Hansjörg Schmidt
Herr Herrmann, ich glaube, die Vorgänge in Reinickendorf bei der CDU, wo Sie jetzt mit der AfD gemeinsame Sache machen, verunsichern sicherlich nicht nur Start-ups, sondern alle Menschen. Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! Wer Sozialismus und Enteignung schreit, macht Wahlkampf, keine Wirtschaftspolitik. Wir wollen ein Start-up-Ökosystem für die Zukunft bauen. Und das macht man nicht aus den ideologischen Schützengräben der Achtzigerjahre, meine Damen und Herren. Hamburg gewinnt Gründerinnen und Gründer mit Qualität, nicht mit Kulturkampf. Sie verwechseln hier Standortwerbung mit Schreckgespensterfolklore. Das ist nicht in Ordnung, meine Damen und Herren! Wer Unternehmer mit Schauermärchen locken will, beweist vor allem eins: dass ihm die echten Argumente langsam ausgehen und dass man dann hier Nebelkerzen werfen muss. Kluge Köpfe zieht man nicht mit antikommunistischen Flugblättern an, sondern mit Spitzenforschung, Kapital und einer lebendigen Stadt. Start-ups gehen nämlich dorthin, wo Talente, Kapital und Netzwerke zu finden sind. Gründer suchen Infrastruktur und keine ideologische Seelsorge, meine Damen und Herren. By the way: Start-up-Ökosystem in Berlin – das ist das Einzige, wo ich jetzt mal was zu Berlin sage – ist unter jeder Regierung gewachsen. Es gab auch dort schon mal eine rot-rot-grüne Regierung und trotzdem ist da auch das Start-up-System weiter gewachsen. Aber bleiben wir in Hamburg. Sie haben ja den Start-up-Monitor angesprochen. Dort bewerten fast 60 Prozent der jeweiligen Gründer ihren jeweiligen Standort positiv. Das heißt, die Mehrheit der Gründenden ist mit den Füßen auf dem Boden und mit dem Kopf in ihrem Geschäft und weit zufriedener mit dem Standort, als das Sie hier mit Ihrer Untergangsrhetorik verkaufen wollen. Wir arbeiten hier in Hamburg ganz konkret an den Themen. Wir haben in der letzten Legislaturperiode das Start-up-Visum mit angeschoben. Wir haben beim Wachstumskapital mit der IFB mit HamburgInnoGrowth ein Wachstumsprogramm angeschoben, das erfolgreich läuft. Und Sie schreiben es ja selber in Ihrem Antrag, dass Hamburg Invest schon heute ein guter Lotse für Ansiedlung ist. Und nun wollen wir im Oberhafen mit Hammerbrooklyn ein zentrales Start-up-Zentrum gründen. Und da vermisst man dann wieder bei der CDU eine klare Linie. In dem einen Gremium sind Sie dafür, in dem anderen Gremium sind Sie dagegen. Meine Damen und Herren, so kann man keine verlässliche Standortpolitik machen! Ein attraktiver Standort, den gewinnt man doch nicht durch bunte Plakate am Hauptbahnhof, meine Damen und Herren! Wir werben hier für Hamburgs Stärken. Wir haben hier einen Hafen, Logistik, Energie, Luftfahrt, Medien, Life Science. Und das machen wir überall – in Berlin, in München, in London, in Kopenhagen. Hamburg spielt in der Champions League, von Logistik bis Life Science. Wer weltklasse aufgestellt ist, muss nicht neidisch über den Gartenzaun der Nachbarn spucken, meine Damen und Herren. Und hanseatische Kaufmannsehre heißt im Übrigen: Mit eigener Leistung überzeugen, nicht mit Häme über die Nachbarn, meine Damen und Herren. Wir wollen hier Standortförderung betreiben und kein bundespolitisches Fernduell. Und dann zum Thema Wohnen, da kann man auch noch viel zu sagen. Bezahlbares Wohnen ist eben kein Gegensatz zum Unternehmertum. Wer Talente will, muss ihnen auch ein Zuhause bieten. Dem besten Start-up nützt es nicht, wenn die Programmiererin keine Wohnung findet. Ein bezahlbares Dach über dem Kopf ist kein Sozialkitsch, sondern handfeste Standortpolitik. Und dazu gehört der Hamburger Weg aus Neubau und dem Bündnis für Wohnen. Hamburg setzt hier auf Mörtel und Kräne und Kooperation statt auf Schaukämpfe. Wir schaffen hier mehr Wohnraum durch Bauen und nicht durch das Beschimpfen anderer Bundesländer. Und deswegen haben wir hier auch einen erfolgreichen Weg, sowohl in dem einen als auch in dem anderen Politikfeld. Und das, was Sie hier machen, sind einfach Schaukämpfe. Da lassen Sie sich dann bei der Jungen Union wieder für feiern. Aber die Start-ups hier in Hamburg, die wird das davon bestimmt nicht berühren. Vielen Dank.
