Matthias Körner
Der Antrag der FDP zur Nutzung der digitalen Zwillinge hebt wichtige Themen wie die Integration von Echtzeitdaten, die Optimierung der Ressourcennutzung und die Verbesserung der Bürgerbeteiligung hervor. Es wird deutlich, dass digitale Zwillinge in der Lage sind, Städte smarter und effizienter zu machen. Die geforderte finanzielle Unterstützung für Pilotprojekte in unterschiedlichen Kommunen ist ein sinnvoller Ansatz, um den Einsatz dieser Technologien in der Praxis zu erproben. Dennoch zeigt sich, dass der Antrag an einigen Stellen an Tiefe vermissen lässt. So wird beispielsweise die Verknüpfung zu bestehenden Initiativen wie dem Programm „Starke Heimat Hessen“ oder der Geschäftsstelle Smarte Region im Digitalministerium nicht hergestellt. Diese Programme sind bereits auf Landesebene aktiv und könnten maßgeblich zur Umsetzung eines landesweiten Konzepts für digitale Zwillinge beitragen. Ebenso wird die Verbindung zu den bundesweiten Entwicklungen vernachlässigt, zum Beispiel das bis Dezember 2026 laufende Projekt „Digitaler Zwilling Deutschland“ des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt. Dieses Projekt soll ein detailliertes digitales Abbild Deutschlands schaffen, das es ermöglicht, nachhaltige Entscheidungen in raum- und geobezogenen Bereichen zu treffen. Es geht dabei um eine bislang unerreichte Genauigkeit, die von Hochhäusern bis hin zu Verkehrsampeln alle grundlegenden Geo-Objekte abbilden soll. Auch das vom FDP-geführten Bundesverkehrsministerium ins Leben gerufene Projekt „Digitale Zwillinge für Infrastruktur, Bau, Wohnen – von Theorie und Konzeption in die Praxis“ sollte nicht unerwähnt bleiben. Dieses Zuwendungsprojekt bietet potenziellen Anwendern einen umfassenden Überblick über konzeptionelle Ansätze, Anwendungsfälle und die praktischen Schritte bei der Einführung von digitalen Zwillingen. Auf der Webseite des Bundesverkehrsministeriums – hatte ich schon gesagt, dass es FDP-geführt ist? – finden sich dazu interessante Ergebnisberichte. Hier geht es nicht nur um die Technik, sondern um eine umfassende Strategie, die Konzepte wie BIM, Building Information Modeling, und GIS, geografische Informationssysteme, integriert, um Daten optimal zu nutzen und Synergien zu schaffen. Ein digitaler Zwilling ist weit mehr als ein digitales Abbild. Er muss in ein umfassendes technisches und organisatorisches Gesamtkonzept eingebettet werden, um seinen vollen Nutzen zu entfalten. Dies wird im Antrag der FDP leider nicht ausreichend berücksichtigt. Anstatt auf die Komplexität und die notwendigen strukturellen Voraussetzungen einzugehen, bleibt der Antrag bei allgemeinen Schlagworten. Zum Abschluss meine dringende Bitte: Es gibt bestimmte Themen – und die digitalen gehören definitiv dazu –, bei denen wir hier im Haus dazu neigen, viele Anträge einzubringen, die vor allem auf das Aufzählen von Schlagwörtern abzielen. Das sorgt dann zwar für einen beeindruckenden Auftritt. Einige können zeigen, dass sie komplizierte englische Begriffe beherrschen und dass sie über den neuesten Trend aus dem Silicon Valley Bescheid wissen. Es sind dann vielleicht unterhaltsame 30 Minuten. Aber wirklich weiterbringen – das tut es uns nicht. Ich würde mir wünschen, dass wir uns das manchmal ersparen. Anlage 5 (zu Tagesordnungspunkt 13) Nach § 109 Absatz 2 GOHLT zu Punkt 13 Tagesordnung, Drucks. 21/1075, zu Protokoll gebene Stellungnahme
