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Cirsten Kunz

SPD 14.03.2024 Sitzungen 21/7

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! (Unruhe – Glockenzeichen) Müller Hessens Frauen sind stark. Wir wollen sie weiter stärken. (Beifall SPD und CDU) Im Jahr 2024 ist das immer noch eine sehr große Aufgabe. Es ist das Jahr 2024. Wir brauchen Schutzräume für Haben Frauen, auch im Netz. Fast jede zweite junge Frau erhielt bereits ungefragt ein Nacktfoto. Man muss nicht einer Meinung mit Luisa Neubauer sein. Aber es ist einfach widerein lich, wie ihr und vielen anderen Frauen im Netz begegnet Internawird, weil sie eine Meinung haben, die nicht jedem passt. Da findet keine thematische Auseinandersetzung statt. Da werden insbesondere von rechts außen Vergewaltigung, Folter oder Tötung angedroht. Das ist keine Seltenheit. Das Darpassiert viel zu oft. Reund (Zustimmung SPD, vereinzelt CDU und BÜNDNIS damit 90/DIE GRÜNEN) Regel. Das führt dazu, dass sich die Frauen zurückziehen, aus dem Netz, aber auch aus dem Vereinsleben, aus dem Ehrenamt und aus der Gesellschaft. Man darf vieles sagen. Man darf anderer Meinung sein. war Aber man muss auch einmal die Meinung der Gegenseite aushalten können, ohne herumzuschreien oder Gewalt anzudrohen. nicht Ich bin froh, dass sich Hessen am Aktionstag zur Bekämpkann fung der Frauenfeindlichkeit im Internet beteiligt hat. Hass ist keine Meinung. Lassen Sie uns Frauen einladen, damit sie ihre Meinung sagen. Lassen Sie uns Räume schaffen, in denen sie sich dabei sicher fühlen. (Beifall SPD und CDU) Der Equal Pay Day und der Equal Care Day sind kein Gedöns. Diese Tage weisen auf Missstände hin, die diese Gesellschaft einfach hinnimmt. Die Sorgearbeit wird in die Rente nicht eingerechnet. Daraus ergeben sich keine Pluspunkte für die Karrierearbeit. Die Sorgearbeit wird nicht bezahlt. Die Zeit, die für Brote schmieren, staubsaugen, die Einkaufsliste schreiben oder die Pflege der Angehörigen eingesetzt wird, steht nicht zur Verfügung, um sich in der Gesellschaft zu engagieren. Ich bin froh, dass wir in Hessen in dieser Legislaturperiode ein Arbeitsministerium haben. Ich bin froh, dass das Thema Frauen genau dort angedockt ist. (Miriam Dahlke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Aber nicht im Namen!) Dort gehört es hin, wenn wir Gleichstellung wollen, wenn wir den Fachkräftemangel beseitigen wollen, wenn wir die Altersarmut verhindern wollen und vor allem wenn wir ganz vorne mitspielen wollen. Wir können nicht ständig die Hälfte unseres Potenzials liegen lassen. Es kann nicht sein, dass eine Özlem heute nicht im Medizinlabor forschen kann oder eine Margaret heute nicht programmieren kann, weil die Kita geschlossen hat. Mehr Erzieherinnen und Erzieher für Hessens Kitas sind da ein erster wichtiger Schritt. (Beifall SPD und CDU) Zu oft wird an Frauen vorbeibefördert, denen man unterstellt, mit 20 zu jung für Verantwortung zu sein, mit 30 zu sehr mit Familie beschäftigt und mit 40 zu kompliziert und zu unbequem, wegen des viel zitierten physischen Unterschieds. Das aber macht überhaupt keinen Sinn – der macht nur an einer anderen Stelle Sinn und muss dort viel mehr beachtet werden: Wir hatten es gestern und sprachen davon mit Blick auf die Medizin. Wir wissen schon länger, dass sich der Herzinfarkt bei einer Frau anders äußert als bei einem Mann. Medikamente sind auf Männer ausgelegt und für sie getestet. Hier brauchen wir ein Umdenken. Ich bin froh, dass die schwarzrote Koalition sich vorgenommen hat, die Forschung im Bereich Frauengesundheit zu unterstützen und geschlechterbasierte Diskriminierung im Gesundheitswesen zu beenden. (Beifall SPD und CDU) Dann werden auch Frauen bei einem Herzinfarkt richtig behandelt und erhalten nicht nur Tropfen gegen Übelkeit. Bei alledem geht es nicht darum, irgendjemandem etwas wegzunehmen, sondern es geht darum, allen Menschen die Zeit, die Möglichkeiten und die Unterstützung zukommen zu lassen, damit sie alles erreichen, was sie dank ihrer Fähigkeiten erreichen können. Ich greife an dieser Stelle die Worte der Abgeordneten Marie Juchacz auf, die sie in ihrer ersten Rede 1919 vor dem Parlament sprach: „Es wird hier angestrengtester und zielbewusstester Arbeit bedürfen, um den Frauen … zu der Stellung zu verhelfen, die ihnen zukommt.“ Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass es weit weniger als weitere 100 Jahre dauert, bis diese Arbeit abgeschlossen ist. (Beifall SPD und CDU)

Protokoll ↗