Nina Heidt-Sommer
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Gleiche Bildungschancen und sehr gute Bildungsqualität, das sind die Ziele sozialdemokratischer Bildungspolitik. (Beifall SPD) Wir haben als Koalition für alle ganz bewusst Bildung an den Anfang unseres Koalitionsvertrages gesetzt, weil die hessischen Schülerinnen und Schüler, unsere Kinder, unsere Jugendlichen, unabhängig von Geschlecht und Herkunft unsere Zukunft sind, und wir werden diesem Bereich die größtmögliche Aufmerksamkeit widmen. (Beifall SPD und CDU) Für die SPD ist das Wohl unserer Schülerinnen und Schüler dabei der Dreh- und Angelpunkt. Vor diesem Hintergrund ringen wir in intensiven Diskussionen um die besten Lösungen. Uns sind dabei alle Schülerinnen und Schüler wichtig; wir denken vom Kind, wir denken von den Jugendlichen aus. Wir wollen nicht, dass jedes Kind gleich, sondern, dass es individuell angemessen und bestmöglich gefördert wird. Alle Kinder haben das Recht auf Chancengleichheit, und dafür steht in dieser Koalition die SPD. (Beifall SPD) Meine Damen und Herren, die entscheidende Grundlage für gute Bildung ist ausreichend gut ausgebildetes Personal. Hessen geht jetzt als eines der ersten Bundesländer mit zielgerichteten Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung voran. Als SPD fordern wir schon lange, auch Menschen mit nur einem akademisch studierten Fach auf Master-, Magister- oder Diplomniveau den Zugang zum Referendariat bzw. den Quereinstieg zu ermöglichen und sie dann folgerichtig auch zu verbeamten. Somit wird auch die Anerkennung von Lehrkräften aus dem Ausland mit nur einem studierten Fach vereinfacht. Ich bin sehr froh, dass wir in der Koalition diese Chance extrem schnell entwickelt haben und dem Lehrermangel damit endlich ernsthaft, ehrlich und konsequent begegnen. (Beifall SPD und CDU) Meine Damen und Herren, Quereinstiege zu vereinfachen, ohne die Qualität zu senken, ist ein wichtiger und entscheidender Punkt. Gleichzeitig muss klar sein, dass Studium und Vorbereitungsdienst oder eine vergleichbare berufsbegleitende Qualifikation Voraussetzungen bleiben, um verbeamtete Lehrerin oder Lehrer in Hessen zu werden. Der in dieser Plenarwoche vorliegende Gesetzentwurf hier dringend benötigte neue Wege. Meine Damen und Herren, es ist unsere Pflicht, mit ren Lehrkräften fürsorglich umzugehen. Wir sehen, die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern anders geworden ist. Sie hat sich verdichtet. Neue Aufgaben sind kommen. In unserem Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass wir die tatsächlich geleistete Arbeit Lehrkräfte, insbesondere im außerunterrichtlichen stärker berücksichtigen wollen. Wir werden reale tungen schaffen. (Beifall SPD und vereinzelt CDU – Daniel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das müsste Kultusminister wissen!) Der Zugang zu guter Bildung und gleiche Chancen auf te Bildung sind aus zwei Gründen von besonderer keit. Durch gute Bildung gibt es für jede und für jeden zelnen die Möglichkeit des individuellen Aufstiegs. Damen und Herren, dieses Versprechen, dass Menschen übrigens: ein Leben lang – durch Bildung sich qualifizieren und sozial aufsteigen können, bedarf einer Erneuerung. (Beifall SPD) Gute Bildung ist aber auch die Voraussetzung dafür, sich Menschen an unserer Gesellschaft beteiligen Unsere Demokratie steht unter Druck. Das haben wir eben noch einmal eindrücklich erlebt. Wir alle sind die Beteiligung aller Menschen angewiesen. Menschen, sich einbringen und unser Land gestalten, sind das grat unserer Demokratie. Theodor W. Adorno sagte: Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist allererste an Erziehung.“ Für uns bedeutet das, dass kratielernen und ein positiver Blick auf unsere Zukunft der demokratischen Gesellschaft die zentralen Aufgaben der Schule sind und bleiben. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Lehrkräfte, ob verbeamtet oder mit einem Vertrag stellt, stehen in einem ganz bestimmten Treueverhältnis unserer Verfassung. Das bedeutet eben auch, dass einer ganz besonderen Weise für die Werte unserer sung einstehen. Junge Menschen wachsen in unseren Schulen zu Demokratinnen und Demokraten heran. Neben politischer als Unterrichtsinhalt erleben Schülerinnen und Schüler mokratie aber auch ganz konkret in der Schule. Sie nen in demokratischen Verfahren, Konflikte und Probleme selbst zu lösen. Hier spielen Klassenrat und vergleichbare Instrumente eine wichtige Rolle. In den Schülerinnenund Schülervertretungen nehmen Schülerinnen und ler ihre Rechte wahr und agieren politisch-demokratisch. Gelingende politische Bildung ist die Lebensversicherung unserer Demokratie. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Die Prinzipien der Toleranz und des Respekts werden unseren Schulen gelebt. Vielfalt ist Realität an Schulen. Wir begreifen Vielfalt auch weiterhin als ce, gemeinsam zu wachsen. Vielfalt als Gewinn gilt uns auch im Hinblick auf die angebotenen Fremdsprachen an unseren Schulen. Wir schaffen den Paradigmenwechsel. Einwanderungssprachen werden zu zweiten sprachen; denn jede weitere Fremdsprache bietet Bildungs- und Berufsperspektiven. ebnet (Mathias Wagner (Taunus) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wie war das mit Türkisch?) unse- Dies gilt nicht nur für Schülerinnen und Schüler, deren dass Herkunfts- und Muttersprache unterrichtet wird. Wir bauen daher den Schulversuch Türkisch weiter aus hinzuge- (Stephan Grüger (SPD): Hört, hört!) deshalb der und erproben den Ukrainischunterricht. Bereich, (Beifall SPD) EntlasWir versetzen unser Bildungssystem so in die Lage, auf Veränderungen in der Schülerinnen- und Schülerschaft zu May der reagieren. So verwandeln wir Herausforderungen in Chancen. Frau Präsidentin – – Herr Präsident, meine Damen und guHerren WichtigEin- (Marius Weiß (SPD): Die sind mit gemeint!) Meine – – ja, genau –, wir sehen, dass es Schulen gibt, die besondere Herausforderungen haben. Je nach Umfeld der Schule und Zusammensetzung der Schülerschaft können die Bedingungen schwierig sein. Unser politisches Ziel ist, dass die an diesen Schulen unterrichteten Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben wie Schülerinnen und dass können. Schüler an Schulen mit günstigeren Rahmenbedingungen. Deshalb wollen wir zukünftig den schulscharfen Sozialinhier dex schaffen. Dafür nehmen wir die Schulen in den Fokus auf die und wollen diese Schulen zukünftig noch besser unterstützen. Rück„Die (Daniel May (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ich die habe davon nichts in der Regierungserklärung geDemohört!) in Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das Startchancen-Programm, das in diesem Frühjahr beginnt. Für das Startchancen-Programm wurden schon Schulen aus allen Teilen unseres Landes ausgewählt. In den nächsten Runden kommen weitere unter Beteiligung der Schulträger hinzu. angezu Der Bund übernimmt mit dem Startchancen-Programm in hohem Maße finanzielle Verantwortung. Diese Unterstütsie in zung ist konkret und landet dort, wo sie am nötigsten geVerfasbraucht wird. (Beifall SPD, vereinzelt CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Bildung DeSie ist über einen längeren Zeitraum gegeben und leistet lerhier einen zentralen Beitrag zur Chancengleichheit. Unser Ziel ist, schlechtere Voraussetzungen von Schülerinnen und Schülern aufzufangen und so Chancen auf einen Schü- bestmöglichen Bildungsabschluss zu erhöhen. Damit fangen wir nicht erst bei Schuleintritt an. Bereits in den Kindertagesstätten findet Förderung statt. Wichtig ist, dass wir uns noch stärker auf das Übergangsmanagement fokussieren, damit die bereit erhaltene Förderung nahtlos weitergeführt werden kann. in Wir wissen: Auf den Anfang kommt es an. In den Grundunseren schulen geht es darum, die Basics zu vermitteln. Nur, wenn ChanKinder in Deutsch, in Lesen und Schreiben und in Mathefür matik erfolgreich sind, können sie den nächsten Schritt in Richtung Sekundarstufe und später in Richtung Beteiligung an unserer Gesellschaft gehen. Fremdbessere Gerade die Aufgabe der Grundschullehrkräfte ist in den letzten Jahren immer herausfordernder geworden. Die Breite an individuellen Fähigkeiten, die Schülerinnen und Schüler in den ersten Klassen mitbringen, ist in den letzten Jahren größer geworden. Das erspare ich Ihnen jetzt nicht: Als ich als Grundschullehrerin vor 20 Jahren angefangen habe, konnte ich viele Fähigkeiten bei meinen Schülerinnen und Schülern als gesetzt voraussetzen, die die Lehrkräfte heute eben nicht voraussetzen können. Aus diesem Grund nehmen wir Lesen, Schreiben und Mathematik noch mehr in den Fokus der Bildungsinhalte der Grundschule. Mit der Schaffung der weiteren Deutschstunde in der 2. Klasse zeigen wir, dass wir das Bekenntnis zu den Basics mit konkreten Maßnahmen verbinden. (Beifall SPD und CDU) Weitere Maßnahmen wie breitere Unterstützung durch die digitale Diagnostik werden folgen. Grundschulen haben in unserem Land eine ganz zentrale Funktion, weil sie nämlich die einzigen Schulen sind, die von allen Kindern gemeinsam besucht werden. Ich habe durch meine Arbeit als Lehrerin die Erfahrung gemacht, dass Grundschulen – dass gemeinsames Lernen – dann erfolgreich sind, wenn sie über ausreichend Ressourcen verfügen und wenn Heterogenität nicht als Hemmnis, sondern als Chance und Bereicherung begriffen wird. (Beifall SPD und vereinzelt CDU) Meine Damen und Herren, für uns ist klar, dass kulturelle Bildung eben nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen darf. (Vereinzelter Beifall SPD und CDU) Der Zugang zur kulturellen Bildung muss allen Kindern ermöglicht werden. Und ja, meine Damen und Herren, dazu gehört auch der oft ins Lächerliche gezogene Schulversuch des Blockflötenunterrichts, der jetzt an 20 hessischen Schulen startet. (Beifall SPD und CDU – Daniel May (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Aber leider ohne Blockflöten! – Zuruf Wiebke Knell (Freie Demokraten)) Das Erlernen eines Instruments ist eine elementare Kulturtechnik. Wir alle hier wissen aber auch, dass im Moment nur eine Minderheit der Kinder in unserem Bundesland dazu Zugang hat. Denn es ist von den Ressourcen der Eltern abhängig, ob das Erlernen eines Instruments privat organisiert wird. Und ja, die Blockflöte ist ein Instrument, das häufig verlacht wird. Man kann bestimmt auch über mögliche Alternativen diskutieren. Meine Damen und Herren, sie ist aber auch ein Instrument, das zu den klassischen Einstiegsinstrumenten gehört und in der Schulentwicklung praxisnah integrierbar ist. (Beifall SPD und CDU) Schulentwicklung funktioniert doch genau so. Es werden Projekte initiiert, sie werden ausprobiert, evaluiert und dann angepasst. Wir haben als Koalition das Ziel, das Erlernen eines Instruments im Sinne der Chancengleichheit für alle zu ermöglichen, und damit fangen wir jetzt auch an. (Beifall SPD und CDU) Im Sinne der Schulentwicklung weiten wir derzeit auch noch ein weiteres erfolgreiches Projekt aus, den Unterricht in Wiederbelebung. Länder wie Norwegen und die Niederlande haben dies längst etabliert. Die frühe Heranführung an einfache Maßnahmen wie Herzdruckmassage oder auch die Beatmung stellt dort ein bereits erprobtes Erfolgsrezept dar. Wir knüpfen daran an, in Kooperation mit der Deutschen Herzstiftung und der Björn-Steiger-Stiftung. 180 zusätzliche Schulen nehmen nun an diesem Modellprojekt im Rahmen von Projekttagen teil. Schülerinnen und Schüler lernen so früh, auch in Notfällen Verantwortung zu übernehmen. Schnelle und handlungsfähige Ersthilfe trägt erwiesenermaßen dazu bei, Leben zu retten. (Beifall SPD und CDU) Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir bringen den Ganztag voran – und wir machen das nicht nur, weil wir gesetzlich zu ganztägigen Angeboten verpflichtet sind. Wir sind der Überzeugung, dass echte Chancengleichheit mehr Zeit braucht. In meiner Arbeit an einer gebundenen Ganztagsschule habe ich als Klassenlehrerin über viele Jahre gesehen und an den konkreten Biografien der Schülerinnen und Schüler erlebt, welchen Wert das ganztägige gemeinsame Lernen, Arbeiten und Leben für alle Schülerinnen und Schüler hat. Ganztag kann ganz unterschiedlich organisiert sein. Aber Ganztag bedeutet, dass in der Grundschule Kinder mit professionell arbeitenden Erwachsenen einen Großteil ihrer Zeit sinnvoll verbringen. Ganztag ist eine Alternative zu einsamer Zeit, und einsame Zeit ist für viele unserer Kinder mittlerweile Realität. Meine Damen und Herren, Ganztag macht beides. Ganztag ist innovative Schulentwicklung und bietet Eltern die dringend nötige Betreuungssicherheit. (Beifall SPD und CDU) Unsere Schülerinnen und Schüler sind die Fachkräfte von morgen. Hessen kann es sich nicht leisten, die Begabungen und Talente junger Menschen brachliegen zu lassen. Wir setzen dem Fachkräftemangel, der schon heute deutlich spürbar ist, etwas entgegen. Wir bauen die Berufsorientierung aus. Wir sorgen dafür, dass jede Schülerin, jeder Schüler den Berufsausbildungsweg findet, der ihren oder seinen Fähigkeiten, Begabungen und Interessen gerecht wird. Für uns ist klar: Ein erfolgreiches und erfüllendes Arbeitsleben setzt nicht zwingend das Abitur oder einen Hochschulabschluss voraus, (Beifall SPD und CDU) sondern eine solide und breit aufgestellte Berufsausbildung kann zu demselben Ziel führen. Deshalb ist es wichtig, das alle Schülerinnen und Schüler ihre Talente zum Beispiel im gewerblichen, im pädagogischen, im sozialen, im kaufmännischen oder auch im medizinischen Ausbildungsbereich erkennen können. Wir wollen mehr Praktika und freiwillige Praktika ermöglichen. Wir meinen es ernst, berufliche und akademische Bildung sind für uns gleichwertig. Deshalb muss es auch in allen Schulformen Angebote zur Berufs- und Studienorientierung geben. (Beifall SPD und CDU) Auch ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz ausdrücklich bei allen Lehrkräften und allen an Schule Beschäftigten bedanken. Es ist ihre Arbeit, die den Unterschied macht. Das verdient Anerkennung. Ich bin immer noch sehr froh über die längst fällige Anerkennung, dass Grundschullehrkräfte nach und nach auf A 13 aufrücken. Aber dies allein genügt nicht. Wir müssen an diesen anknüpfen. Wir brauchen Entlastungen für alle Lehrkräfte an allen Schulformen. Wir arbeiten daran, dass dieser derbare Beruf auch attraktiv bleibt; denn das ist noch die beste Maßnahme zur Lehrkräftegewinnung. (Beifall SPD und CDU) Wir haben an unseren hessischen Schulen und in der sischen Bildungslandschaft viele Baustellen; das ist neu. Aber wir stellen uns der Verantwortung und ckeln die Schulen nach und nach weiter. Wir arbeiten schlossen für eine gute Bildungsqualität und für Bildungschancen für all unsere hessischen Schülerinnen und Schüler. – Vielen Dank. (Anhaltender Beifall SPD und CDU)
