Dr. Gudrun Schittek
Frau Präsidentin, liebe Kolleg:innen. Liebe Kolleg:innen der CDU, ich gebe Ihnen recht. Die Ergebnisse der Hebammenbefragung aus dem Jahr 2022 und der Familien- und Mütterbefragung aus dem Jahr 2023 sollten längst veröffentlicht sein. Mit dem Bericht zur Hebammenversorgung in Hamburg war 2014 und 2018 endlich Licht in das Dunkel der regionalen Versorgung gekommen. Es wurde deutlich, wie groß die Unterschiede sind, beispielsweise bei der Nachsorge. Während in gut situierten Stadtteilen mehr als drei Viertel der Mütter nachgeburtlich durch eine Hebamme betreut werden, ist es in sozial schlechter gestellten Stadtteilen der Bezirke Mitte und Harburg nicht einmal jede fünfte Frau. In Harburg lag der Anteil mit 8 Prozent am niedrigsten. Und die Unterschiede sind im Laufe der Jahre sogar noch größer geworden. Die kleinräumige Analyse von Stadtteilen zeigt, ähnlich wie bei Arztpraxen, dass freiberufliche Hebammen eher gut situierte Frauen versorgen. Arme Familien und insbesondere Frauen mit Sprachbarrieren erhalten viel seltener Hilfen. Und diese Berichte waren grundlegend für die politischen Bemühungen, die regionale Versorgung in unterversorgten Stadtteilen zu verbessern. Das im Mai eröffnete Hebammenzentrum in Harburg geht auf diese ersten Erhebungen zurück. Als Abgeordnete aus dem Bezirk Harburg hatte ich kürzlich die Gelegenheit, das neue Hebammenzentrum in Harburg zu besuchen. Das Konzept ist vorbildlich und auf den Stadtteil zugeschnitten. Das Hebammenzentrum liegt gut erreichbar zentral am Sand und ist barrierefrei. Nach dem Vorbild von Bremen hat die Sozialbehörde zusammen mit der Hans-Wendt-Stiftung das Zentrum aufgebaut. Und das Besondere: Hebammen werden von Verwaltung entlastet. Eine Koordinatorin und eine Verwaltungsfachkraft übernehmen die Anmeldung und die Organisation. Und so können sich Hebammen ausschließlich auf die Betreuung von Frauen und Familien konzentrieren. Sie arbeiten freiberuflich. In Bremen ist 2022 das erste Hebammenzentrum mit Förderung der dortigen Sozialbehörde und der Hans-Wendt-Stiftung gestartet. Inzwischen gibt es in Bremen fünf dieser Hebammenzentren. Der Bedarf ist sehr groß. Frauen und Familien ohne feste Hebamme finden hier Betreuung und Beratung rund um Schwangerschaft und Geburt. Und zusätzlich ist ein Begegnungsort entstanden, wo sich Schwangere und junge Eltern vor und nach der Geburt in Kursen treffen und austauschen können. Und Herzstück des Angebots ist die aufsuchende Hebammenbetreuung im Wochenbett, also genau in der sensiblen ersten Phase mit dem Neugeborenen, wo vieles so komplett neu ist und bislang in Harburg die meisten Frauen ohne Hebammenhilfe klarkommen mussten. Diese Betreuung ist die beste Starthilfe für junge Familien und alles andere als bloß "nice to have". Frauen und Familien haben einen Anspruch auf diese Hilfen, die selbstverständlich von der Krankenkasse übernommen werden. Und ich möchte aber auch noch auf weitere Hilfen für Mütter und Familien hinweisen. Wir haben noch die Babylotsen, die Frauen nach der Entbindung in der Klinik aufsuchen und Hilfen anbieten, die Mütterberatung und die Frühen Hilfen. Gerade in Harburg gibt es eine vorbildliche Kooperation. Trotzdem haben wir in Hamburg noch viel zu tun, um die Hebammenversorgung so aufzustellen, dass wirklich alle Frauen nach der Entbindung zu ihrem Recht auf gesundheitliche Betreuung und Unterstützung kommen. Gerade Frauen in schwierigen sozialen Lagen, besonders Frauen mit Sprachproblemen sollten im Fokus stehen, Frauen in der ersten Zeit nach Geburt eines Kindes stark zu machen, sicher zu machen, bedeutet, die Grundlage zu schaffen für gesunde Kinder, die in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen können. Und ich kann mir vorstellen, dass die Sozialbehörde sich das Hebammenzentrum in Harburg zum Vorbild macht und weitere Zentren gründet. In Süderelbe, in Wilhelmsburg und in vielen weiteren Stadtteilen haben wir nach nach wie vor eine Unterversorgung. Die Sozialbehörde hat zugesagt, dass es einen Abschlussbericht geben wird, der beide Befragungen – die Hebammenbefragung und die Familie- und Mütterberatung – zusammenführt. Wir werden daher den Antrag der CDU in den Gesundheitsausschuss überweisen, um uns die Ergebnisse vorstellen zu lassen und weiter zu beraten. Vielen Dank.
