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René Rock

13.03.2024 Sitzungen 21/6

Liebe Frau Kollegin Herz, das war Ihre erste Rede. Auch von uns hier vorne unsere Gratulation dafür. (Beifall CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten) Ich rufe jetzt Herrn Abgeordneten Dr. Büger zu seiner Rede auf. Ich erteile Ihnen das Wort. Dr. Matthias Büger (Freie Demokraten): Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten und Herren! „Die Goethe-Universität bekennt sich in ihrem bild zu der gesellschaftlichen Verantwortung Forschung und Lehre. Dazu gehört, Wissenschaft auf die Bedarfe möglichst aller Menschen richten und unterschiedliche Perspektiven ziehen. Die Reflexion einer möglichen Relevanz Geschlecht & Vielfalt in den unterschiedlichen mensionen ist ein wichtiger Beitrag zur Forschungsqualität und Chancengerechtigkeit bei der dung des Wissens.“ So steht es wörtlich – ich wollte an den Anfang Rede Fakten stellen – in der von der AfD bemängelten Empfehlung der Goethe-Universität. Ich finde, daran es nichts auszusetzen. (Beifall Freie Demokraten und vereinzelt SPD) Herr Dr. Grobe, mehr als diese Unterstellung, dass Empfehlung oder Handlungsanweisung, wie man sie immer bezeichnet, die Forschung einschränke, teuer und Bürokratie aufbaue – Sie bemerken meinen Konjunktiv, den ich hier bewusst verwende –, steht in Ihrem dürftigen Antrag übrigens nicht. Ja, im Übrigen gibt durchaus Punkte, an denen wir über die Verengung Diskurses an den Hochschulen sprechen müssten. Ich he mit gewisser Sorge, dass manche Bereiche der schulen mehr dem Zeitgeist folgen, als einer offenen kussion guttut; aber eines ist doch, bitte, klar: Der Herr Dr. Grobe, den Sie hier für die AfD skandalisiert haben, gehört definitiv nicht dazu. (Beifall Freie Demokraten, SPD und BÜNDNIS DIE GRÜNEN – Zuruf Heiko Scholz (AfD)) Denn wir wissen – da kann ich sehr gut an das anknüpfen, was Frau Kollegin Herz hier in ihrer ersten Rede hat –, dass es überall dort, wo es um den menschlichen Körper geht, ganz besonders auf das Geschlecht ankommt. So schreibt die Klinik München auf ihrer Website mit Überschrift „Der große Unterschied“: „Frauen zeigen manchmal andere Symptome Männer und brauchen nicht selten eine andere rapie.“ (Dr. Frank Grobe (AfD): Goethe!) – Zu Goethe komme ich noch, Herr Dr. Grobe. – weiter: „Frauen kommen“ – auch das hat Frau Herz schon erwähnt – „mit einem Herzinfarkt im Schnitt erst zwei den später als Männer in die Notaufnahme. Sie gen öfter andere Symptome, und der Herzinfarkt wird häufiger nicht erkannt. Mittlerweile Schulungsprogramme Wirkung,“ – auch das wurde erwähnt – „sodass der ‚weibliche‘ Herzinfarkt in der nahme nicht übersehen wird.“ Das ist doch eine gute Entwicklung. Noch ein Zitat von der Seite der Klinik in München – dieser Punkt wurde noch nicht erwähnt und dient vielleicht Damen ein bisschen der Ehrenrettung der Männer –: „Stichwort Männerschnupfen: Wenn Männer über LeitSchnupfen oder Grippe stöhnen, geht es ihnen vielvon leicht wirklich schlechter als Frauen mit dem gleichen Infekt. Frauen haben ein stärkeres Immunsysauszutem. Ursache ist das Hormon Östrogen, das die Vereinzube- mehrung von Immunzellen unterstützt. Testosteron von hingegen bremst deren Wachstum.“ Di- (Zuruf Hartmut Honka (CDU)) AnwenAlso, Sie wissen, bisher wurden Medikamente und Therapien vorwiegend an und für Männer entwickelt. Ich finde, dass es wirklich Zeit und sinnvoll ist, dies zu ändern. meiner (Beifall Freie Demokraten, SPD und BÜNDNIS 90/ gibt DIE GRÜNEN) Themen, die Männer und Frauen unterschiedlich betreffen, gibt es natürlich auch in den Gesellschaftswissenschaften, selbst in der Technik. Hier wurden die Crashtest-Dummys diese richtigerweise erwähnt, die sich lange und ausschließlich auch am männlichen Körper orientiert haben. Selbstverständlich sei gibt es auch dort solche Themen. Es gilt, hierauf das Augenmerk zu richten. äußerst es Dass es einer unterschiedlichen Perspektive bedarf, um Frauen wie Männern gerecht zu werden, ist klug und sinndes se- voll. Als solchen Hinweis verstehe ich auch die HandreiHoch- chung der Goethe-Universität. Dabei ist, bitte schön, eines klar: Es gibt viele Fragen, die nichts mit geschlechterspeziDisPunkt, fischen Unterschieden zu tun haben oder wo eine Berücksichtigung des Geschlechts offenkundig nicht sinnvoll oder möglich ist. Nehmen wir einmal den Fachbereich, in dem ich mich gut auskenne, den Fachbereich der Mathematik. 90/ Wer in der Geometrie forscht – Sie kennen hoffentlich alle noch den Satz des Pythagoras –, wird ebenso wenige geschlechtsspezifische Unterschiede wahrnehmen wie bei der Untersuchung von Differenzialgleichungen oder der gesagt höheren Funktionentheorie. Das ist im Übrigen ein Thema, über das ich besonders gern Vorlesungen halte. der Wer aber meint, die Regel sei deshalb ausgrenzend und würde solche Forschungen verhindern, der interpretiert die Handreichung, Herr Dr. Grobe, wie ich meine, wohl als absichtlich falsch. Ich bin nämlich davon überzeugt, und Thedie Vielzahl der mathematischen Projekte, nicht nur an der Goethe-Universität, gibt mir recht, dass die GoetheUniversität und alle anderen Hochschulen mit ähnlichen Handreichungen diese doch nur dort anwenden, wo sie Und praktikabel und sinnvoll sind, und sicherlich nicht dort, wo es ganz offenkundig nicht passt. (Beifall Freie Demokraten, SPD und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Deswegen sage ich Ihnen: Dass ein solcher Hinweis in der Stun- Handreichung fehlt, ist für mich wirklich verzeihlich; denn zei- ich habe sehr großes Zutrauen in unsere Hochschulen, auch zur Goethe-Universität, dass sich diese im Einzelfall klug zeigen und sachgerecht verhalten. Die Freiheit von Forschung und Lehre, gerade die Freiheit der Forschung, ist durch diese Handreichung nicht eingeschränkt. Sie weisen im Gegenteil darauf hin, den Horizont der Forschung nicht zu verengen. Ich finde, das ist klug. Die Wissenschaftsfreiheit Notaufist nämlich die Freiheit der Forschung, nicht die Freiheit, Forschung zu behindern oder sie gar zu verhindern. Deshalb sehen wir als Freie Demokraten die Zivilklausel im Übrigen kritisch; denn sie begrenzt die Forschung. Die Handreichung zu Geschlecht und Vielfalt beschränkt die Forschung aber nicht. Herr Dr. Grobe, Sie haben so nett reingerufen, Sie würden gern Goethe hören. Daher lassen Sie mich zu Ihrem Antrag mit einem Zitat schließen; denn als Wetzlarer darf ich mit Goethe schließen: „Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt.“ – Vielen Dank. (Heiterkeit und Beifall Freie Demokraten, CDU, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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