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Julian Herrmann

CDU 4:36 min Sitzungen 23/31

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren. Gestern Abend haben SPD und GRÜNE in Berlin ihre Sondierung mit der SED-Nachfolgepartei Die Linke unterbrochen. Unterbrochen wohlgemerkt und nicht beendet. Und das, obwohl die Linkspartei mit der Aufnahme von Frau Emde in ihre Fraktion eine von Rot-Grün selbst definierte Grenze und totale rote Linie überschritten hat. Anstatt daraus dann jetzt endlich die einzig richtige Konsequenz zu ziehen und dieses unwürdige Schauspiel zu beenden, lassen sich SPD und GRÜNE leider weiter von einer radikalen und in weiten Teilen antisemitischen Linkspartei weiter vorführen. Und der radikale Kurs der Berliner Linken beschränkt sich leider nicht nur auf das Thema Antisemitismus und Israel. Nein, im Mittelpunkt des wirtschaftspolitischen Programms der Berliner Linken steht nicht weniger als der Angriff auf die soziale Marktwirtschaft. Das ist richtig. Insbesondere auf Start-ups und damit auch auf Innovation und Fortschritt hat es die Linkspartei abgesehen. Über erfolgreiche Start-up-Unternehmer schreibt Die Linke beispielsweise abfällig, diese würden Milliarden verdienen und sich anschließend die Stadt kaufen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist ein skandalöses und vor allem total falsches Verständnis von Unternehmertum! Während in Berlin darüber diskutiert wird, wie privates Eigentum enteignet oder, wie Sie es gerne nennen, "vergesellschaftet" werden kann, sollten wir hier in Hamburg bei uns viel lieber darüber diskutieren, wie wir mehr privates Kapital in unsere Stadt bekommen. Und wenn Unternehmer und Investoren in Berlin das Gefühl bekommen, politisch nicht mehr gewollt zu sein, dann sollten wir in Hamburg eines sehr deutlich machen: Bei uns sind sie herzlich willkommen. Unser Vorschlag ist deswegen auch ganz einfach: Holen wir Berliner Arbeitsplätze, Gründer und Investitionen zu uns in die Hansestadt. Denn eines ist klar, Hamburg hat Nachholbedarf. Hamburg hat seit dem Start-up-Monitor 2026 1.540 aktive Start-ups in unserer Stadt. Im vergangenen Jahr gab es rund 200 Neugründungen. Und im ersten Halbjahr 2026 hat die Gründungsdynamik tatsächlich noch einmal angezogen. Das ist erfreulich, aber am Ende auch leider nur eine Erholung vom vorherigen Abwärtstrend. Und insbesondere beim Thema Wachstumskapital sieht es in Hamburg noch mal deutlich schlechter aus. Nur 23 Prozent der Hamburger Start-ups erhalten Venture Capital, in Berlin ist es fast doppelt so viel, rund 43 Prozent der dortigen Start-ups erhalten Venture Capital. Und wenn sich in Berlin durch die politischen Entwicklungen nun Fragen zu Unsicherheiten und Investitionen und Standorten stellen, dann muss Hamburg die Antwort sein. Natürlich wird nicht jedes Berliner Start-up jetzt seinen Hauptsitz hier nach Hamburg verlegen, aber vielleicht werden zweite Niederlassungen eröffnet, vielleicht ziehen einzelne Entwicklungsteams nach Hamburg, vielleicht entscheidet sich der ein oder andere Venture Capital Fonds, künftig von hier aus zu investieren. Genau dafür brauchen wir eine aktive Ansiedlungspolitik, denn es reicht nicht aus, wenn wir darauf warten, dass Unternehmen irgendwann von selbst anklopfen oder eben auch woanders anklopfen, um dort sich niederzulassen. Wir müssen gezielt darum werben, dass Unternehmen von der Spree an die Alster ziehen. Deshalb fordern wir, dass Hamburg Invest aktiv auf Berliner Start-ups, aber insbesondere auf größere Scale-ups und auf Investoren zugeht. Wir wollen eine sichtbare Standortkampagne, einen zentralen Ansprechpartner für schnelle Unterstützung bei Flächen, Genehmigungen, Fachkräften. Und Hamburg muss, kurz und knapp gesagt, einfach dort präsent sein, wo Investitions- und Standortentscheidungen getroffen werden. Meine Damen und Herren, lassen Sie uns aus Berliner Unsicherheit Hamburger Chancen machen. Und lassen Sie uns dabei nicht darauf warten, wie dieses unwürdige Schauspiel in Berlin ausgeht. Ob die Sondierungen endgültig scheitern oder in wenigen Tagen fortgesetzt werden, ist zwar für die Zukunft unserer Hauptstadt von großer Bedeutung, für unseren Antrag jedoch zweitrangig, denn die politische Unsicherheit ist längst da. Und genau deswegen sollte Hamburg jetzt deutlich machen: Wer investieren, gründen und Arbeitsplätze schaffen will, der ist bei uns hier in Hamburg herzlich willkommen. Lassen Sie uns deshalb schon heute um die Unternehmen von morgen, um die Investitionen und die Arbeitsplätze von morgen werben. Stimmen Sie daher unserem Antrag zu und lassen Sie uns Hamburg gemeinsam zu der Start-up-City machen, die Berlin nicht mehr sein darf. Danke.

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