Philine Sturzenbecher
Sehr geehrte Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Senatorin hat es eben gerade gesagt, Hamburg verfügt über einen wissenschaftlichen Schatz, der viel zu selten im Mittelpunkt steht: die rund zehn Millionen naturkundlichen Sammlungsobjekte. Ihre Zukunft steht im Zentrum des geplanten Evolutioneums. Diese Sammlungen dokumentieren Veränderungen der Natur über Generationen hinweg. Sie sind weit mehr als Exponate, die man in Vitrinen aufstellt. Gerade für die Erforschung von Evolution und Artensterben sind diese Bestände von unschätzbarem Wert. Denn der Verlust... Reicht's jetzt? Denn der Verlust der Artenvielfalt gehört ebenso wie der Klimawandel zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Viele Exponate des Bestandes sind bislang allerdings unzureichend untergebracht und deshalb nur eingeschränkt nutzbar. Mit dem Evolutioneum wollen wir das ändern. Forschungslabore, Sammlungen und öffentliche Ausstellungen sollen unter einem Dach zusammenkommen. Das ist gerade deshalb so wichtig, weil Forschung und Vermittlung hier ineinandergreifen. Und die Menschen können sehen, welche Fragen die Wissenschaft stellt, wie Erkenntnisse entstehen und wie sie mit unserem Alltag... was sie damit zu tun haben. Besonders für Schulklassen bietet das eine Chance, Wissenschaft unmittelbar zu erleben, statt sie nur aus Lehrbüchern zu kennen oder vermittelt zu bekommen. Auch der Generaldirektor des Leibniz-Instituts, Professor Bernhard Misof, hat gerade deutlich gesagt, ein Naturkundemuseum ist kein Luxus für Hamburg. Es soll ein Ort für Spitzenforschung, Bildung und Austausch werden. Deshalb hat es mich auch wirklich verwundert, dass diese wissenschaftliche Dimension in der aktuellen öffentlichen Debatte in den Hintergrund geraten ist. Und auch wenn es hier schon mehrfach angeklungen ist, für die Konzeption haben wir bereits 2021 gemeinsam die Weichen gestellt. Die Bürgerschaft hat den Staatsvertrag mit Nordrhein-Westfalen einstimmig beschlossen, getragen mit dem breiten Konsens über die Fraktionsgrenzen hinweg. Damit haben wir die Grundlage für das gemeinsame Leibniz-Institut gelegt, dessen Forschung Bund und Länder gemeinsam finanzieren. Bonn und Hamburg bringen ihre Expertise zusammen und schaffen damit eine langfristige Perspektive für die Sammlung. Das war eine bewusste wissenschaftspolitische Entscheidung. An die Verantwortung, die wir damit gemeinsam übernommen haben, möchte ich hier heute noch mal ausdrücklich erinnern. Und natürlich müssen wir klären, wo sich das Forschungsmuseum fachlich und wirtschaftlich sinnvoll verwirklichen lässt. Die Standortprüfung läuft weiterhin, gewissenhaft geprüft, und das wissen Sie. Die Ergebnisse dieser Prüfung legt der Senat dann der Bürgerschaft vor. Und auf dieser Grundlage, also einer belastbaren Kosten-Nutzen-Aufstellung, treffen wir hier dann unsere Entscheidung – und nicht auf der Basis von Medienberichten. Bei aller Diskussion ist für mich hier entscheidend: Wir wollen Hamburgs Sammlungen bewahren, seine Biodiversitätsforschung stärken und wissenschaftliche Erkenntnisse für die Menschen unserer Stadt erlebbar machen. Dieses gemeinsame Ziel steht, jetzt müssen wir den richtigen Weg finden, es zu verwirklichen. Vielen Dank.
