QuerHeiko Scholz
MaßSehr geehrte Frau Präsidentin, Herr Staatsminister, verehrte Damen und Herren! Es ist doch erstaunlich, was sechs Wochen Sommerpause bewirken können. Zumindest erkennt die schwarz-rote Landesregierung mit ihrer Gesetzesinitiative den erheblichen Mangel an Lehrern in HesAbsen ab sofort an. (Beifall AfD – Zuruf AfD: Immerhin!) Sie Fast 10.000 fehlende Lehrer, wie uns die GEW mitteilte, lassen sich nicht mehr so einfach verleugnen. Die CDU mit rühmt sich aber nach wie vor – so Herr Göttlicher – mit ohne 1.000. Wenn bereits an unseren Gymnasien fachfremder den Unterricht vor allem in den musischen und auch in den ein vorhin benannten MINT-Fächern zur Regel geworden ist, die dann brennt es wirklich an unserer Bildungsfront. deutlich. Dieser völlig neuen Situation an unseren Schulen begegnen Sie nun, indem Quereinsteiger wieder einmal ohne pädagogische Vorkenntnisse und – das ist wirklich neu – mit nur einem Unterrichtsfach die heißen Kohlen aufgrund Ihres und Versagens aus dem Feuer holen. (Beifall AfD) gefunDas vor dem Hintergrund, dass alle bisherigen Quereinsteigerprogramme krachend gescheitert sind. Immerhin verden stu- langen Sie noch einen Masterabschluss. Anders Ihre SPDGenossen in Brandenburg, für die sogar ein BachelorabBerufsschluss ausreicht, um eine gleichwertige Verbeamtung und beim Besoldung zu erreichen. be- (Zuruf Stephan Grüger (SPD)) den Es geht voran in Richtung Abgrund: Deindustrialisierung der Wirtschaft, eine schleichende Entdemokratisierung unseres Gemeinwesens und passend dazu eine programmierte Vernichtung von Professionalität in Lehre, in Wissenschaft und somit auch in unseren Bildungseinrichtungen. Wir sagen: danke, CDU. (Beifall AfD) Herr Staatsminister Schwarz, wie vermitteln Sie als erfahrener Pädagoge denjenigen jungen Menschen, die zwei oder sogar drei Lehrfächer studieren, die Tatsache, dass sie sich weiter mühen sollen, obwohl auch ein Fach genügen würde, um eine gleichwertige Verbeamtung zu erhalten? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir von Pädagoge zu Pädagoge eine Antwort darauf geben würden. Meine Damen und Herren, der vorliegende Entwurf ist eine in Gesetzesform gegossene weitere Entprofessionalisierung des Lehrerberufs und somit unseres Schulsystems, (Beifall AfD) um damit lediglich Ihre Statistiken zu schönen, um daraus auf Kosten unserer Kinder bildungspolitischen Profit zu schlagen. Das werden wir so nicht mittragen. Dementsprechend verhalten reagieren die hessischen Lehrerverbände auf Ihr Vorhaben. (Robert Lambrou (AfD): So ist es!) Ich bleibe dabei: Die Unterrichtsqualität wird durch den Einsatz von Ein-Fach-Lehrern zwangsläufig weiter sinken. Unsere Schulen benötigen in der jetzigen Mangelsituation jeden einzelnen Lehrer, um ihrer Unterrichtsverpflichtung zumindest halbwegs nachkommen zu können. Eine fachfremde Unterrichtserteilung wird durch den Einsatz von fachlich minderqualifizierten Ein-Fach-Lehrern mehr und mehr zur Normalität werden. Die fachliche Qualität des Unterrichts bliebe zwangsläufig auf der Strecke mit verheerenden Folgen für die Bildungsbiografien unserer Kinder. (Beifall AfD) Dass Sie mit Ihrer Presseerklärung zum Angebot eines Ein-Fach-Lehrers speziell die geflohenen Lehrkräfte aus der Ukraine adressieren, ist besonders irritierend; denn diese Lehrer werden nach dem Krieg wieder in ihrer Heimat benötigt, und zwar mehr als je zuvor. Meine Damen und Herren der Landesregierung, Sie haben es bis heute nicht vermocht, durch entsprechende Weichenstellungen mehr junge Menschen zu motivieren, ein Lehramtsstudium zu ergreifen – ganz im Gegenteil. Was aus unserer Sicht zu tun wäre, um das Lehramtsstudium und den Lehrerberuf interessanter zu machen, habe ich bereits gestern in der Antwort auf Ihre Regierungserklärung berichtet. Das Wichtigste noch einmal in Kürze: Wir brauchen finanziell gut ausgestattete Stipendienprogramme, um für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums in den Mängelfächern zu motivieren. Werden Sie hier endlich tätig. Andere europäische Länder machen es Ihnen vor. (Beifall AfD) Wir brauchen endlich eine Regelstudienzeit von zehn Semestern für alle Lehrämter mit Schulpraxisanteilen über die gesamte Studienzeit hinweg, damit sich unsere Studenten bestmöglich auf die realen Lehrbedingungen an unseren Schulen einstellen und darauf vorbereiten können. Zu viele Referendare – da spreche ich auch aus eigener Erfahrung – brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab, weil ihnen das pädagogische Rüstzeug zur Bewältigung der realen Herausforderungen an unseren Schulen fehlt. Die Bewerbungs- und Einstellungsverfahren nach einem bestandenen Referendariat müssen einfacher und unbürokratischer gestaltet werden, um qualifizierte Kandidaten nicht aufgrund langer Wartezeiten von ihrem Berufswunsch abzuhalten. (Beifall AfD) Wir benötigen – das betone ich – hochwertig konzipierte Quereinstiegsmodelle mit enger pädagogischer Weiterbildung und Betreuung. Mit einer der häufigsten Gründe, warum Quereinsteiger aus dem Schuldienst ausscheiden, ist laut Studien das ebenfalls fehlende pädagogisch-didaktische Rüstzeug. Daran sind bisher alle Quereinstiegsmodelle gescheitert. Ein großes Problem stellen auch die ausufernden Teilzeitregelungen dar. Mit einer Teilzeitquote von 43,3 % lag Hessen laut aktueller Statistik über dem Bundesdurchschnitt von 42,3 %. In dieser Größenordnung sprengt sie das Bildungssystem und trägt massiv zum Lehrermangel bei. (Beifall AfD) Meine Damen und Herren der Landesregierung, bevor Sie über unreife Maßnahmen zur Lehrergewinnung nachdenken, suchen Sie bitte nach Wegen, wie wir diejenigen gut ausgebildeten und erfahrenen Lehrer behalten und in Vollzeitbeschäftigung bringen, die wir bereits haben. Diese sind ein großer Schatz, den es zu bewahren gilt. Die konsequente Ansprache von Lehrern, die kurz vor oder nach der Pensionierung stehen, kann eine Linderung unseres Personalproblems schaffen. In diesem Zuge wäre es allerdings notwendig, die entsprechenden Hinzuverdienstgrenzen zu erhöhen, um eine Rückkehr ins Schulwesen attraktiver zu gestalten. (Beifall AfD) Herr Staatsminister Schwarz, es gibt viele Möglichkeiten, dem nicht mehr hinnehmbaren Mangel an qualifizierten Fachlehrern ein Ende zu setzen. Allein, es fehlt Ihr politischer Wille. Absolventen von beliebigen Masterstudiengängen ins Referendariat und in die hessischen Klassenräume zu locken, um kurzfristig die Statistik aufzuhübschen, kann nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen sein. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns schon auf die gewiss stattfindenden Expertenanhörungen zu Ihrem Gesetzentwurf, den wir in der vorliegenden Form jedoch ablehnen müssen. – Ich bedanke mich für die geschätzte Aufmerksamkeit. (Beifall AfD)
