Bijan Kaffenberger
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Anwesende! Lassen Sie mich zuallererst eines ganz deutlich sagen: Die hessische Filmförderung ist mit der Hessen Film & Medien so gut aufgestellt wie noch nie. Ich will an dieser Stelle erst einmal stellvertretend für alle, die in diesem Bereich tätig sind, der Geschäftsführerin Anna Schoeppe danken. Das, was der Kollege Wintermeyer eben schon deutlich gemacht hat, kann auch ich unterschreiben – ebenso wie alle demokratischen Fraktionen in diesem Hohen Haus. Für alle hessischen Kulturinstitutionen genau wie für Hessen Film & Medien gilt: Kunst und Kultur sind frei. (Beifall SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Im letzten Monat wurde in der Alten Oper der Hessische Film- und Kinopreis vergeben. Wir haben es schon gehört. Der eine oder andere Film wurde schon angesprochen. Dort spielte eine bundesweit erfolgreiche Produktion eine ganz besondere Rolle, nämlich die ARD-Serie „Die Zweiflers“, die auch von Hessen Film gefördert wurde. Sie hatte bereits beim Deutschen Fernsehpreis abgeräumt. Sie zeigt modernes jüdisches Leben in all seiner Vielschichtigkeit. Wir fördern also – ganz anders als im Antrag behauptet – eben auch große und bundesweit erfolgreiche Projekte. Der Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten ging zum Beispiel an die international renommierte Schauspielerin Barbara Sukowa. Sie hat Hildegard von Bingen und Hannah Arendt gespielt. In „Die bleierne Zeit“ verkörperte sie Gudrun Ensslin. Dieser kurze Auszug aus ihrer Filmografie zeigt ja, dass eine einzige deutsche Schauspielerin in diesem Fall fast 1.000 Jahre deutscher Geschichte umfasst. Aber die antragstellende Fraktion, hier ganz rechts, kritisiert, dass Filme – ich zitiere – „vermehrt ausländische Konflikte thematisieren“. Wir haben „Shahid“ ja auch schon angesprochen. Narges Kalhor hat für „Shahid“ den Preis für den besten Film bekommen. Es wurde auch schon angesprochen: Der Name rührt daher, dass ein Märtyrer, der Urgroßvater der Regisseurin, im iranischen Freiheitskampf Anfang des 20. Jahrhunderts starb und sie daher diesen Namen trägt. Aber es geht doch auch darum, dass sie diesen eben in Deutschland ablegen will und dass sie den Kampf gegen den Bürokratismus in den Behörden kämpft. Und kämpfen wir nicht auch regelmäßig mit dem Bürokratismus unserer Behörden? Und gibt es nicht auch heute wieder Freiheitskämpfe im Iran? Jetzt sagen Sie, so etwas sollte in Filmen nicht thematisiert werden. (Zuruf AfD: Nicht ausschließlich!) Es sind aber auch Deutsche, die dieser Konflikt bewegt. Es bewegt natürlich beispielsweise unseren stellvertretenden Ministerpräsidenten Kaweh Mansoori. Es bewegt auch mich, was im Iran passiert. Ein Detail haben Sie vergessen, Herr Roos – und das freut mich richtig. Die Jury hat nämlich beim Filmpreis auch den Sonderpreis für die beste Filmmusik an „Shahid“ vergeben, und die ist von Marja Burchard. Marja Burchard hat nicht nur die Filmmusik komponiert, sondern sie hat auch die Band ihres Vaters übernommen. Sie kommt aus dem Bayerischen. Was hat sie in ihrer Dankesrede gesagt? Sie hat gesagt, musikalisch habe sie übrigens am meisten der typisch bayerisch-böhmische „Zwiefache“ geprägt. Ich sage Ihnen eines: Das ist es doch, was Sie stört: wenn verschiedene Kulturen gemeinsam kreativ sind und Neues schaffen. Das halten Sie nicht aus. Denn, wer für Kulturkampf steht, der kann Frieden nicht ertragen. (Beifall SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf AfD: Sie müssen an Ihren Vorurteilen arbeiten!) Ebenfalls prämiert wurde „Exile never ends“. Es geht darin um die politische Verfolgung einer alevitisch-kurdischen Familie in der Türkei, um deren Flucht nach Europa, rassistische Übergriffe, darauffolgende Belastungen für die Familie und Depressionen. So etwas bewegt Menschen. So etwas bewegt beispielsweise den Kollegen Yüksel, aber es bewegt auch viele andere Deutsche. Das unterscheidet uns maßgeblich von Ihnen. Denn wir haben Empathie. (Lachen AfD) Ich sage Ihnen: Nur wer Empathie besitzt, kann Politik für Menschen machen. Sie hingegen machen eine Politik gegen Menschen, eine Politik des Hasses. (Beifall SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ein Teilsatz in Ihrem Antrag lautet: „… wie es auch früher schon gewesen ist“. Ich glaube, das bringt Ihre Geisteshaltung so deutlich auf den Punkt wie nichts anderes. Ich muss es Ihnen leider sagen: So wie früher, so wird es nie mehr. (Robert Lambrou (AfD): Gott sei Dank!) Und ich sage Ihnen noch etwas: Das ist auch gut so. (Beifall SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich rate Ihnen dringend: Erkennen Sie die vielfältige Realität der deutschen Gesellschaft an. Sonst werden Sie daran, dass Sie es nicht ertragen, persönlich völlig zugrunde gehen. (Beifall SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dass Sie in den Reihen der AfD die deutsche Geschichte immer wieder versuchen zu negieren – wesentliche Teile davon – und sie kleinreden, das wissen wir. (Robert Lambrou (AfD): Was negieren wir denn in der deutschen Geschichte?) Deswegen empfehle ich Ihnen zum Schluss noch einen anderen deutschen Film, über den ich neulich im Feuilleton gelesen habe. Ich kann Sie beruhigen: Es geht darin um Deutsche. Er heißt „In Liebe, Eure Hilde“. Er basiert wahren Begebenheiten. (Zurufe BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Schauen Sie sich den einmal an, und lernen Sie über die Geschichte. Ich kann Ihnen sagen, der Film eine Kunst, die dem Tod bei der Arbeit zusieht. Das in Deutschland und überall anders auf der Welt. – Dank. (Beifall SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE NEN)
