Astrid Wallmann
Vielen Dank. – Als Nächster hat der Abgeordnete der CDU-Fraktion das Wort. diese Ingo Schon (CDU): sind. Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Hessen ist Versiein Weinbauland, und zwar ein ganz herausragendes. In Unterallen Teilen Hessens wird Wein angebaut: am Böddiger Berg, in der Rhön und natürlich im Rheingau und an der Bergstraße. Seit Anfang dieses Jahres ist die Hessische Bergstraße aber nicht mehr das kleinste deutsche Weinanbaugebiet. Das ist inzwischen der Mittelrhein. Von den der über 2.000 Hektar bestockter Rebfläche vor gut 100 Jahren tiefroter im Mittelrhein sind inzwischen weniger als 450 Hektar steübrig geblieben. Das Weltkulturerbe hat sein Gesicht in die den letzten Jahren ziemlich verändert. EigentnehDer deutsche Weinbau – meine Damen und Herren, das alle steht da pars pro toto – steht vor den größten Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Und in dieser Zeit werden stellt die FDP als die Wirtschaftspartei – jedenfalls begreift legeren sie sich so – einen Antrag zu Funzelfahrten. Das finde ich hat tatsächlich ziemlich beeindruckend. Schwere (Beifall CDU und SPD) soll der Der Kollege Hofmann hat aus meiner Sicht in der Sache Rolle alles gesagt. Wir werden dieses Nischenthema natürlich mit aller Sorgfalt behandeln. Aber ich sage Ihnen: Ich finde es tatsächlich einigermaßen verwunderlich, dass man in Zeiten multipler Herausforderungen für den Weinbau dieses Thema heute auf die Tagesordnung setzt. Ich freue gab mich aber sehr, dass wir die Gelegenheit haben, einmal über Weinbau, Weinkultur und Brauchtum zu sprechen. Aber, wie gesagt, es hätte aus meiner Sicht viele andere Themen gegeben, mit denen man sich aus diesem Anlass zum heraus hätte befassen können, zum Beispiel mit der Politik des- der Europäischen Union. (Oliver Stirböck (Freie Demokraten): Warum habt lustig. ihr noch nichts gemacht?) Aus der neuen Kommission droht neue Bürokratie. Erneut sind nachteilige Veränderungen im EU-Haushalt und auch vom bei der GAP im Gespräch – haben Sie nicht angesprochen. nun Das macht aber nichts. Unser Europaminister ist in Brüssel Grauzobereits sehr aktiv garan- (Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Ja, bei Frau von der Leyen!) juristiund wird dieses dicke Brett sicherlich bohren. (Beifall CDU und SPD) Sie hätten über die Herausforderungen durch den Klimawandel sprechen können: straßen- (Wiebke Knell (Freie Demokraten): Was hat das daFörmit zu tun?) bei Starkregen, Trockenheit, invasive Insekten und dadurch die Gefahren neuer Krankheiten. Sprechen Sie einmal mit den ADD, Winzerinnen und Winzern. Das sind viel größere Probleein- me, die die da haben, als Funzelfahrten. Das haben Sie nicht gemacht, macht aber nichts. (Beifall CDU und SPD – Wiebke Knell (Freie Demokraten): Das kann man aber nicht lösen!) Unser Umweltminister und auch der Wissenschaftsminister sind mit der Hochschule Geisenheim, einer der besten Weinbauhochschulen der Erde, da sehr aktiv. Auch dafür Schon herzlichen Dank. Die Landesregierung macht da eine herausragende Arbeit. (Beifall CDU und SPD) Sie hätten über den Rhein-Main-Link sprechen können, der droht, einige der besten Weinlagen in Hessen mit einem Federstrich von der Landkarte zu tilgen und damit dem Rheingau ein Stück seiner Seele zu nehmen. Da könnten Sie in Berlin tatsächlich auch selbst tätig werden und selbst etwas tun. Das haben Sie aber auch nicht angesprochen. Auch das macht aber nichts. Axel Wintermeyer war bei der Bundesnetzagentur. Der Ministerpräsident hat den Bundeskanzler persönlich angeschrieben. Auch da sind wir aktiv. Auch da danke ich den Beteiligten für ihren Einsatz. (Beifall CDU und SPD) Oder Sie hätten, meine Damen und Herren der FDP, über die allergrößte Herausforderung sprechen können, vor der der deutsche Weinbau steht. Das ist nicht – oder jedenfalls nicht nur – die allgemeine Wirtschaftslage. Es ist die Markt- und Absatzsituation. Einige sprechen vom Überangebot, vom Preisverfall. Es geht um Discounterpreise und die geringe Rentabilität. Auf dem viertgrößten Weinmarkt der Erde, auf dem deutschen Markt, trinken gerade einmal 40 % der Konsumenten deutschen Wein – und das mit fallender Tendenz. Da müssen wir dagegenhalten. Das haben Sie auch nicht angesprochen. Das ist schade; denn, wenn man über Weinkultur spricht, dann ist das eine zentrale Frage. Auch da tun wir einiges. Ich nenne Schlagwörter: Förderund Entwicklungsprogramm Wein, HALM, Pheromonförderung, Steillagenförderung. Leider kann ich jetzt nicht in die Tiefe gehen, aber ich danke unserem Landwirtschaftsminister, der zum ersten Mal in der Geschichte des Landes Weinbauminister ist – und ich danke auch seiner Vorgängerin sehr herzlich, dass sie den Weinbau und die besonderen Kulturen immer im Blick hatten. Herzlichen Dank. (Beifall CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ihnen, liebe FDP, rufe ich zu: Wenn es Ihnen wirklich um die hohe kulturelle Bedeutung des Weinbaus in Hessen geht, dann nehmen Sie andere Themen auf die Agenda; denn der Weinbau steht vor wirklich grundlegenden Veränderungen. In Ländern wie Spanien, Italien und Portugal sind die Wein- und Rebflächen seit den Neunzigerjahren um über ein Drittel geschrumpft. So weit sind wir in Deutschland noch nicht, aber es gibt Weinanbaugebiete, die eben diesen Weg gehen. Darüber müssen wir reden. Das müssen wir angehen. (Wiebke Knell (Freie Demokraten): Stell doch mal einen Antrag!) Deswegen möchte ich zum Ende einen Appell an Sie alle richten. Er ist ernst gemeint, auch wenn er vielleicht witzig klingt. Wenn Sie zur Flasche greifen, dann greifen Sie zu deutschem Wein. Trinken Sie deutschen Wein. Sprechen Sie Gastronomen an, sprechen Sie Firmen an, damit sie aus den wunderbaren 13 deutschen Weinanbaugebieten Wein einkaufen; denn jede Flasche deutschen Weins sichert Arbeitsplätze in diesem Land. Jede Kiste deutschen Weins sichert hessische Kulturlandschaften. Jeder von Ihnen, jeder von uns kann am Ende darüber mitentscheiden, wie die deutschen Weinanbaugebiete in 20, in 30 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes aussehen werden. – Vielen Dank. (Beifall CDU und SPD – Wiebke Knell (Freie Demokraten): Fangen Sie einmal an mit dem Landtagsrestaurant!)
