Deniz Çelik
Ja. Sehr geehrte Präsidentin, es wurde schon gesagt, 2022 hat die Behörde die Hamburger Hebammen befragt. Jetzt sind volle vier Jahre vergangen, und die Ergebnisse liegen immer noch nicht vor. Und das ist aus unserer Sicht inakzeptabel, und da muss jetzt endlich etwas passieren. Und Frau Schittek und Frau Hennig haben ja auch gesagt, dass das veröffentlicht werden muss, die Ergebnisse veröffentlicht werden müssen. Ich stelle fest, dass wir eigentlich hier einen Konsens haben. Was ich aber nicht verstehe, ist, warum wird jetzt dieser Antrag in den Ausschuss überwiesen, wo wir vielleicht monatelang warten müssen, bis es wieder auf der Tagesordnung ist und wieder ganz viel wertvolle Zeit vergeht. Wenn wir alle einer Meinung sind, müssen wir doch über diesen Antrag abstimmen und alle auch diesem Antrag zustimmen. Das wäre konsequent, und alles andere ist leider dann inkonsequent. Und man muss ja auch sagen, die Zahlen, die Ergebnisse liegen ja schon seit langer Zeit beim Senat vor. Der Senat nutzt sie. Und sogar das Hebammenzentrum Harburg wird mit den intern bekannten Ergebnissen begründet. Intern bekannt – das bedeutet, nur die Bürgerschaft und die Öffentlichkeit dürfen sie nicht sehen. Das ist doch vollkommen absurd. Hier muss doch sofort Transparenz hergestellt werden. Und es geht um eine entscheidende Frage: Wer bekommt in Hamburg eine Hebamme und wer nicht? Und es wurde schon erwähnt: Wir haben hier eine tiefe Spaltung in der Stadt. Es kann nicht sein, dass in Altona nach der Geburt jede zweite Frau von einer Hebamme betreut wird und in Harburg nicht mal jede zehnte Frau. Und das ist auch kein Zufall, liebe Kolleginnen und Kollegen. Nur wer früh anfängt, viel telefoniert und dranbleibt, hat auch eine gute Chance auf eine Hebamme. Wer gut vernetzt ist und Zeit hat, schafft das auch. Wer aber in einem ärmeren Stadtteil wohnt und weniger Vernetzungskompetenzen hat, der geht häufig leer aus. Dabei ist aber Hebammenhilfe ein Rechtsanspruch für alle. Und in Hamburg hängt sie leider vom Wohnort ab, und das muss sich ändern. Und wir kennen das auch aus anderen Bereichen, was die Gesundheitsversorgung anbelangt, dass wir entlang vom sozialen Status auch Spaltungen haben. Das kennen wir auch von den Kinderarztpraxen, von den Hausarztpraxen. Und es ist auch eine traurige Wahrheit, was wir immer wieder feststellen: Da wo der Bedarf am größten ist, ist das Angebot am kleinsten, und das darf so nicht weitergehen. Und wenn der Senat jetzt die Ergebnisse nicht veröffentlicht, wissen wir nicht, was sich seit 2018 geändert hat, wo heute Hebammen fehlen und ob das einzige Zentrum jetzt in Harburg überhaupt ausreichend ist. Wir wissen es nicht. Und wer die Versorgungslücken nicht kennt, kann sie auch nicht schließen. Und das ist das größte Versäumnis vom Senat, was wir hier auch ansprechen müssen. Es wurde gesagt, als Opposition haben wir laut der Verfassung die Aufgabe, die Regierung zu kontrollieren. Das geht aber nicht, wenn der Senat lange bekannt gewordene Ergebnisse und Daten unter Verschluss hält. Und wer auf Grundlage dieser Daten Politik macht, muss sie auch offenlegen. Deshalb unterstützen wir den Antrag der CDU. Die Ergebnisse gehören auf den Tisch, jetzt, damit klar wird, wo Hebammen fehlen, damit gute Versorgung mit Hebammen nicht von Postleitzahl und vom sozialen Status abhängt. Vielen Dank.
