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Nadine Gersberg

SPD 10.07.2024 Sitzungen 21/16

die Sehr verehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Vor einigen Wochen war ich mit Minisden fun- terin Hofmann und einigen meiner Abgeordnetenkolleginnen und -kollegen beim Verein für Kinderhauserziehung in Ergebnis Bensheim zu Besuch. Der Verein ist Träger stationärer und teilstationärer Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. dass Es handelt sich also um ein Kinderheim. Dort schilderte wir mir ein Mädchen ihre Geschichte. Sie wurde vom JugendAusbau amt in Obhut genommen. Man fand keinen Heimplatz an ihrem bisherigen Wohnort. Sie musste deshalb die Schule wechseln. An ihrer neuen Schule findet sie keine FreundinIhre nen. Sie ist sicher, die anderen Kinder mögen sie nicht. Wer fängt dieses Mädchen in dieser sehr schwierigen Situation auf, in der ganz plötzlich alles neu ist? Wer ist da an ihrer Seite? – Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heims, das nun ihr Zuhause ist. Die Erzieherinnen und Erzieher sind nun ihre stärksten Bezugspersonen. Frau Warum konnte das Mädchen nicht in der Nähe ihres bisherigen Wohnorts bleiben? – Weil wir auch in der teilund vollstationären Kinderpflege ein massives Fachkräfteproblem haben. Wir sehen diese Kinder, und wir sehen die Erzieherinnen und Erzieher, die dringend mehr Kolleginnen und Kollegen brauchen. Sie Heute gehen wir mit der Ausweitung der Förderung von praxisintegrierter Ausbildung auch in der Kinder- und Jugendhilfe das Problem endlich an. nichts das (Beifall SPD und CDU) Jeder junge Mensch in Deutschland hat einen Anspruch auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung hat zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und geDas meinschaftsfähigen Persönlichkeit. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz vor Gefahren oder vor schädigendem Verhalten. Treten Probleme in einer Familie auf, stehen zunächst Hilfs- und Unterstützungsangebote der KinderWärme- und Jugendhilfe im Vordergrund. Wenn die Eltern aber nicht bereit oder nicht in der Lage sind, die Problemsituation abzustellen, muss der Schutz des Kindeswohls, unter Umständen auch gegen den Willen der Sorgeberechtigten und in manchen Fällen unter Beteiligung eines Familiengerichts, durchgesetzt werden. Gefährdungen des Kindeswohls äußern sich in Vernachlässigungen, in sexualisierter Gewalt oder in körperlichen oder psychischen Misshandlungen. In etwa jedem fünften Fall von Kindeswohlgefährdung erleben die betroffenen Minderjährigen gleichzeitig mehrere Formen von Vernachlässigung, Gewalt oder Misshandlung. In diesen akuten Krisen- und Gefahrensituationen können Kinder und Jugendliche zu ihrem Schutz vom Jugendamt in Obhut genommen werden. Manchmal werden die Gefährdungen von aufmerksamen Menschen gemeldet, nicht selten bitten aber die Jugendlichen selbst darum, nicht mehr bei ihren Eltern wohnen zu müssen. In den letzten Jahren ist die Zahl solcher Inobhutnahmen durch die Jugendämter sehr stark gestiegen, auch in Hessen. Im letzten Berichtszeitraum erhöhte sich die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung um 4 % gegenüber dem Vorjahr. In Kassel stieg sie noch viel stärker: von 194 Fällen im Jahr 2021 auf 341 Fälle im Jahr 2022. Auch aus Wiesbaden, Offenbach, Fulda und Marburg kennen wir solche Zahlen. Die Lage ist angespannt, und in immer mehr Fällen liegt eine Kindeswohlgefährdung mit sofortigem Handlungsbedarf vor. Liebe Kolleginnen und Kollegen, selbstverständlich müssen wir uns fragen: Warum steigt die Zahl der Inobhutnahmen? Was ist los in den Familien? Wie können wir sie möglichst früh unterstützen, damit keine Gewalt, keine Verwahrlosung stattfindet? Wie können wir die Hilfsstrukturen verbessern? – Damit Präventionsmaßnahmen greifen können, braucht es mehr Fachpersonal in der Kinder- und Jugendhilfe. Auch wenn wir mehr Prävention anstreben: Es gibt schon jetzt sehr viel mehr Kinder und Jugendliche, die einen Platz in teilstationären oder stationären Einrichtungen benötigen. Oftmals müssen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter mehrere Hundert Einrichtungen kontaktieren, um einen Platz zu finden, berichtete eine Mitarbeiterin aus Fulda. Vor ein paar Jahren habe man sich noch passgenaue Jugendhilfeeinrichtungen aussuchen können, aber inzwischen sei man froh, wenn eine Einrichtung überhaupt noch ein Kind aufnehmen könne, sagte sie. Zu oft kommt es daher vor, dass die Kinder weiter weg von ihrem Wohnort untergebracht werden. Dies macht ihre Situation noch viel schwerer. Sie müssen ihre Kita wechseln, ihre Schule, sie können ihre Freunde nicht mehr sehen, und auch der Umgang mit den leiblichen Eltern wird erschwert, falls dieser weiter vorgesehen und wichtig für das Kind ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, als wir in dem Kinderheim waren, haben wir auch mit Auszubildenden gesprochen, die eine praxisintegrierte Ausbildung in diesem Bereich absolvieren. Dort schilderte uns ein junger Mitarbeiter, wie sehr ihm die praxisintegrierte Ausbildung geholfen habe, denn er habe vorher eine Ausbildung gemacht, die nicht so recht zu ihm gepasst habe; er bewältige seinen Lebensunterhalt eigentlich schon selbst und könne daher nicht noch einmal eine rein schulische Ausbildung machen. Die praxisintegrierte Ausbildung, die vergütet wird, hilft ihm, nun dem eigentlichen Traumjob nachzugehen, und er ist in seiner jetzigen Situation sehr glücklich. Es gab eine weitere Auszubildende, die uns berichtet hat, warum die praxisintegrierte vergütete Ausbildung auch in der Praxis viel Sinn macht. Sie kann nämlich das, was sie in der Schule gelernt hat, direkt in der Praxis umsetzen, und wenn sie merkt, dass sich das, was sie in der Theorie gelernt hat, in der Praxis gar nicht so umsetzen lässt, kann sie das direkt an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, aber auch an die Lehrkräfte in der Schule rückkoppeln. Durch die Abwechslung von praktischer Arbeit und Schulbetrieb entsteht ein enormer Lerneffekt. (Beifall SPD und CDU) Ein weiterer Vorteil ist, dass die Auszubildenden ein Teil des Teams sind und den Betriebsablauf schon kennen. Sie nehmen an den Lebenswirklichkeiten der Kinder und Jugendlichen direkt teil. Sie brauchen dann, wenn sie mit der Ausbildung fertig sind, nicht noch eine längere Einarbeitungszeit, sondern können sofort loslegen. Das ist ein sehr großer Gewinn für die Einrichtungen, wie uns alle bestätigen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit viele Menschen schnell in diese Ausbildung starten können, werden wir die Förderung noch vor den Sommerferien ausschreiben, sodass die Auszubildenden bereits mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres eine Vergütung bekommen, die vom Land gezahlt wird. (Beifall SPD und CDU) Mir ist wichtig, jetzt noch einmal die Kommunen zu erwähnen, weil wir auch den Kommunen sehr helfen. Die Heimerziehungskosten steigen nämlich stetig und gehören zu den höchsten Kostenpositionen in ihren Sozialbudgets. Mit unserer Förderung entlasten wir auch die Kommunen. Die Koalition ist für die Kommunen da. Das zeigen wir auch an dieser Stelle. (Beifall SPD und CDU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben im letzten Punkt unseres Antrags bereits angekündigt, dass wir diese Ausbildungsform auch im Bereich der Heilerziehungspflege fördern wollen. Jetzt werden wir von einigen gefragt, warum wir das nicht einfach schon mitfördern. Die Begründung ist ganz einfach: Die praxisintegrierte vergütete Ausbildung an Kitas und jetzt auch in der Kinder- und Jugendhilfe gibt es schon. Neu ist nur, dass das Land jetzt zusätzlich fördert und die Ausbildung damit weiter voranbringt. In der Heilerziehungspflege ist es aber so, dass wir einen ganzen Ausbildungsgang neu gestalten müssen. Wir wollen da noch mehr machen, als die Zahl der PivA-Stellen nur auszuweiten. Wir wollen auch die Zugänge erleichtern, die Ausbildungszeiten verkürzen usw. Dazu bedarf es eines etwas ausgefeilteren Konzepts, das noch erarbeitet werden muss. Ich kann Ihnen aber versichern, das Sozialministerium ist schon mit Hochdruck dran, und es dauert auch nicht mehr ewig. Diese Veränderung ist bereits in Sichtweite, und Sie können in Kürze damit rechnen. (Beifall SPD und CDU) Sie sehen, es ist eine deutliche Prioritätensetzung dieser Koalition, den Anspruch auf Förderung der Entwicklung und auf Erziehung tatsächlich zu gewährleisten. An einigen Stellen höre ich auch: Förden Sie auch die PivA-Stellen in der Kinder- und Jugendhilfe; denn es stehen zu wenige davon für die Kitas zur Verfügung. – Dazu muss ich Ihnen sagen: Erstens habe ich Ihnen bereits erklärt, warum es wichtig ist, auch die Kinderheime zu unterstützen, zweitens es ist aber auch so: Wir fangen gerade erst an. Wir setzen als Koalition eine sehr hohe in der ganztägigen frühkindlichen Bildung und auf was es an Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt. Wir len, dass dieser Bereich noch verlässlicher wird, weil glauben, dass das ein Schlüssel für die Lösung ganz Probleme ist, die wir in Hessen haben. Da geht es Bildung, da geht es um Integration, da geht es darum, beide Elternteile arbeiten können, dass keine Altersarmut entsteht – und vieles mehr. Deshalb steht das für uns oben auf der Liste. Die Förderung, die wir jetzt einführen und auch im Nachtragshaushalt finanziell unterlegen, ein Anfang, nicht das Ende. Von daher gesehen, müssen keine großen Sorgen bestehen. (Beifall SPD und CDU) Die Bekämpfung des Fachkräftemangels in sozialen fen gehört zu den wichtigsten Prioritätensetzungen Koalition – für die Kinder und Jugendlichen, für Inklusion und für alle Menschen in Hessen. (Beifall SPD und CDU)

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