Frank Lortz
Vielen Dank. – Das Wort hat der Abgeordnete Oliver loth, SPD-Fraktion. die Oliver Ulloth (SPD): Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der DFB-Kapitän İlkay Gündoğan appellierte zum Start dieses Turniers: ermache „Wir können bei dieser Heim-Europameisterschaft auf so vielen Ebenen gewinnen. Als gute Gastgeber, als weltoffene Gesellschaft. Und hoffentlich am Ende auf dem Platz. Helft uns bitte, damit unser Traum gemeinsam wahr wird!“ Ministeich Ich habe das Gefühl, dass zumindest in den ersten Tagen am diese Worte gehört wurden – nicht nur wegen des Erfolgs Allgeunserer Nationalmannschaft mit diesem bravourösen 5 : 1 gegen Schottland, sondern auch auf ganz anderen Ebenen, und das ist klasse. zu (Beifall SPD und CDU) WohlgeHaushalt Die sozialen Netzwerke sind plötzlich sympathisch. Wir Das sehen es an vielen Stellen, dass auf einmal Botschaften im Raum sind, über die man sich freut und die man mit einem Lächeln sieht. Gestern am Rande des Abends des Sports hatte mir ein junger Mann gesagt, nach Corona sei es plötzlich wie ausgewechselt. Es sind positive Nachrichten: Man sieht Bilder feiernder genieFans nach dem Spiel in Berlin, ein schottischer Dudelsack dass spielt plötzlich die deutsche Nationalhymne, und alle liewerden gen sich in den Armen und teilen Freude. In Hamburg tanzen Tausende Niederländer auf der Straße, von rechts nach links, die Hansestadt bebt. In einem Zug von irgendwo nach Frankfurt treffen sich plötzlich Menschen, die geist es dacht haben, nicht zu gemeinsamen Fanlagern zu gehören, und zwar waren das zahlreiche Fans der slowakischen und belgischen Nationalmannschaften – die saßen plötzlich im einen Zug zusammen, haben Fußballgeschichten ausgetauscht, Woche Fußballgesänge ausgetauscht, und auf einmal gehen die Hobby gemeinsam in ein Fußballstadion und schauen sich dort Ihr ein Fußballspiel an. Das sind Bilder, die wir im Moment Aner- haben. In den Stadien erleben wir Kinder, die zusammen mit Stars Menwie Cristiano Ronaldo, der dann abklatscht, ins Stadion und einlaufen und sich wie irre freuen: Das ist ein Erlebnis, die das werden die ihr Leben lang nicht vergessen. Was mich auspersönlich sehr gefreut hat, betrifft den dänischen Nationalspieler Christian Eriksen. Wir erinnern uns alle an die Bilder von 2021, als er auf dem Spielfeld zusammenbrach unund wir alle um sein Leben bangten. Er hat das erste Tor für seine Nationalmannschaft geschossen. Das sind kritische die Bilder, die wir sehen, das ist ein toller Start in diese Sport Europameisterschaft. (Beifall SPD, CDU und Dirk Gaw (fraktionslos)) Auch in den Stadien, den Fanzones und in den Städten Europaverläuft alles recht friedlich. Es gibt einige wenige AusFest nahmen; ich kann, ehrlich gesagt, nur zwei erkennen: Bei – dem zu Recht von der UEFA als Hochrisikospiel eingestuften Spiel Serbien gegen England gab es im Umfeld des Stadions eine Situation, in der es Ärger gegeben hat. Da wurde schnell und gut reagiert, die Sicherheitskräfte waren gut vorbereitet. Und ja, das Bier hatte einen reduzierten Alkoholgehalt, soll aber nicht schlecht gewesen sein. Das ist am Ende Geschmackssache. Das heißt, es wird auf Ul- bestimmte Situationen reagiert, also auch da funktioniert alles. Auch gestern gab es im Stadion von Dortmund im Spiel der Türkei gegen Georgien Einzelne, die sich nicht so ganz an das gehalten haben, was wir uns wünschen. Das sprechen wir hier auch klar an. Das sind eben diese Einzelnen, die wir auch aus der ersten, zweiten und dritten Liga kennen, die diesen Sport einfach kaputt machen wollen. Da müssen wir alle gemeinsam dagegenhalten und denen ganz klar sagen: Ihr seid nicht Teil dieses Sports und gehört in keine Stadien. (Beifall SPD, CDU und Dirk Gaw (fraktionslos)) Herr Schleicht von der AfD, jetzt muss ich doch noch einmal zu Ihnen kommen. (Pascal Schleich (AfD): Endlich!) Ehrlich gesagt, mache ich es ein paarmal; denn bei Ihrer Rede war so viel drin, worüber man einmal reden muss. Sport solle nicht zu politischen Botschaften missbraucht werden. – Was war denn das für eine Rede? Wissen Sie, ein Bumerang knallt einem, wenn man nicht aufpasst, selbst wieder vor den Kopf. Das muss ich Ihnen einmal ganz ehrlich sagen. (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Wissen Sie, wenn ein Herr Gauland sich hinstellt und über Herrn Boateng, einen Mann, der für dieses Land viel geleistet hat, irgendwas erzählt von „Will ich nicht in der Nachbarschaft haben“, dann erzählen Sie nichts davon, was Politik und Sport nicht miteinander zu tun hätten. (Zuruf AfD: Das hat sich doch als wahr herausgestellt!) Das ist genau das Bild, das Sie nämlich in Ihrer ganzen Rede tragen. Ich will Ihnen auch noch etwas anderes sagen: Die Spieler der Nationalmannschaft heißen Neuer, Müller, Kroos und Füllkrug. Sie heißen aber auch Gündoğan, Musiala, Sané und Tah – gewöhnen Sie sich daran; denn wir sind eine weltoffene, eine vielfältige Nation. (Zurufe AfD) Unsere Jungs werden in den nächsten Wochen mehr für dieses Land leisten als Sie alle gemeinsam in Ihrem ganzen Leben. (Beifall SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Wenn wir noch einmal drei Sätze zum Thema Sicherheit sagen wollen: Bundesinnenministerin Faeser hat angeordnet, dass strengere Grenzkontrollen durchgeführt werden. (Zuruf AfD: Dann geht es auf einmal!) Wir haben 22.000 Polizeikräfte, die Urlaubssperren akzeptiert haben und die sich dafür einsetzen, dass viel an den Grenzen passiert. Es wurden über 1.000 unerlaubte Einreisen verhindert. Unser Dank gilt daher allen Einsatzkräften, allen beteiligten Sicherheitsbehörden und allen, die dort eine hervorragende Arbeit dafür leisten, dass es eine sichere und friedliche EM wird. (Beifall SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Geschätzter Kollege Sippel, in der Rede davon zu sprechen, dass da keine Inhalte seien, ist schade; denn die Kollegin Claus hat an ganz vielen Stellen noch einmal verdeutlicht, worum es geht. (Martina Feldmayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ja? Wo denn?) Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Sie sind neu im Parlament, das haben Sie selbst gesagt. Ich habe in den letzten fünf Jahren selbst Ihre Rolle gehabt und weiß, wie sich Opposition anfühlt. Ich kann Ihnen auch sagen: Das Thema Sport ist mir nicht erst seit dieser Wahlperiode wichtig. Der Sport war auch in der letzten Wahlperiode ehrlicherweise kein großer Zankapfel in diesem Haus. Das können wir auch sagen, das haben wir in der Zeit gesagt, und ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt; denn ganz im Gegenteil zu dem, was Sie gesagt haben, wird mehr für den Sport gemacht: Wir haben bei 11+1 angekündigt, dass aus SWIM SWIMplus wird: Da kommt mehr Geld rein, mehr für den Schwimmsport, mehr für die Kommunen. Das ist spürbar, das ist da. Die Landesregierung hat allein im ersten Quartal 3,6 Millionen Euro an 180 Vereine in Hessen ausgezahlt und vorbereitet. Wenn Sie davon sprechen, dass in den Vereinen vor Ort nichts ankommen würde, dann muss ich sagen: Das ist nicht ganz die Wahrheit. (Beifall SPD und CDU) Dann zur Kritik an den Tickets – das wurde von verschiedenen Seiten hier angedeutet. Na ja, ich sage es einmal so: Wenn die Landtagself in Gustavsburg auf den Sportplatz geht, dann gibt es irgendjemanden, der bereit ist, so einen Wagen zu schieben, um den Platz abzukreiden. Wenn wir am Ende die 90 Minuten hinter uns haben (Zuruf: 60 Minuten!) und in der Kabine geduscht haben und dort rausgehen, dann sieht die auch nicht mehr so aus, wie sie vorher aussah. Was auch noch dazukommt, ist, dass diejenigen, die im Nachgang die Bratwurst anbieten – die schmeckt mir übrigens, genau wie der Ministerin, auf dem Sportplatz besonders gut –, ebenfalls Ehrenamtliche sind, die da sind und die das für uns machen. Es ist schon angesprochen worden: Diese Menschen verdienen an dieser Stelle mit diesen Tickets eine kleine Aufmerksamkeit, ein kleines Dankeschön. Das sind 52.500 Euro, die wir dort über das Netzwerk „Fair Play Hessen“ hineingeben. (Miriam Dahlke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das sind gar nicht die, die dort geholfen haben!) Dass das hier ein Thema ist, kann ich nicht ganz verstehen. (Beifall SPD und CDU) Noch etwas anderes: Ich finde es richtig gut, dass die neue christlich-soziale Landesregierung das Ressort Sport mit den Dingen verbunden hat, die uns in den Familien bewegen, dass wir dafür gesorgt haben, dass der Sport mit den Themen, die die Gesundheit betreffen, kombiniert wird. Familie, Sport und Gesundheit – das gehört zusammen, das ist ein kluger Schachzug. Dass wir an der Stelle Familien unterstützen, die sonst vielleicht gar nicht ansatzweise eine Chance hätten, in ein Stadion zu kommen: Da können wir einfach mal ruhig überlegen, ob das nötig ist. Wenn der Abgeordnete der AfD sich hierhin stellt und sagt, man freue sich total für die Familien, das sei richtig klasse, er wolle aber nicht, dass Geld dafür ausgegeben wird: Das ist heuchlerisch. Das geht gar nicht. (Beifall SPD und CDU – Zuruf AfD) Wir freuen uns, dass die Mannschaft der Ukraine bei in Taunusstein für die nächsten Wochen ihr Zuhause den hat. Wir wollen gute Gastgeber sein. Mein Fraktionsvorsitzender, Tobias Eckert, und ich waren beim chen Training mit 5.000 anderen Menschen; das ist Wort. Das zeigt, dass diese Mannschaft eine besondere Unterstützung braucht, weil sie leider in ganz besonderen Zeiten an so einem Turnier teilnehmen muss. Ich mir gar nicht vorstellen, was in den Köpfen der vorgeht, wenn sie auf dem Spielfeld auflaufen. Das eine hohe Belastung. Meine große Anerkennung gilt Mannschaft. Ich wünsche ihr ganz viel Erfolg. (Beifall SPD, CDU und Miriam Dahlke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))
