Linus Görg
Ja. Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch stellvertretend für meine Kollegin Frau Dornia, die ich hier heute in der Debatte vertreten darf, möchte ich gerne mit einer Frage beginnen. Wie einfach machen wir es eigentlich den Menschen in Hamburg, sich zu engagieren? Und ich meine nicht, wie einfach wir es ihnen gerne machen würden, sondern wie es wirklich ist. Wenn jemand eine gute Idee hat, ein Projekt auf die Beine stellen möchte oder einfach irgendwo mithelfen: Findet dieser Mensch schnell die richtige Unterstützung? Und versteht er die Voraussetzungen für eine Förderung, ohne vorher einen Verwaltungskurs belegen zu müssen? Ich glaube, da ist noch Luft nach oben. Aber, und das gehört genauso zu dieser Debatte, wir haben in Hamburg auch schon verdammt viel erreicht. Hamburg war 2014 das erste Bundesland mit einer eigenen Engagementstrategie. Wir haben also nicht erst gestern angefangen, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir freiwilliges Engagement stärken können. Und wir haben es auch nicht bei guten Absichten belassen. Mit dem Haus des Engagements haben wir einen Ort geschaffen, an dem Initiativen und Vereine kostenfrei Räume nutzen, Beratung bekommen, sich qualifizieren und miteinander vernetzen können. Erst vor wenigen Wochen haben wir den neuen Standort im Neuen Amt Altona eröffnet, und ich finde, darauf können wir wirklich stolz sein. Denn dahinter steckt eine klare Haltung. Wer sich für andere einsetzt, soll dabei nicht alleingelassen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, in Hamburg engagieren sich Hunderttausende Menschen freiwillig. Sie unterstützen Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Und da kann ich auch gut anknüpfen an die Aktuelle Stunde vorhin und die aktuelle Woche der psychischen Gesundheit. Denn auch in diesem Bereich wird viel über ehrenamtliches Engagement unterstützt, sei es durch Peerberatung oder Unterstützung im Alltag. Sie trainieren Kinder und Jugendliche, organisieren Nachbarschaftshilfe oder setzen sich für unsere Demokratie ein – und das neben dem Beruf, neben Familie und einem Alltag, der für viele ohnehin schon ziemlich voll ist. Das verdient nicht nur unseren Dank, das verdient auch unseren Respekt. Denn diese Menschen übernehmen Verantwortung. Nicht, weil sie es müssen, sondern weil ihnen unsere Gesellschaft am Herzen liegt. Und gerade deshalb sollten wir ihnen diese Verantwortung nicht schwerer machen als nötig. Ich weiß, hinter vielen Vorschriften stehen gute Gründe. Rechtssicherheit, Transparenz und der verantwortungsvolle Umgang mit öffentlichen Mitteln gehören selbstverständlich dazu. Aber manchmal sind wir so sehr damit beschäftigt, Verfahren abzusichern, dass wir aus dem Blick verlieren, was wir damit eigentlich ermöglichen wollen. Und da müssen wir auch mal an unsere eigenen Strukturen ran. Denn es kann doch nicht sein, dass jemand voller Tatendrang eine gute Idee hat und wir ihn erst einmal mit Zuständigkeiten, Nachweispflichten und Formularen beschäftigen. Wir sollten Engagement ermöglichen, nicht verwalten, bis die Begeisterung verflogen ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, genau deshalb ist es richtig, dass wir unsere Hamburger Engagementstrategie jetzt weiterentwickeln. Nicht, weil das Bisherige gescheitert wäre, sondern weil sich Engagement verändert und weil wir aus Veränderungen lernen wollen. Was funktioniert gut? Wo fehlt Unterstützung? Und wo machen wir es den Menschen vielleicht selbst unnötig schwer? Diese Fragen wollen wir gemeinsam mit den Engagierten beantworten. Denn sie wissen am besten, wo es im Alltag hakt. Und wir müssen auch diejenigen erreichen, die bisher auf Hürden stoßen. Menschen, denen Kontakte fehlen, die sprachliche oder andere Barrieren erleben oder die nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Denn Engagement muss möglichst vielen Menschen offenstehen. Und ich wünsche mir, dass wir bei der Weiterentwicklung auch unbequeme Fragen stellen. Brauchen wir wirklich jedes Formular? Sind unsere Förderverfahren verständlich? Erreichen unsere Angebote auch die kleinen Initiativen ohne eigene Geschäftsstelle? Das alles sind keine Fragen für die ganz großen Schlagzeilen. Aber die Antworten können für Ehrenamtliche einen riesigen Unterschied machen. Und darin sollten und müssen wir uns messen lassen. Nicht daran, wie viele Maßnahmen wir aufgeschrieben haben, sondern daran, was sich für die Engagierten verbessert. Denn... Denn diese Menschen schenken unserer Stadt und unserer Gesellschaft ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Energie. Und sie machen Hamburg jeden Tag damit ein Stückchen lebenswerter. Sie leisten ihren Beitrag für unsere Stadt. Sorgen wir dafür, dass wir unseren Beitrag genauso gut leisten. Vielen Dank.
