkindliche Bildung ernsthaft behandeln wollen. Ich gehe wirklich davon aus, dass Sie das in den Fokus stellen und das mit der Frage der Gewaltprävention oder mit der Frage des Schutzes der Kinder vor Gewalt verbinden. Da frage ich mich dann ernsthaft, wer das in den Einrichtungen machen soll, wenn es keine Fachkraft ist. Es ist sehr komplex, eine Gefährdung nach § 8a Sozialgesetzbuch VIII zu erkennen, richtig darauf zu reagieren und die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen. Dazu muss ich eine Qualifikation haben. Dazu muss ich wissen, wie ich mich zu verhalten habe. Denn das kann ich auch falsch machen. Das sage ich Herr Bauer gleich an dieser Stelle. Wenn ich das ernst nehme, dann ist auch eine gute Dokumentation dessen wichtig, was wir heute schon wissen. Es geht um die Maßnahmen, die wir ergriffen haben. Es geht um die Kapazitäten in den Jugendämtern und in den Einrichtungen, um die Maßnahmen umsetzen zu können. Da gibt es extrem viel zu tun. Herr Bauer, Sie müssen dann der größte Kämpfer für Gewaltschutzkonzepte und für Fachkräfte in den Einrichtungen sein. Denn wir wissen ganz genau, dass es auch in den Einrichtungen eine Gefährdung gibt. Sie besteht nicht nur im Elternhaus. Das gibt es auch in den Einrichtungen. Wenn man die Gewaltschutzthematik ernst nimmt, dann ist die Frage nach den Fachkräften wichtig. Die besondere Fortbildung hinsichtlich des Gewaltschutzes ist eine zentrale Aufgabe. Wenn man hier so eine Position übernimmt, dann erwarte ich natürlich, dass man da auch etwas vorzuweisen hat. Ich werde das bei Gelegenheit immer wieder einmal abfragen, wie wir da vorangekommen sind. Denn das ist wirklich eine zentrale Aufgabe. Wir schützen unsere Kinder gemeinsam vor Gewalt. Ich glaube, damit ist der Dreiklang deutlich geworden. Wir brauchen eine stabile Finanzierung. Wir brauchen klar die Gewinnung der Fachkräfte. Das wird Geld kosten. Wir brauchen eine wissenschaftliche Begleitung und die Weiterentwicklung unserer Bildungsstandards in den Kindertagesstätten. Dafür bin ich bereit, mit jedem gerne intellektuell oder politisch Bündnisse einzugehen, unabhängig von der Farbe. Ob man früh oder spät zu der Erkenntnis gelangt, dass Handeln notwendig ist, ist mir mittlerweile völlig egal. Denn es geht um unsere Kinder. Am Schluss meiner Rede habe ich eine kleine persönliche Bitte. Wir haben in Hessen eine Elternvertretung für die Kindertagesstätten eingerichtet. Wir sollten sie dann in solche Prozesse angemessen einbinden. Wir sollten dafür sorgen, dass sie in der Lage ist, solche Prozesse angemessen zu begleiten. Denn ansonsten wäre das ein hohler Beschluss. Aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass das auf Sie als Ministerin persönlich nicht zutrifft. Dann sehen Sie aber bitte zu, dass es in Ihrer Verwaltung die Unterstützung gibt, die notwendig ist, um Wahlen zu organisieren und um eine gute Arbeitsfähigkeit sicherzustellen. Das würde mich sehr freuen. Damit kämen wir zumindest bei der Elternarbeit ein gutes Stück weiter. – Vielen Dank. (Beifall Freie Demokraten)
