hessischer-landtag.de ↗

Dr. Daniela Sommer

10.10.2024 Sitzungen 21/23

Meine Damen und Herren, bevor ich den nächsten Redner aufrufe, möchte ich auf der Besuchertribüne unseren ehemaligen Abgeordneten Herrn Caspar herzlich begrüßen. ist (Beifall) Die nächste Wortmeldung kommt von der CDU. Herr auch Steinraths, Sie haben das Wort. vereinFrank Steinraths (CDU): gera- Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und setzen Herren! Seit 25 Jahren setzen sich die Landesbeauftragten für die Belange der Heimatvertriebenen und SpätaussiedVertrei- ler hier in Hessen ein. Diese Aufgabe ist eine NotwenJustus- digkeit; denn unsere Geschichte ist geprägt von Flucht, in Vertreibung und der Suche nach einer neuen Heimat. Der zu- Landesbeauftragte unterstützt die Landsmannschaften und fördert Vertriebenenverbände bei der Pflege und Förderung ihres auch Kulturguts, trägt aber auch dazu bei, dass Spätaussiedler der in unsere Gesellschaft integriert werden, sei es durch berufliche, sprachliche oder gesellschaftliche Unterstützung. Diese Arbeit verdient unsere volle Anerkennung und Unund terstützung. Lieber Andreas Hofmeister, dir für die neuen Aufgaben alles Gute. Wir (Beifall CDU und SPD) bisher Heimatvertriebene und Spätaussieder haben Hessen nach in dem Zweiten Weltkrieg entscheidend mitgeprägt. Sie haben beim Wiederaufbau des Landes geholfen. Sie haben neue Traditionen und Werte eingebracht und damit gezeigt, und dass Vielfalt und Integration zu einer echten Stärke werden können. 1,8 Millionen Deutsche haben hier bei uns in beHessen eine neue Heimat gefunden. Sie haben unser Land neu bereichert, und zwar kulturell wie wirtschaftlich. Lassen Sie uns nicht nur auf die Vergangenheit blicken. des Auch heute leisten der Bund der Vertriebenen sowie die Verbände und Landsmannschaften wertvolle Arbeit. Sie sind Brückenbauer zu den Ländern Osteuropas geworden und fördern die Verständigung und den Austausch. 90/ (Beifall CDU und SPD) Der heutige europäische Gedanke und insbesondere das Leitwort des Bundes der Vertriebenen – „Heimatvertriebeeuropäi- ne und Heimatverbliebene: Gemeinsam für ein friedliches be- Europa“ – zeigen, wie wichtig diese Verbindungen für den Frieden und das Miteinander in Europa sind. Leider ist dieser Satz heute so aktuell wie schon lange nicht mehr. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine führt uns schmerzlich vor Augen, dass der Frieden in Europa wünkeine Selbstverständlichkeit ist. Auch heute sind wieder Arbeit Menschen in Europa gezwungen, ihre Heimat zu verlassen, werden vertrieben und leiden unter dem Schrecken des Krieges. Deshalb ist gerade jetzt unser Zusammenhalt als 90/ europäische Gemeinschaft und als Gesellschaft wichtiger denn je. Aus diesem Grunde ist es uns ein wichtiges Anliegen, an dieser Stelle die Arbeit des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaften der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler nochmals zu würdigen. Diese Arbeit ist ein zentraler Beitrag zur Völkerverständigung. Wir sollten sie auch zukünftig tatkräftig unterstützen. Ein besonders positives Beispiel der Förderung ist der Forschungsschwerpunkt an der Justus-Liebig-Universität Gießen in Kooperation mit dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung. Dieser Schwerpunkt zur historischen Erinnerung und zum kulturellen Erbe zeigt, wie wichtig es ist, die Geschichte der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler in den Fokus zu rücken. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung und die Einbindung in die universitäre Lehre sorgen dafür, dass dieses Thema auch für kommende Generationen relevant und erfahrbar bleibt und auch erlebbar bleibt. Ebenso begrüßen wir die geplanten Abschlusstagungen im Jahr 2026 und die Veröffentlichung von Studien zu diesem wichtigen Thema. Der Austausch über die Geschichte der Heimatvertriebenen ist essenziell für die Aufarbeitung und das Bewusstsein, was diese Menschen durchgemacht haben und was sie heute zu unserer Gesellschaft beitragen. Ein weiterer Punkt, der uns sehr am Herzen liegt, ist die Wissensvermittlung an unsere Kinder und Jugendlichen. Themen wie Flucht und Vertreibung müssen in den Schulunterricht integriert werden, um das Bewusstsein für diese Geschichte und deren Folgen zu stärken. (Beifall CDU und SPD) Gedenkstätten und Museen wie der Hessenpark Neu-Anspach oder das Museum des Grenzdurchgangslagers Friedland bieten wertvolle Einblicke in diese Thematik und sollten vermehrt Ziel von Schulklassen werden. Diese Forderung ist ein wichtiger Schritt, um unsere Geschichte lebendig zu halten. Abschließend möchte ich den einzigartigen Sonderlehrgang für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler in Hasselroth hervorheben und Ihnen bekannt geben. Durch den Ankauf der Gebäude durch das Land Hessen wird sichergestellt, dass junge Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler auch weiterhin die Möglichkeit haben, die allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Mit einer Erfolgsquote von nahezu 90 % ist dies ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Integration und die berufliche Zukunft für unsere Spätaussiedler. (Beifall CDU und SPD) Sehr geehrte Damen und Herren, wir alle tragen die Verantwortung, das Erbe der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler zu bewahren und Lehren aus ihrer Geschichte zu ziehen. Sie haben nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch unsere Kultur und unser wirtschaftliches Leben maßgeblich geprägt. Lassen Sie uns daher auch in Zukunft alles dafür tun, dass diese Menschen weiterhin eine Stimme haben und ihre Geschichte Teil unserer gemeinsamen Zukunft bleibt. Vielen Dank für Ihre Zustimmung und einen schönen Abend. – Danke. (Beifall CDU und SPD)

Protokoll ↗