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Kathrin Anders

GRÜNE 08.10.2024 Sitzungen 21/21

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt, der Schutz vor Missbrauch und Verwahrlosung ist die Aufgabe des Staates und aller staatlichen Institutionen. Aber in vielen Fällen können wir als Staat diesen Schutz nicht gewährleisten. Deswegen ist es richtig und wichtig, dass wir immer wieder alle notwendigen Mechanismen beleuchten, die den Schutz von Kindern und Jugendlichen verbessern. Wegschauen, Tabuisieren oder Kleinreden verschärfen die Situation von Betroffenen und nehmen den Staat aus der Verantwortung. Die heutige Regierungserklärung ist daher ein wichtiges Signal; denn wir schauen hin und wollen den Schutz von Kindern und Jugendlichen stetig verbessern. Der Landtag stellt sich den Herausforderungen und seiner besonderen Verantwortung. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die aktuellen Zahlen sind erschreckend, und sie sprechen für sich. Laut WHO sind in Deutschland 1 Million Kinder von sexueller Gewalt betroffen. Das sind etwa ein bis zwei Kinder pro Schulklasse. Nur ein Bruchteil dieser Fälle ist im Hellfeld und wird überhaupt strafrechtlich verfolgt. Die Zahl der Inobhutnahmen in Hessen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Es gibt Städte, in denen sich die Fallzahlen innerhalb eines Jahres verdoppelt haben. Die Zahlen sind alarmierend und machen deutlich, dass in allen Feldern Handlungsbedarf besteht. Die Zahlen mögen anonym sein, aber die Kinder und Jugendlichen, die Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch erleben, sind es nicht. Sie sind in unseren Kitas, Schulen und Vereinen, oder sie sind unsere Nachbarskinder. Sie werden die Folgen der Traumata ein Leben lang mit sich tragen. Deswegen bin ich froh, dass wir in Hessen schon seit Langem einen Weg der Aufarbeitung, der Aufklärung, der Prävention, der Intervention und der Restriktion verfolgen. Wir lassen Betroffene nicht alleine. Das zeigen die vielen Unterstützungsangebote, die wir in den letzten Jahren geschaffen haben. Aber vor allem zeigen die Maßnahmen, dass wir in Hessen eine Kultur des Hinsehens etablieren wollen. Wir machen deutlich, dass wir unseren Schutzauftrag überall ernst nehmen. Wir schauen hin und sind überall wachsam; denn, meine sehr verehrten Damen und Herren, in Hessen darf sich kein Täter sicher fühlen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Eine Kultur des Hinsehens zu etablieren muss unser gemeinsames Ziel sein, wenn wir wissen, dass in jeder Schulklasse und in jeder Kita-Gruppe betroffene Kinder sitzen. Deswegen wird Kinderschutz eine Daueraufgabe bleiben und wird sich auch stetig weiterentwickeln müssen. Dafür brauchen wir überall da, wo Kinder lernen, spielen und leben, bestausgebildete Kräfte, die Anzeichen erkennen können und wissen, was zu tun ist. Überall, wo Kinder lernen, spielen und leben, brauchen wir Schutzkonzepte, damit Institutionen nicht zum Tatort werden. Diese Schutzkonzepte haben wir schon früh etabliert, und wir müssen stetig dafür sorgen, dass sie auch umgesetzt werden. Hierzu braucht es oft nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern auch Personal, das dieser Aufgabe gewissenhaft nachgehen kann. Deswegen müssen wir in diesem Bereich Aus- und Weiterbildung sicherstellen. Verpflichtende Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst sind erst der Anfang. Wir brauchen diese Fortbildungen für alle, im Haupt- oder im Ehrenamt, die dort sind, wo Kinder lernen, spielen und leben, egal ob in der Kita, in der Schule oder im Verein. Kinder in Hessen brauchen überall kompetente Erwachsene, die hinsehen und wissen, wo es Hilfe gibt. Kinder in Hessen sollen sich überall sicher fühlen können. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU SPD) Wir wissen, dass das noch ein langer Weg ist und Realität anders aussieht. Umso wichtiger sind deshalb terventionsstellen wie das Childhood-Haus in Frankfurt oder auch die Kinderschutzambulanzen. Für schnelle, erreichbare und interdisziplinäre Hilfe zu sorgen, die am Kind orientiert, ist ein wichtiger Schritt. Mit Childhood-Haus haben wir in der letzten Legislaturperiode einen wichtigen Meilenstein gesetzt. Dort steht Kind im Mittelpunkt; Ärzte, Therapeuten, Sozialarbeiter, Polizisten und Juristinnen stehen mit ihrer Expertise sammen. Die Fallzahlen vor Ort zeigen den Bedarf und deutlich, dass es in ganz Hessen erreichbare Anlaufstellen braucht. Kinderschutz ist eben nicht nur im Rhein-MainGebiet wichtig, Kinderschutz muss in ganz Hessen tät haben. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Wir brauchen Expertinnen und Experten im Kinderschutz, und deshalb braucht es auch einen Masterstudiengang derschutz. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Jugendämtern und in vielen Einrichtungen müssen und kompetent reagieren können; denn eine Inobhutnahme betrifft immer ein komplexes System und ist eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten. Wir brauchen Spezialisierung in diesem Bereich, weil Gewalt und brauch viele Gesichter haben und Leidenswege für und Jugendliche endlich verkürzt werden müssen. Meine sehr verehrten Damen und Herren, unser auftrag gilt in der realen Welt, aber genauso auch in digitalen Welt. Kindheit und Jugend finden immer mehr digitalen und teilweise auch anonymen Räumen statt. Deswegen dürfen digitale Räume keine Tatorte Wir müssen die Täterstrategien des Cybergroomings stehen und durchbrechen. Kinder und Eltern müssen Präventionsprogramme wissen, wie sie sich vor Übergriffen im Netz schützen können. Oft sind Lehrerinnen Lehrer und Eltern hilflos. Mit mehr Aufklärungsarbeit, sich in den letzten Jahren schon deutlich verbessert treten wir der Ohnmacht entgegen. Es muss unser Ziel sein, das Bewusstsein für diese ten zu weiten. Die Scham muss die Seite wechseln. gilt nicht nur für den Missbrauchsfall einer französischen Rentnerin, das muss Ziel aller Aufklärungsarbeit werden. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Zur Aufklärungsarbeit gehört auch die Strafverfolgung. Hier gilt mein persönlicher Dank den Beamtinnen Beamten, die in Hessen unermüdlich den systematischen sexuellen Missbrauch von Kindern vom Babyalter ins junge Erwachsenenalter nachverfolgen und aufdecken. Danke für Ihren Einsatz. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU SPD) Die massenhafte gezielte Weitergabe von Bild- und material im Internet macht sichtbar, was immer im genen stattfindet, was in den allermeisten Fällen dort findet, wo Kinder besonderen Schutz suchen, nämlich ihrem familiären Umfeld. Hier braucht es die volle des Gesetzes. Polizei und Justiz brauchen Instrumente, die Täterinnen und Täter zu ermitteln. Die Bilder und und deos mögen im Netz anonym sein, die Taten sind es nicht. Die Taten und die Täter sind Realität, und diese dürfen sich in Hessen nicht sicher fühlen. die In- (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Wenn wir über Persönlichkeitsrechte sprechen, dann müsgut sen wir vor allem über die Persönlichkeitsrechte der Besich troffenen sprechen. Sie erfahren Gewalt, Trauma und leidem den lebenslang unter Folgeerscheinungen. das Deswegen bin ich froh, dass der Bundesrat einer längeren Speicherfrist von IP-Adressen zugestimmt hat. Die Tätezurinnen und Täter haben kein Recht auf Anonymität, weder im Netz noch im realen Leben. machen (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SPD) Sehr verehrte Damen und Herren, eine Kultur des HinsePriorihens kommt nicht von heute auf morgen. Eine Kultur des Hinsehens etabliert sich durch viele verschiedene Maßnahmen. Die Beratungsstellen und die neuen Anlaufstellen für männliche Opfer sexualisierter Gewalt, die bereits seit einem Jahr intensiv arbeiten, aber auch die neue KoordiKinnierungsstelle verbessern das Hilfesystem in Hessen stetig. den schnell Wir sind in Hessen schon einen weiten Weg gegangen. Der Aktionsplan gegen sexualisierte Gewalt gibt klare Handlungsanweisungen, und dieser muss konsequent umgesetzt mehr werden. Lassen Sie uns gemeinsam damit bitte nicht aufMisshören. Es ist unsere Verantwortung, Kinder und JugendKinder liche vor jeglichen Formen von Gewalt zu schützen, zu Hause, in den Institutionen und in der digitalen Welt. SchutzWir müssen dabei die Gesellschaft mitnehmen; denn nichts der schadet den Betroffenen mehr als Wegschauen, Kleinreden in oder Tabuisieren. Eine Debatte im Landtag ist wichtig, es ist aber nun unser aller Aufgabe, diese Debatte mit den Menschen draußen in den Institutionen und vor Ort zu werden. führen. – Vielen Dank. verdurch (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und SPD) und die hat, Vizepräsident René Rock: Vielen Dank, Frau Abgeordnete Anders. – Für die Fraktion Straftader Freien Demokraten erteile ich der FraktionsvorsitzenDas den Knell das Wort. Wiebke Knell (Freie Demokraten): Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen! und „Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man ein Kind sieht, das spielt und lacht. Kinder sollten lachen dürfen.“ bis Diese Worte von Astrid Lindgren berühren das Herz und erinnern uns auch daran, wie wichtig es ist, Kindern eine und unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Doch leider ist das nicht für alle Kinder in Hessen eine Selbstverständlichkeit. Viele Kinder leiden im Stillen oft unter Bedingungen, die Videofür uns Erwachsene nur schwer vorstellbar und für mich Verborals Mutter auch schwer ertragbar sind. stattin Deshalb begrüße ich es, dass wir heute über die HerausforHärte derungen sprechen, vor denen Kinder in Hessen stehen, um um gemeinsam Lösungen zu finden, die es jedem Kind Vi- ermöglichen, in Sicherheit und Freude aufzuwachsen. Bei dem Thema der heutigen Regierungserklärung „Hinsehen und handeln“ kommt einem zwangsläufig in den Sinn, dass diese Eigenschaften in der heutigen Gesellschaft leider nicht mehr allzu oft anzutreffen sind. Erschreckend oft sind wir mit einem Wegsehen konfrontiert, vielleicht auch, weil es einfacher erscheint, sich abzuwenden. (Beifall Freie Demokraten) „Hinsehen und handeln“ sind zentrale Aspekte von Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement. Das bedeutet eben, nicht wegzuschauen, wenn man Ungerechtigkeiten oder Notsituationen wahrnimmt, sondern aktiv zu werden und einzugreifen, wo es nötig ist. Hinsehen ist der erste Schritt. Es erfordert Mut und Sensibilität, um Missstände zu erkennen. Handeln kann vielfältig aussehen, das können kleine Gesten sein, ein unterstützendes Wort, bis hin zu größeren Interventionen, wenn man in eine Gewaltsituation eingreift. Aber viele Menschen zögern, aktiv zu werden, aus Angst vor negativen Konsequenzen oder der Sorge, dass ihr Eingreifen die Situation verschlimmern könnte. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, ein Bewusstsein für Zivilcourage in der Gesellschaft zu schaffen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man sicher und effektiv handeln kann. Hinsehen und handeln ist also nicht nur ein Appell an das individuelle Gewissen, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung. (Beifall Freie Demokraten, vereinzelt CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, bei der heutigen Regierungserklärung liegt der Fokus auf den Schwächsten unserer Gesellschaft, auf den Kindern. Hier tut sich, wenn wir hinsehen und handeln, ein weiteres Problem auf; denn Kinder leiden oftmals still. Viele Kinder erleben Schmerzen, sei es durch Misshandlung, Vernachlässigung, psychische Belastung oder andere traumatische Erfahrungen. Oft sind sie eben nicht in der Lage, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken oder sich Gehör zu verschaffen. Die Gründe dafür sind verschieden. Kinder haben oft nicht die Worte oder das Verständnis, um ihre Emotionen zu kommunizieren. Viele Kinder fürchten sich auch davor, dass ihre Probleme nicht ernst genommen werden oder dass sie für das, was ihnen widerfährt, selbst verantwortlich gemacht werden. Kinder, die leiden, fühlen sich häufig isoliert und alleine. Sie glauben vielleicht auch, dass niemand ihre Situation nachvollziehen kann. Aber das stille Leiden kann langfristige Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit der Kinder haben. Es kann zu Problemen wie Depressionen, Angststörungen oder zu sozialem Rückzug führen. Natürlich kann es auch die schulischen Leistungen beeinträchtigen. Deswegen ist es auch entscheidend, dass wir Erwachsene – Eltern, Erzieher, Lehrer, Ärzte, Betreuer in Vereinen und andere Bezugspersonen – aufmerksam sind und die Anzeichen von leidenden Kindern ernst nehmen. (Beifall Freie Demokraten und Nadine Gersberg (SPD)) Offene Gespräche und auch eine sichere Umgebung können es Kindern erleichtern, über Erfahrungen zu sprechen. Frühes Eingreifen und Unterstützung sind wichtig, um die Folgen des Leidens zu mildern und den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich dann auch zu erholen. Aber das stille Leiden von Kindern erfordert in allererster Linie unsere Aufmerksamkeit und Empathie. Indem wir ein Umfeld schaffen, in dem sich Kinder sicher fühlen, indem wir ihre Sorgen teilen und indem sie Unterstützung erhalten, können wir einen Unterschied in ihrem Leben machen. Deswegen ist es wichtig, das Thema sichtbar zu machen und für die Bedürfnisse dieser verletzlichen Gruppe einzutreten. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eines müssen wir uns stets vergegenwärtigen – das ist eben schon genannt worden –: Gewalt an Kindern kann in ganz verschiedenen Formen auftreten. Sie geht auch nicht immer nur von Erwachsenen aus. Diesen Aspekt habe ich in der Regierungserklärung vermisst. Es gehört zur Wahrheit, dass viele Kinder eben auch Gewalt durch Gleichaltrige erfahren, sei es in der Schule oder in sozialen Medien, in WhatsApp-Gruppen usw. Mobbing ist ein ernst zu nehmendes Problem. Es kann psychischer, verbaler oder emotionaler Natur sein und hat oft schwerwiegende psychische Folgen für die Betroffenen. Kinder und Jugendliche können unter Druck geraten, sich aggressiv oder gewalttätig zu verhalten, um dazuzugehören. Das kann zu einem Teufelskreis von Gewalt führen, in dem Opfer selbst zu Tätern werden. Auch hier gilt es, hinzusehen und zu handeln. (Beifall Freie Demokraten und Nadine Gersberg (SPD)) Leider ist auch die Familie nicht immer ein sicherer Ort, der sie eigentlich sein müsste. Gewalt kann auch innerhalb der Familie, nicht nur von Eltern, sondern auch zwischen Geschwistern, auftreten. Diese Konflikte können sich in körperlicher Aggression oder eben in emotionaler Manipulation äußern. Kinder, die in gewalttätigen Umfeldern aufwachsen, können dieses gelernte Verhalten internalisieren und es dann selbst an gleichaltrige oder jüngere Kinder weitergeben. Aber auch die Darstellung von Gewalt in Medien, Spielen und Filmen kann das Verhalten von Kindern beeinflussen und zu einer Gewöhnung an Gewalt durch die gesehenen Bilder führen. Deswegen ist es auch immens wichtig, Gewalt in all ihren Formen ernst zu nehmen und präventive Maßnahmen zu ergreifen. Da ist die Politik natürlich gefragt und gefordert; denn Politik kann eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Gewalt an Kindern spielen. Politik kann zur Stärkung des Kinderschutzes Gesetze erlassen und die Kinder vor Gewalt schützen, zum Beispiel durch ein Verbot von körperlicher Bestrafung. Politik kann Strafen für Gewalt gegen Kinder erhöhen, um potenzielle Täter abzuschrecken. Im Bereich der Prävention können Initiativen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit über die verschiedenen Formen von Gewalt gegen Kinder und ihren Folgen ergriffen werden. Oder es können Schulungen für Lehrer, Sozialarbeiter und Eltern angeboten werden, um Gewalt besser zu erkennen und zu verhindern. Wir können Mittel für Beratungsstellen, Therapien und Unterstützungsdienste für betroffene Kinder und deren Familien bereitstellen oder auch in die Ausbildung von Fachleuten investieren, die mit Kindern arbeiten, um eine frühzeitige Intervention zu gewährleisten. All das muss gemacht werden. Wichtig ist aus unserer Sicht auch die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendämtern, Gesundheitsdiensten und der Polizei, ein umfassendes Schutzsystem für Kinder zu etablieren. (Beifall Freie Demokraten) Denn ich glaube – das ist ganz wichtig –, dass eine serung der Kommunikation zwischen den verschiedenen Institutionen dabei helfen kann, Fälle von Gewalt besser identifizieren und bestmöglich darauf zu reagieren. Mangelhaft ist in Hessen in diesem Zusammenhang ändert auch die Situation im Bereich der Schulpsychologie. Die Psychologen und Psychologinnen haben nach wie eine enorme Arbeitsbelastung und können den Bedarf Weitem nicht abdecken. Auch in einem weiteren den Sie in der Regierungserklärung erwähnen, Theorie und Praxis deutlich auseinander. Das sind die milien- und Erziehungsberatungsstellen. Diese Beratungsstellen sind komplett überlaufen. Hilfesuchende viele Wochen und teilweise sogar Monate auf einen warten, und das ist ja eine Notfallsituation. Wenn es schlecht läuft, wird dieser Termin wegen Personalmangels auch noch abgesagt. Die Konsequenz für die Landesregierung muss ganz klar sein: Die Beratungsstellen ausgeweitet und vor allem auch personell verstärkt Darum müssen Sie sich als Ministerin kümmern. (Beifall Freie Demokraten) Ich glaube, die Kombination aus Prävention, Aufklärung, Gesetzgebung und interdisziplinärer Zusammenarbeit entscheidend, um langfristige Veränderungen zu chen. In diesem Sinne kann die von Ihnen, Frau rin, erwähnte Landeskoordinierungsstelle in Hessen durchaus wichtige Rolle im Bereich des Kinderschutzes und der Gewaltprävention spielen, wenn denn genügend Beratungsangebote überhaupt zur Verfügung stehen. Wie Sie meinen bisherigen Ausführungen bereits men konnten, ist Gewalt an Kindern sehr vielfältig. lisierte Gewalt an Kindern – das ist der Schwerpunkt Landeskoordinierungsstelle – ist ohne jeden Zweifel sehr ernstes Problem. Aber wir dürfen uns nicht darauf konzentrieren, sondern müssen eben auch alle ren Formen von Gewalt in den Fokus nehmen und Lösungen und Hilfe anbieten. Ein weiteres von der Landesregierung gefördertes jekt ist das Childhood-Haus an der Medizinischen derschutzambulanz der Uni Frankfurt – das haben jetzt schon mehrfach gehört. In dieser ambulanten derschutzeinrichtung sollen die Bedürfnisse von und Jugendlichen, die von Gewalt, Vernachlässigung auch von sexualisierter Gewalt betroffen sind, zentral den Blick genommen und Retraumatisierung vermieden werden. Dass nun ein weiteres Childhood-Haus auch Nordhessen geplant ist, ist sicherlich ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung, aber auf einem Weg, noch nicht zu Ende ist. (Beifall Freie Demokraten) Denn eines müssen wir uns auch außerhalb der schutzambulanz vergegenwärtigen: Ein riesiges ist der Ärztemangel. Der Ärztemangel ist gerade im reich der Kindermedizin drastisch. Eltern müssen kämpfen, in einer Praxis überhaupt noch aufgenommen zu werden, wo ihr Kind behandelt wird. Das führt dazu, dass sogar die U-Untersuchungen nicht mehr lich erfolgen und nachgewiesen werden können, die um Hauptpunkt sind, um Missbrauch oder Gewalt erkennen zu können. Beim Thema Ärztemangel muss die Landesregierung daher ganz dringend tätig werden. Diesen Missstand haben Verbeswir schon oft thematisiert, beispielsweise bei der Dauer von Zulassungsverfahren, ohne dass bisher eine wirkliche zu Besserung eingetreten wäre. Deswegen: Bei wirksamen Konzepten gegen den Kinderärztemangel ist die Landesregierung bisher blank. Dazu hätten wir heute sehr gerne unveretwas mehr von Ihnen gehört. Aber ich hoffe, dass Sie das auf jeden Fall mitnehmen und angehen. vor bei (Beifall Freie Demokraten) Bereich, klaffen Noch kurz zum Landesaktionsplan zum Schutz von KinFa- dern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt. Der hat seinem Namen nach die sexualisierte Gewalt schon im Fomüssen kus – wobei ich mir vielleicht noch einen Aspekt in diesem Termin Landesaktionsplan gewünscht hätte, der keine Erwähnung ganz findet, nämlich die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen, in erster Linie der katholischen Kirche. Ohne jeden Zweifel ist diese Aufarbeitung müssen sexualisierter Gewalt in den letzten Jahren verstärkt in den werden. Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das ist ein sehr sensibles und komplexes Thema. Aber es war letztendlich die öffentliche Diskussion über die sexualisierte Gewalt in der Kirche, die zu einem größeren Druck auf kirchliche Institutionen geführt hat und dazu, dass man dort endlich Verantwortung übernommen hat und die Bereitschaft gezeigt hat, ist Reformen durchzuführen. erreiMiniste- (Beifall Freie Demokraten) eine Kirchen haben endlich begonnen, Anlaufstellen und Beratungsangebote auch für Opfer einzurichten, um ihnen rechtliche und psychologische Unterstützung zu bieten. Auch in diesem Bereich muss sich Politik durchaus einentnehmischen. Genau so, wie sich die Kirche oft in Politik Sexuaeinmischt, worüber wir uns ärgern, soll das jetzt auch ander dersherum sein. ein alleine (Beifall Freie Demokraten) andeDer Wunsch ist wirklich da, dass man das Feld der Aufhierfür arbeitung dieser Form von Gewalt nicht alleine den Kirchen überlässt. Sie sehen also, wir haben eine ganze Reihe Pro- von unterschiedlichen Ausprägungen von Gewalt unter die Kin- Überschrift „Hinsehen und handeln“ subsumieren können. wir Es gibt überall noch viel zu tun. KinIch habe noch einen weiteren Punkt, den ich ansprechen Kindern möchte und der uns Sorgen bereitet. Das sind die psyoder chischen Auffälligkeiten und Störungen bei Kindern und in Jugendlichen, die seit der Zeit der Pandemie und durch den Krieg in der Ukraine deutlich zugenommen haben. Es in sind Verhaltensauffälligkeiten und ‑störungen, die verhindern, dass sich die jungen Menschen ihren Möglichkeiten der entsprechend entwickeln können. In vielen Fällen lösen Verhaltensstörungen erhebliche soziale Konflikte aus. Die Nachfrage nach Beratungsangeboten für Kinder und Kinder- Jugendliche bei Psychologen, Psychotherapeuten und psyProblem chotherapeutischen Kliniken ist deutlich angestiegen. Aber Be- der Zugang zu den Therapien ist schwierig. Das ist wie darum bei den Kinderärzten: oftmals Fehlanzeige. In vielen Regionen gibt es nicht genügend Psychotherapeuten, die sich auch auch auf die Behandlung von Jugendlichen und Kindern pünkt- spezialisiert haben. Das führt zu extrem langen Wartezeiten ein für Termine. Die Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen für Jugendliche übersteigt bei Weitem die verfügbaren Angebote. Besonders betroffen sind zudem Kinder und Jugendliche aus ohnehin schon belasteten Verhältnissen, die oft einen höheren Unterstützungsbedarf haben. Aber auch die Eltern fühlen sich häufig alleingelassen und hilflos. Frau Ministerin, hier haben Sie die nächste Aufgabe: Bekämpfen Sie bitte den Mangel an Therapeuten und damit an Therapieplätzen. Sie könnten zum Beispiel Ausbildungsplätze fördern und die Arbeitsbedingungen für Psychotherapeuten verbessern. (Beifall Freie Demokraten und Miriam Dahlke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Wir müssen auch verstärkt in Präventionsprogramme investieren, um psychischen Erkrankungen frühzeitig entgegenwirken zu können. Deshalb fordern wir auch eine landesweite Kommunikationsstrategie, die bei auftretenden psychischen Notsituationen schnelle Orientierung bietet und schnelle Hilfsangebote aufzeigt. (Beifall Freie Demokraten) Denn gerade in Notsituationen muss klar sein, wo Kinder und Jugendliche Hilfe bekommen: Gibt es also Ansprechpartner in der Schule? Oder ist dafür ein externes Unterstützungs- oder Beratungsangebot das Richtige? Fortbildungsangebote für Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen, Erzieher und auch anderes an Schulen eingesetztes pädagogisches Personal sind einzurichten. Wenn ich von Verständlichkeit spreche, dann meine ich damit besonders die Hilfe für Familien mit Migrationshintergrund. Denn neben sprachlichen Problemen finden wir dort oftmals Traumata durch Kriegserlebnisse oder die Flucht vor. Für diese Betroffenen ist der Zugang zu Hilfe nach wie vor schwierig, oder er scheitert viel zu häufig. Deswegen muss man ganz klar festhalten: Es ist leider noch nicht alles gut. Es gibt viel zu tun, und eigentlich sind die Aufgaben auch bekannt. Ob die Beauftragung einer Person für das Thema Kinderschutz zielführend und gewinnbringend ist, darf man zumindest infrage stellen. Denn nicht alles kann ein von der Landesregierung ins Schaufenster gestellter Beauftragter lösen, auch wenn das gerade ein schwarz-roter Trend zu sein scheint. (Beifall Freie Demokraten) Eigentlich sollte es genug Ansprechpartner für die Belange des Kinderschutzes geben, und das Geld wäre bei den existenten und chronisch überlasteten Beratungsstellen meiner Meinung nach besser aufgehoben. (Beifall Freie Demokraten) Meine Damen und Herren, die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind enorm, aber sie sind nicht unüberwindbar. Wir müssen bereit sein, zusammenzuarbeiten: Eltern, Lehrer, Fachleute und wir als Politiker. Jeder von uns kann einen Unterschied machen. Es liegt an uns, eine Kultur des Hinsehens und Handelns zu fördern, in der jedes Kind die Unterstützung und den Schutz erhält, den es benötigt. Es ist an der Zeit, dass wir nicht nur reden, sondern auch handeln, damit kein Kind in Hessen im Stillen leidet. Das ist Ihre Aufgabe als Landesregierung, für die Sie aber die Unterstützung der Freien Demokraten haben; denn unser Ziel ist eine Gesellschaft, die sich für die Schwächsten einsetzt und in der Kinder, wie Astrid Lindgren sagte, spielen und lachen dürfen, und das ohne Angst und Schmerz. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall Freie Demokraten)

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