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HandSascha Meier

GRÜNE 20.11.2024 Sitzungen 21/25

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter und geschätzter Kollege Wendel, eingangs möchte ich Ihnen nur mitteilen: Wenn die Ausbildung und Prüfung zum Meister tatsächlich kostenlos wäre, würden wir sicherlich mit Ihnen feiern. Das ist sie Bei- aber nicht. Das wollte ich nur eingangs bemerken. digitalen Schülern (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eine Ausbildung im Handwerk, im Handel oder in der Industrie hat Zukunft. Unsere duale Ausbildung ist eine der Jahres wichtigsten Grundlagen unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Über Weltweit werden wir um diesen Ansatz beneidet. Das wird in kopiert. Sie bildet einen wichtigen Grundstein für den Kol- persönlichen und den beruflichen Erfolg. Die duale Ausdass bildung bietet jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten, ihre Talente zu entfalten und eine erfüllende berufliche Laufbahn einzuschlagen. Leider gibt es weiterhin die weit verbreitete Sichtweise, dass man nur mit einem Hochschulstudium richtig Karriere machen könne. Ich sage ausdrücklich: Das ist falsch. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Claudia Ravensburg (CDU)) Da brauchen wir ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Eine Berufsausbildung und das Hochschulstudium sind gleichwertig. Beide Abschlüsse bieten vielversprechende und vielfältige Chancen für ein erfolgreiches Berufsleben. Natürlich brauchen wir attraktive Bedingungen an den Berufsschulen und in den Betrieben. Wir brauchen mehr berufliche Orientierung an den Schulen. Damit wird nicht zuletzt die Gleichwertigkeit verdeutlicht. Wir brauchen ein durchlässiges Bildungssystem, das den Wechsel zwischen beruflicher und akademischer Bildung ermöglicht und fördert. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da haben wir in den letzten beiden Legislaturperioden ohne Frage schon einiges erreicht. Vor allem wir GRÜNE haben die Durchlässigkeit des Bildungssystems vorangetrieben. So hat der ehemalige Obmann im Wissenschaftsausschuss, Daniel May, den Modellversuch „Studium ohne Abitur“ mit initiiert. Im Wirtschaftsministerium geschah das durch den ehemaligen Staatsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Al-Wazir. Im Hochschulministerium hat die ehemalige Staatsministerin Dorn den Versuch 2022 verstetigt. Wir haben viel bewegt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mit dem Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte haben wir die Durchlässigkeit in unserem Bildungssystem deutlich gestärkt. Das geschah auch wegen der Karrieren. Wir Hessen waren die Ersten, bei denen man ohne Abitur und ohne den Abschluss als Meister studieren konnte. Das kann ein guter Anreiz sein, nach der Mittleren Reife erst einmal eine Ausbildung zu beginnen. Denn damit hält man sich alle Möglichkeiten und Karrierewege offen. Das öffnet Türen und verhindert Bildungssackgassen. Das ist nicht zuletzt eine wichtige Wertschätzung und Anerkennung der Gleichwertigkeit der individuellen Stärken, Fähigkeiten und Lebensleistungen in unserem Land. Da kann man nur sagen: Grün wirkt. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zudem haben wir die Berufsorientierung durch verbindliche Vorgaben zur Umsetzung der Aktivitäten in den allgemeinbildenden Schulen deutlich gestärkt. So haben wir festgelegt, dass alle weiterführenden Schulen zumindest eine Kooperation mit einem Unternehmen, einem Betrieb oder einer Hochschule verpflichtend eingehen müssen. An allen allgemeinbildenden Schulen müssen mindestens zwei Betriebspraktika abgeleistet werden. Trotz widriger Umstände während der Corona-Pandemie und Zeiten der wirtschaftlichen Instabilität ist es dem Land mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung der Industrie- und Handelskammern, der Handwerkskammern und der Kammern der freien Berufe gelungen, die Ausbildungszahlen aus dem negativen Trend herauszuholen. So konnte die absolute Zahl der Ausbildungsverträge gegenüber dem Corona-Krisenjahr 2022 im Jahr 2023 deutlich gesteigert werden. Das verdanken wir nicht zuletzt der Auszubildenden-Offensive, die Tarek Al-Wazir in seiner Funktion als Wirtschaftsminister auf den Weg gebracht hat. Das schreibt nun sein Nachfolger Mansoori fort. Da stimmen wir mit der Analyse der Koalition überein: Dennoch bleibt viel zu tun. – Viele Ausbildungsbetriebe haben nach wie vor Probleme, ihre Ausbildungsplätze mit qualifizierten Bewerberinnen oder Bewerbern zu besetzen. Viele Schülerinnen und Schüler wissen am Ende ihrer Schulzeit noch nicht, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Bei den Abiturientinnen und Abiturienten ist dann oft die Tendenz, zunächst einmal ein Studium aufzunehmen, um die Entscheidung hinsichtlich des Berufs noch ein wenig hinauszuzögern, auch wenn die individuellen Stärken und Fähigkeiten eher bzw. auch für eine duale Ausbildung sprechen würden. Wir brauchen aber gerade auch diese Zielgruppe, um den Fachkräftebedarf jetzt und in Zukunft decken zu können. Deswegen braucht es mehr Anreize für diese Zielgruppe, den Weg der dualen Berufsausbildung einzuschlagen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Den vorliegenden Antrag von CDU und SPD zur Stärkung der dualen Ausbildung und zur beruflichen Orientierung begrüßen wir deswegen grundsätzlich. Da steht erst einmal nichts Falsches drin. Die Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist immer ein wichtiges und gutes Signal – mehr Berufsorientierung und Praktika, wie gesagt, auch. Stand jetzt sind das aber erst einmal nur Ankündigungen. Wir sind gespannt, wann und wie das dann konkret umgesetzt wird. Die Ausweitung der Praktika insbesondere im gymnasialen Bildungsgang muss jetzt schnell erfolgen. Uns ist dabei wichtig, dass es nicht nur mehr Praktika braucht, sondern auch längere Praktikumsphasen von mindestens vier Wochen, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen, wirklich einmal in den Alltag im Betrieb, auch in wechselnden Praktikumsstätten, einzutauchen. Im gymnasialen Bildungsgang braucht es schon während der Sekundarstufe I mindestens zwei Praktikumsphasen, damit auch dort eine Orientierung hin zur dualen Berufsausbildung nach der Mittleren Reife erfolgen kann. Gleichzeitig müssen wir feststellen: Das alleine reicht nicht. Das heißt – das ist jetzt wahrscheinlich eine ganz überraschende und bittere Erkenntnis für die Kolleginnen und Kollegen der CDU –, wir werden den Fachkräftemangel nicht komplett ohne Zuwanderung, Weiterbildung und Integration in den Arbeitsmarkt lösen können. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe CDU) Das bedeutet auch, dass wir es uns nicht erlauben können, aus der Aus- oder Weiterbildung abzuschieben. Wie kann sich eine Landesregierung, wie können Sie sich dafür feiern, trotz des Gegenwinds von Betrieben, Azubis aus Mangelberufen abzuschieben? Wer hier eine Ausbildung aufnimmt, sich integrieren will und darüber hinaus auch noch eine Ausbildung in einem Mangelberuf absolviert, der sollte nicht abgeschoben werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Um Kinder und Jugendliche für eine duale Ausbildung zu gewinnen, brauchen wir eine gute Ausstattung der beruflichen Schulen. Die zukunftsfähige Berufsschule kann ein Erfolg werden, wenn in der Breite Ausbildungsberufe erhalten werden, dort, wo es Zusammenfassungen diese Schulen regional gut erreichbar sind und vor die Ausstattung passt. Eine Wiederaufnahme von programmen für die Ausstattung und Instandsetzung beruflichen Schulen ist dringend und zwingend notwendig. Nicht zuletzt fordern wir die Einrichtung von Azubi-Werken. Analog zu Studierendenwerken müssen Ausbildungswerke gegründet werden, die Auszubildende mit raum und weiteren Angeboten unterstützen. Dies sert die Rahmenbedingungen und erhöht die Attraktivität der Ausbildung. Auf einem Azubi-Campus der soll es Auszubildenden offenstehen, ähnliche Rahmenbedingungen und Privilegien wie Studierende in Anspruch nehmen zu können. Das ist eine logische Schlussfolgerung aus der Forderung bzw. Feststellung, dass berufliche akademische Bildung gleichwertig sind und sein müssen. Umso überraschter war ich, als wir zu unserem Berichtsantrag zur zukunftsfähigen Berufsschule erfuhren, dass Landesregierung trotz ihrer Ankündigung im Koalitionsvertrag offenbar keine ernst zu nehmenden Maßnahmen in diese Richtung ergreifen möchte. Im Koalitionsvertrag schreiben Sie: „Wir werden daher ein Landespaket für berufliche Bildung schnüren, mit dem wir Azubi-Campi fen, …“ In Ihrer Antwort auf unseren Berichtsantrag haben Sie einmal auf die Zuständigkeit der Schulträger verwiesen und geschrieben, dass Sie Anreize für entsprechende projekte durch Investoren setzen wollen. – Keinerlei wort auf die Frage, wann Ihr Landesprogramm soll, was für ein Volumen das haben soll oder wie Azubi-Wohnheimplätze Sie als Land schaffen wollen. Sehr geehrter Herr Minister Schwarz, sehr geehrter Minister Mansoori, wir werden das genau im Blick ten und Sie an Ihren Ankündigungen im Koalitionsvertrag messen. In Ihrem Koalitionsvertrag steht etwas von Landesprogramm für Azubi-Wohnheime. Dann wir auch, dass Sie die entsprechenden Mittel in die nehmen und nicht nur auf die Schulträger und private vestoren verweisen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU und der um es kurz zu machen: Die Richtung in Ihrem stimmt. Die Maßnahmen, die Sie ankündigen, befürworten wir. Aber bisher ist es eben nur Ankündigungspolitik. teressant ist bekanntlich nicht nur, was in dem Antrag steht, sondern auch, was nicht drinsteht. Mehr Praktika Schulen sind richtig und gut. Aber das allein ist dann auch ein bisschen wenig. Wir werden deswegen genau obachten, was noch für Initiativen von Ihnen kommen, die berufliche Ausbildung in Hessen nachhaltig zu – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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