René Rock
Vielen Dank, Frau Abgeordnete Gersberg. – Für die Fraktion der CDU erteile ich jetzt dem Abgeordneten Sebastian Sommer das Wort. Sebastian Sommer (Hochtaunus) (CDU): Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen, ja: verehrte Kolleginnen und Kollegen! Mir war es gerade ein Anliegen, Sie alle im Saal anzusprechen, und deshalb habe ich „Kolleginnen und Kollegen“ gesagt. (Heiko Scholz (AfD): Völlig in Ordnung!) Es ist für mich – hören Sie doch erst einmal zu – eine Frage der persönlichen Ansprache. Es ist für mich eine Frage der Wertschätzung. Ich habe heute schon öfter am Podium die Anrede „Kolleg*innen“ gehört, also Kolleg-Pause-innen. Manchmal ist die Pause zwischen Kolleg- und -innen kaum wahrnehmbar. Da fühle ich mich ehrlicherweise nicht immer direkt angesprochen. Das ist für mich in gewisser Weise auch keine Wertschätzung. Das aber auch nur am Rande. (Zuruf Robert Lambrou (AfD)) Denn, werte Kolleginnen und Kollegen, ich will Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie zu reden oder zu schreiben haben. Als freie Abgeordnete sollen Sie sprechen, wie Sie es für richtig halten. Im Privaten gilt das natürlich noch einmal mehr. Jetzt hören Sie aber genau zu: Wer allerdings staatliche Institutionen, Behörden dieses Landes vertritt, von dem erwarte ich und erwartet auch die schwarz-rote Landesregierung eine korrekte Verwendung der deutschen Sprache. (Beifall CDU – Robert Lambrou (AfD): Sind Sie sicher, dass die SPD das auch so sieht?) Ebenso wollen wir, dass unsere Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache korrekt anwenden. Es gab kurz vor Beginn des Landesabiturs einen politischen Sturm im Wasserglas – anders kann ich es nicht nennen –, losgetreten von den GRÜNEN hier im Haus. Die Anweisungen zum Gendern oder nicht Gendern im Abitur seien zu kurzfristig und/oder überfordernd. (Zuruf Lara Klaes (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)) Nichts davon war der Fall. Unsere Abiturientinnen und Abiturienten kamen selbstverständlich mit dieser Regelung klar und haben ihr Abitur gemeistert. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch zum Abschluss. (Beifall CDU) Denn die Regelung ist unmissverständlich. Das Gendern mit Sonderzeichen ist untersagt, Punkt, kurz und bündig. Auch für unsere Behörden ist das kein Hexenwerk oder eine unzumutbare Regelung. Ich habe selbst in einer Stadtverwaltung und später in einer Landesverwaltung gearbeitet. In beiden gab es bereits Dienstanweisungen zum Thema Gendern. In beiden war vorgeschrieben, die weibliche und die männliche Form zu verwenden, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das ist kein Mehraufwand, sondern geht nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. (Vereinzelter Beifall CDU) Wir sind sehr froh darüber, dass die Dienstanweisung des Ministerpräsidenten alles dazu geregelt hat, was es zu regeln gibt. Schülerinnen und Schüler sprechen nun mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. Es ist auch weiterhin nicht verboten, geschlechtsneutrale Formulierungen wie beispielsweise „Lehrkräfte“ zu verwenden. (Robert Lambrou (AfD): Wann klatscht bei Ihrer Rede eigentlich die SPD?) Unsere deutsche Sprache ist schön. Unsere deutsche Sprache hat viele Möglichkeiten. Wir müssen diese nicht mit Sternchen, Doppelpunkten, Schrägstrichen, Binnen-Is oder Sonstigem künstlich verunstalten. (Beifall CDU und AfD – Zuruf Robert Lambrou (AfD)) – Zu Ihnen komme ich noch. – Das Verwenden der weiblichen und der männlichen Form tut nicht weh, nimmt minimal mehr Zeit bzw. Platz auf einem Schreiben in Anspruch und ist vor allem eines: korrektes Deutsch. (Beifall Stephan Grüger (SPD)) Meine Damen und Herren, da wir der Auffassung sind, dass mit der Dienstanweisung des Ministerpräsidenten alles geregelt ist, was es zu regeln gilt, werden wir den Gesetzentwurf der AfD ablehnen. Auf Ihre Inszenierung als Hüter – und Hüterinnen, muss ich jetzt sagen – der deutschen Sprache hat im ganzen Land Hessen niemand, aber auch wirklich niemand gewartet. (Beifall CDU und SPD) Solange aus Ihrer Partei eine verbale Entgleisung nach der anderen kommt und Sie unsere wunderbare Sprache politisch-ideologisch motiviert verändern, braucht dieses Land keine Gesetze zur korrekten Anwendung der deutschen Sprache von rechts außen. (Beifall CDU und SPD – Zurufe Robert Lambrou und Heiko Scholz (AfD)) Einen Satz höre ich immer wieder im Kontext der Debatte: Es gibt wahrlich größere Probleme. – Da kann ich nur zustimmen. Daher auch an die Befürworterinnen und Befürworter von Sonderzeichen in unserer Sprache: Wenn es Ihnen wirklich um Geschlechtergerechtigkeit geht – um die geht es uns –, dann sollten Sie nicht zu Sonderzeichen und Co. greifen; denn das lehnt mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung ganz strikt ab. (Andreas Lichert (AfD): Hört, hört!) Abschließend noch ein Hinweis. Ich weiß nicht, ob es Ihnen schon aufgefallen ist. Es gibt keinen erfolgreichen Roman wie beispielsweise „Herr der Ringe“ oder „Der kleine Prinz“, der durchgegendert ist. Warum? Ganz einfach, weil Gendern mit Sonderzeichen unästhetische Texte hervorbringt und sich dementsprechend schlecht lesen bzw. vorlesen lässt. So sieht es aus. (Beifall CDU und AfD – Zurufe BÜNDNIS GRÜNEN und AfD) Verehrte Kolleginnen und Kollegen, es gibt auch weiterhin keine Sprachpolizei oder Ähnliches – bevor das von Ihnen kommt, Frau Herz. Die wird es nicht Es gibt aber ein klares Regelwerk vom Rat für Rechtsschreibung, und daran orientieren wir uns in staatlichen Einrichtungen. Ich bin gespannt, wie oft wir im Verlauf dieser Legislaturperiode noch über das Gendern hier im Haus werden. Ich freue mich schon auf die dritte Lesung. steht aber fest: Für uns, die Fraktionen von SPD und ist alles geregelt, was es zu regeln gibt. – Herzlichen (Beifall CDU und SPD – Robert Lambrou Die SPD hat nicht einmal geklatscht bei Ihnen!)
