Jessica Hennig
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen, liebes Publikum. Wenn wir über Stadtentwicklung sprechen, geht es häufig um Wohnungsbau, um Verkehrswege und um neue Quartiere. Wenn wir über Kultur sprechen, denken viele an die Elbphilharmonie, an ein neues Museum, an die neue Oper. Und ja, Hamburg ist mit seinen vielen kulturellen Angeboten zu Recht die Kulturmetropole im nordeuropäischen Raum und zieht damit viele Tourist:innen an. Auch ich bin vor über 15 Jahren als Besucherin des Reeperbahn Festivals nach Hamburg gekommen, hab mich in die Stadt verliebt und bin später geblieben. Doch kulturelle Stadtentwicklung beginnt nicht erst mit den großen Projekten. Sie beginnt vor unserer Haustür, in unseren Quartieren und Stadtteilen und mit der Frage: Wo bleibt Platz für ein Atelier, einen Probenraum oder eine Initiative aus der Nachbarschaft? Kulturelle Stadtentwicklung wird mitgestaltet durch ehrenamtliches Engagement, durch die Expertise von Menschen vor Ort. Ob im Wilhelmsburger Zinnwerk, im Gängeviertel, im Goldbekhaus in Winterhude, im BARMBEK°BASCH, im Bramfelder Kulturladen, in der Bücherhalle in Steilshoop oder in vielen anderen: Der soziokulturelle Nutzen dieser Einrichtungen geht weit über die wirtschaftlichen Kennzahlen hinaus, denn sie stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fördern Teilhabe und gestalten unsere Quartiere lebendig. Die Große Anfrage zeigt, wie unterschiedlich solche Orte aussehen können. In der Viktoria-Kaserne arbeiten Kreativschaffende unter einem Dach. Im Oberhafen werden ehemalige Hallen für kulturelle und kreative Nutzung saniert und weiterentwickelt. Dahinter steht eine gemeinsame Aufgabe: Räume nicht nur für den Moment zugänglich machen, sondern langfristig eine Perspektive geben. So zeigt die fux eG nicht nur mit der Viktoria-Kaserne, sondern auch mit ihrem neuesten Projekt, der ehemaligen Schule Berne, wie Gebäude nach ihrer ursprünglichen Nutzung denkmalgerecht saniert werden können und zukünftig ein Ort für Sport, Kunst, Kultur und gemeinschaftswohlorientierte Organisationen entstehen können und finanzierbar bleiben. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft ist dabei mit ihren Immobilien, mit ihrer Immobiliendatenbank und Zwischennutzungskonzepten und dem Förderungsprojekt Frei_Fläche zu einer wichtigen Anlaufstelle für Kreativschaffende geworden. Doch was wäre Hamburg ohne seine Musik- und Clubkultur? Sie ist ein wichtiger Bestandteil unserer Stadtidentität und prägt Stadtteile wie St. Pauli. In einer wachsenden Stadt lassen sich Konflikte zwischen Kulturschaffenden und Anwohnern nicht immer vermeiden. Die Stadt begegnet diesem vorbeugend mit dem runden Tisch für Nachtleben und Nachbarschaft, dem Nachtbeauftragten in St. Pauli, der so gut ankommt, dass inzwischen das sogar auf Altona ausgeweitet wurde. Und planungsrechtliche Instrumente sorgen dafür, dass Konflikte frühzeitig erkannt werden und Streitfälle gelöst werden. Und ja, Gentrifizierung ist real. Sie bedroht Kulturorte. Aber auch hier hat der Senat eine Antwort. Hamburg lässt seine Clubkultur nicht im Stich. Die Sternbrücken-Clubs Fundbureau und Beat Boutique haben in der Deichtorhalle ein neues Zuhause gefunden. Bis 2027 werden dort fünf weitere Clubs einziehen. Und auch die Zukunft des Molotows und des Docks sind mit der Ansiedlung an neuen Adressen gesichert. Das ist der richtige Umgang mit Verdrängungsdruck. Nicht wegschauen, sondern nach neuen Standorten suchen, sie organisieren, bei Bedarf sanieren und damit Hamburgs Clubkultur eine Zukunft geben. Die Große Anfrage zu "15 Jahre 'Kreativstadt Hamburg'" zeigt uns nicht nur, was wir in den letzten Jahren geschafft haben, sondern was noch vor uns steht. Packen wir es an. Vielen Dank.
