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Angela Dorn

10.09.2024 Sitzungen 21/18

Als nächste Rednerin hat sich die Fraktionsvorsitzende der Freien Demokraten zu Wort gemeldet. Frau Abgeordnete Knell, bitte. Sie haben noch sechseinhalb Minuten. Wiebke Knell (Freie Demokraten): Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Die sechseinhalb Minuten brauche ich nicht, aber ich will kurz Stellung beziehen. Vorneweg: Ich bin keine Lehrerin, aber meine Eltern sind Lehrer. Meine Schwiegereltern sind Lehrer ebenso wie meine Schwester, mein Schwager und viele meiner Freunde. (Zurufe) Sie merken: Es ist ein kleines Trauma. – Ich habe auch nicht auf meine Eltern gehört und bin auch nicht Lehrerin geworden. Das ist vielleicht auch besser so. Ich glaube, mir würde dafür die Geduld fehlen. Vielleicht hat mich der eine oder andere beim parlamentarischen Abend vermisst. Ich konnte nicht da sein, weil Elternabend anstand, und zwar der erste Elternabend der 2. Klasse meiner Tochter, die jetzt den dritten Klassenlehrer innerhalb von einem Jahr hat, die wie viele andere in einem Container sitzt – und das schon seit vielen Jahren, weil die Schule dort fast eingestürzt ist. (Zuruf CDU: Wer ist dann dafür zuständig? – Weitere Zurufe CDU) – Lassen Sie mich doch ausreden. Ich habe nicht gesagt, dass die Landesregierung daran schuld ist. (Claudia Ravensburg (CDU): Gut!) Ich möchte Ihnen erzählen, wie das wahre Leben an einer hessischen Schule aussieht; also hören Sie doch vielleicht mal zu. (Beifall Freie Demokraten, AfD und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da hilft es auch nicht, dass man 1984 Lehramt studiert hat, sondern vielleicht hilft es, sich einmal in einen Klassenraum zu setzen. (Beifall Freie Demokraten – Zuruf Turgut Yüksel (SPD)) Ich war gestern Abend jedenfalls in diesem Klassenraum in einem Container; das ist nicht sonderlich angenehm – und das mit weniger Eltern, die sich vielleicht besser benehmen können als 20 Schüler; man weiß es nicht. Welche Punkte wurden da diskutiert? Die Schüler kommen teilweise ohne Frühstück. Sie können sich nicht konzentrieren. Das kann die Schule nicht ändern, aber das ist auch ein tatsächliches Problem. Uns Eltern wird geraten, dass wir Gehörschutz für die Kinder besorgen – gerade für die, die sich konzentrieren wollen und leise arbeiten möchten. Ich finde, es geht völlig am Kern der Probleme vorbei; aber die Realität ist, dass Kindern in Hessen empfohlen wird, einen Gehörschutz zu tragen, damit sie sich konzentrieren können. Wir haben ihn zu Hause, weil wir auch mit den Kindern zur Jagd gehen – alles gut; ich musste ihn nicht extra kaufen. Dazu kommt noch, dass der Lehrer nach einem Jahr Schule sagt: Nicht alle Kinder beherrschen den Zahlenraum bis 20 – in einem Jahr. Ich finde, das ist ein Desaster in diesem Bildungssystem. Und das sind die Probleme – abgesehen davon, dass sich die Kinder im Schulbus und an den Bushaltestellen prügeln und dass meine Kinder Wörter lernen, die wir zu Hause nicht gebrauchen und die ich hier auch nicht wiederholen möchte. Aber das sind die Herausforderungen, mit denen wir kämpfen. Meine Damen und Herren, das ist keine Brennpunktschule; das sind 20 Schüler. Nicht alles ist schlecht. Und die Lehrer sind wirklich sehr engagiert. Aber ich kann es nicht ertragen, dass Sie hier immer noch nur von Gendern, von Blockflöten und von Cannabis sprechen – nicht jedoch über die wirklichen Probleme, die an hessischen Schulen herrschen. (Beifall Freie Demokraten, AfD und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Deswegen bleibt mir nur – Kollege Promny hat eben ausgeführt, was unsere Ideen dazu sind; das brauche ich nicht zu wiederholen –, zu sagen: Das war eine ganz schwache Regierungserklärung. Ich weiß nicht, ob das Leistungsverweigerung oder am Thema vorbei war. Aber es war auf jeden Fall mangelhaft. (Beifall Freie Demokraten, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt AfD)

Protokoll ↗