Hansjörg Schmidt
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren. Ich habe Ihnen sehr andächtig zugehört, Frau Goldner. Ich glaube, von den fünf Minuten Redezeit sind Sie, glaube ich, 30 Sekunden auf Ihren Antrag eingegangen. Das ist echt rekordverdächtig, aber gut. Ich finde es aber gut, dass Sie sich langsam in unsere Richtung bewegen, weil beim Thema Brücke damals haben Sie sich ja enthalten. Also bisher hatte die CDU zum Thema Köhlbrandbrücke gar keine Position, jetzt wollen Sie zwei Brücken bauen, nämlich Sie sagen, es ist richtig, dass die neue Brücke gebaut wird und dann wollen Sie daneben noch eine weitere Brücke bauen. Also insofern, wenn Sie jetzt noch ein bisschen mehr Realität annehmen, dann sind Sie tatsächlich auf unserer Position angekommen, meine Damen und Herren. Und man muss ja sagen, die Risikoeinschätzung, die Sie hier gerade gemacht haben, ist ja total richtig. Und gerade weil wir das Risiko mit dieser Brücke so ernst nehmen, sehen wir nämlich in dem Plan der CDU keine wirkliche Option. So eine Entlastungsbrücke braucht auch ein vollständiges Planfeststellungsverfahren. Es braucht eine Trasse, es braucht eine Gründung, man muss es bauen. Es ist vollkommen fraglich, ob sie schneller fertig ist als der Neubau. Meine Damen und Herren, das ist ein Feuerlöscher, den man kauft, nachdem es brennt. Das funktioniert doch so nicht, meine Damen und Herren. Solche Behelfsbrücken funktionieren, weil sie klein sind, niedrig und aus Standardbauteilen gebaut werden. Wir haben das gerade an der Freihafenelbbrücke gesehen: liegt auf Uferniveau, 80 Meter Spannbreite, kostet ungefähr 130 Millionen Euro. Bei der Köhlbrandbrücke ist das etwas anderes. Da muss man eine Hochbrücke machen und die lässt sich eben nicht aus einem Baukastensystem zusammensetzen. Ein Provisorium in dieser Größe ist kein Provisorium. Ein Reserverad funktioniert, weil es klein und muckelig ist. Wenn das Reserverad so groß ist wie ein Auto, ist es ein Auto, meine Damen und Herren, und deswegen ist das auch nicht ganz realistisch. Ich war ja Preisrichter in dem Wettbewerbsverfahren. Und wir haben vorher auch zahlreiche Ausschusssitzungen gehabt. Von Ihnen war ja auch jemand in dem Preisgerichtsverfahren da mit drin. Die Ausführung der Experten bei den Behandlungen und in den Ausschüssen, da kann man viel lernen, da kann man auch mehr lernen, als wenn man irgendwelche Argumente von selbst ernannten Experten auf LinkedIn folgt. Also gucken Sie lieber das, was da so behandelt wurde. Bei einer Brücke über eine Seeschifffahrtsstraße ist der entscheidende Wert eben nicht die Länge, sondern die Höhe. Das Lichtraumprofil, wie man dafür sagt, gibt für die Schifffahrt, gibt uns vor, wie hoch die Brücke sein muss. Die jetzige Brücke sind 53 Meter. Die Höhe dieser Brücke für die Behelfsbrücke, die Sie bauen, muss dann genauso hoch sein, sonst funktioniert der dahinterliegende Hafen nicht. Und Höhe kostet nun mal Länge. Für Schwerverkehr plant man mit einer Längsneigung von ungefähr 4 Prozent, sonst kommen die Lkws nicht den Berg hoch oder wenn sie runter, bremsen sie zu lange. Also braucht man da eine lange Strecke: Bei 53 Metern – ist eine einfache prozentuale Rechnung – und für 4 Prozent Steigung brauchen Sie ungefähr 1.300 Meter Rampe, und zwar auf jeder Seite. Wir reden also nicht über eine Brücke über das Wasser, sondern wir reden über ein Bauwerk von mehreren Kilometern Länge. Diese Rampen haben Sie in Ihrem Antrag überhaupt nicht erwähnt und die sind auch nicht in Ihren 850 Millionen Euro mit drin. Das müssten Sie noch mal dazupacken. Und dann kommen wir zum Fahrwasser, da darf man keine Pfeiler reinsetzen, da braucht man eine Spannweite. Das war sehr interessant, wie das in den Wettbewerbsverfahren gelaufen ist. Das schafft man nur mit einer Schrägseil- oder einer großen Stahlverbundkonstruktion. Da haben sich die Experten detailliert auch an den einzelnen Wettbewerbsergebnissen ausgearbeitet. Das lohnt sich, da noch mal reinzugucken. So etwas holt man nicht einfach aus dem Lager. Das kann man auch nicht irgendwo anders herleihen, sondern das muss genau für diesen Ort berechnet werden, Herr Thering. Hören Sie zu, auch Sie können was lernen oder googeln Sie noch mal ein bisschen nach, wenn Sie die ganze Zeit an Ihrem Telefon rumdaddeln. Also ich habe gerade sehr ausführlich das gemacht. Genau das unterscheidet nämlich das, was hier geplant ist, zu so einer Behelfsbrücke. Sie haben dann noch den Hafenboden, da haben Sie diverse Themen, da müssen Sie gründen. Hier müssen Sie vorher Kampfmittel räumen. Sie kriegen die Trasse auch nicht einfach so. Da liegen Gleise, Straßen, Störfallbetriebe, da liegt eine Müllverbrennungsanlage, ein Hochdruckdampf-Leitungskanal. All das muss irgendwie in die Planung mit rein. Und dann zum Wort temporär: So ein Hafen-Laster, der fragt auch nicht, ob das temporär ist, sondern der will darüber. So. - Herr Schmidt, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung - Bitte schön! von Frau Dr. Goldner? Frau Dr. Goldner. Vielen Dank, Herr Kollege Schmidt. Sie haben mir ja eben vorgeworfen, so wenig Zeit auf den Plan B, der uns sehr am Herzen liegt, verwendet zu haben. War ich, glaube ich, nicht der Einzige hier. So, das ist nämlich genau meine Frage: Was ist denn Ihr Plan B? Da würde ich mich jetzt auch drüber freuen. Also... Ich beziehe mich ganz konkret auf den hier vorliegenden von Ihnen sogenannten Plan B, nämlich eine weitere... Hören Sie mir doch einfach zu, ist ganz einfach, ganz einfach. Nein, ich gehe konkret darauf ein, was Sie sich als Plan B vorstellen und arbeite mich an Ihren Argumenten ab und liefere, wie ich finde, sehr stichhaltige Argumente, die auch nicht von mir kommen. Ich bin ja hier nur so ein kleiner Informatiker, sondern da gibt es Ingenieure, die haben uns das alles erklärt. Herr Thering, wenn Sie sich mal an Ausschusssitzungen beteiligen würden, auch intellektuell, dann würden Sie vielleicht da auch was mitnehmen und müssten hier nicht einfach immer nur Rummotzen. Also... So. Jetzt sage ich Ihnen konkret, weil das hatten Sie ja auch gefragt: Was ist jetzt unser Thema? Weil wir das Risiko ernst nehmen, wollen wir kein Geld und keine Planungszeit in eine Lösung stecken, die nicht sinnvoll ist und die zu spät kommt. Wir wollen, dass jetzt was geschieht, das jetzt wirkt. Ihr Antrag gibt eine Antwort auf die falsche Frage. Die Frage ist nicht: Wollen wir noch eine zweite Brücke bauen? Sondern die Frage ist: Wie wollen wir sicherstellen, dass die jetzige Brücke weiterhin funktioniert, solange wir die neue Brücke noch nicht gebaut haben? Deswegen überweisen wir auch Ihren Antrag noch mal, weil mein Deutschlehrer hat immer gesagt: "Stetige Wiederholung erhöht den Lerneffekt." Wir können alle diese Fragen noch mal behandeln. Wir haben das schon zigmal gemacht, aber wir können es gerne noch mal machen. Und Herr Thering, ich lade Sie gerne ein, in die Ausschusssitzung dazuzukommen. Dann können Sie vielleicht auch ein paar Argumente derjenigen, die das tatsächlich umsetzen müssen, und das sind ja nicht wir, sondern das sind Ingenieure, die können das sehr gut erklären. Und das hören wir uns dann nächste Woche im Ausschuss an. Vielen Dank.
