Lara Klaes
Danke. – Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte ordnete! Vorweg: Wir haben heute Morgen schon wie Sie über Sozialarbeiter geredet haben. Jetzt Sie so über junge Menschen, die einen integrierten lor begrüßen. Also, ganz ehrlich: Der AfD sind junge schen einfach egal. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, und Freie Demokraten) Sie gehen so mit Berufsfeldern um, die systemrelevant sind, dass es unfassbar ist. (Widerspruch AfD) Jetzt wieder zur Sache: Es zeigt sich doch auch heute lich wieder eindeutig, dass die demokratischen Fraktionen bei einem wichtigen Thema an einem gemeinsamen arbeiten können. (Zuruf Andreas Lichert (AfD)) Das ist gerade in diesen Zeiten sehr wichtig. Die Änderung des Juristenausbildungsgesetzes und die Einführung integrierten Bachelors im Jurastudium stellen eine Bereicherung für die juristische Ausbildung in Hessen (Unruhe – Glockenzeichen) Schluss mit: alles oder nichts. Schluss mit: zweimal gefallen, und alles war umsonst. Schon im Juni haben wir GRÜNE einen Antrag zur führung eines integrierten Bachelors im Jurastudium stellt. Im Oktober hat die FDP einen Gesetzentwurf reicht, und der Druck hat gewirkt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt CDU, SPD und Freie Demokraten) Liebe Kolleginnen und Kollegen, um endlich zu bringt nicht die Landesregierung den Gesetzentwurf sondern das tun die Fraktionen, die die Regierung Ich sage nur: endlich. Also: Wir wollen alle das und das jetzt auch konkret umsetzen, nämlich, dass mit dem integrierten Bachelor für einen echten stehen, für eine Änderung, die das angestaubte, aus 19. Jahrhundert entwachsene Jurastudium endlich ins 2024 bringt. Das ist nicht nur zeitgemäß, sondern auch echte Chance. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt CDU und Nadine Gersberg (SPD)) Du bist in diesem langen Studium und hast eigentlich dig die Phase von Ungewissheit – eine Studienzeit stant mit Ungewissheit. Du bist fleißig, du schaffst Studienleistungen, und du willst auch eine gute werden, aber du weißt nie: Was kommt dabei am heraus? Schaffe ich das Staatsexamen, oder schaffe nicht, sodass ich am Ende vielleicht nichts in der habe und alles umsonst war? – Man setzt die Studierenden einem jahrelangen Druck aus. Ein Beispiel – ich weiß, dass in diesem Raum einige tinnen und Juristen sitzen, aber vielleicht ist das für Besucherinnen und Besucher auf der Tribüne interessant, ihr die eventuell Jura studieren wollen –: Ein Freund von mir das ist im neunten Semester, studiert also schon fast mehr als vier Jahre, und wird im Februar sein Staatsexamen schreiben. Bis jetzt sind seine Leistungen alle top, aber trotzdem besteht immer die Gefahr, dass er das Staatsexamen nicht schafft und durchfällt. Obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt alle Leistungen und gute Noten erbracht hat, wären dann Abgefünf Jahre umsonst – fünf Jahre. gesehen, sprechen (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinBachezelt SPD – Zuruf Dr. Frank Grobe (AfD)) MenAndere Studierende haben in dieser Zeit schon einen Bachelor und damit etwas in der Tasche. Genau deshalb SPD braucht es den integrierten Bachelor im Jurastudium; denn mit dem Jura-Bachelor können Studierende schon vor dem Staatsexamen einen anerkannten Abschluss erlangen, weil sie schon vor dem Staatsexamen etwas geleistet haben; sonst wären sie gar nicht erst zur Prüfung zugelassen worden. Denn damit können die Leistungen der Studierenden nicht nur honoriert werden, die sie bis zu diesem Zeitpunkt enderbracht haben, sondern es wird ihnen auch ein Stück Leichtigkeit und vor allem Sicherheit gegeben. Weg Aber vor allem ist wichtig: Studierende können endlich frei entscheiden und mit weniger Druck und Angst in die Prüfungen gehen. Niemand soll doch wegen Examensangst auf sein Wunschstudium der Rechte verzichten; denn der des immense und hohe Druck der abschließenden Prüfungen große führt zu psychischen Belastungen oder zu psychischen Erdar. krankungen und oft zu enormen Existenzängsten. Laut einer aktuellen Befragung der Bundesfachschaft Jura erreicht der psychische Druck auf einer Skala von 1 bis 10 einen durchExtremmittelwert von 9,3. Und, ganz ehrlich: Wir können als Politik und als Gesellschaft nicht weiterhin wollen, dass sich junge Menschen kaputt machen und nicht mehr Einleistungsfähig sind. geeinge- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD – Zuruf Dr. Frank Grobe (AfD)) Das hat auch überhaupt nichts damit zu tun, dass junge Menschen irgendwie fauler geworden sind oder dass das Studium immer einfacher wird; es geht schlicht darum, liefern, dass Zugänge einfacher werden und dass die schon vollein, brachten Leistungen endlich gewürdigt werden. tragen. Gleiche Aber natürlich ist es immer einfacher, zu sagen: Der Druck wir gehört halt dazu; das muss man aushalten. – Doch im VerWandel gleich zu anderen Studiengängen, in denen man sich heute dem den Abschluss Modul für Modul erarbeitet, ist die psychiJahr sche Belastung im Examensstudiengang Jura immens, und eine das ist einfach ungerecht. Ganz klar ist: Das Jurastudium wird weiterhin anspruchsvoll bleiben; am Staatsexamen ändert der ins Studium integrierte Bachelor gar nichts. Mit einem Bachelorabschluss eröffnen sich aber vor allem neue Perspektiven; denn beim endgültigen Nichtbestehen stänkon- des Staatsexamens haben Studierende mit dem Bachelor deine dann trotzdem die Möglichkeit, ihre juristische oder wissenschaftliche Berufslaufbahn weiterzuführen oder neu zu Juristin Ende starten. ich es Der integrierte Bachelor würde die Attraktivität der juristiHand schen Ausbildung also nicht schwächen, sondern stärken. Das ist eine echte Chance, auch dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Denn juristisches Grundwissen wird Juris- auch in Zukunft in vielen Bereichen dringend erforderlich die und vor allem gebraucht sein – in Unternehmen, Behörden, Verwaltungen und in Verbänden. Dafür braucht es doch nicht zwingend ein erstes oder gar ein zweites Staatsexamen. Es gibt so viele positive Gründe und Chancen mit der Einführung eines integrierten Bachelors: Verringerung des Drucks, Abbau von Examensängsten, Honorierung bereits erbrachter Leistungen, Anpassung des juristischen Studiums an internationale Studiengänge, erweiterte Berufschancen und dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Kurzum: Die Veränderung des Juristenausbildungsgesetzes sowie die Einführung des integrierten Bachelors müssen ganz dringend kommen – vor allem für die Studierenden. Wir als GRÜNE stehen dem Gesetzentwurf also positiv gegenüber. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie uns konstruktiv zusammen daran arbeiten, dass das Jurastudium attraktiver, moderner und vor allem angstfreier wird. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und vereinzelt CDU)
