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Simone Dornia

GRÜNE 4:49 min Sitzungen 23/29

Herr Präsident, meine Damen und Herren, wenn wir über kulturelle Stadtentwicklung sprechen, dann sprechen wir nicht darüber, wie wir in einer fertig gebauten Stadt am Ende noch ein bisschen Kultur hinzufügen. Wir sprechen darüber, wie eine Stadt lebenswert wird, wer sie prägt, wer Räume bekommt und wer die Möglichkeit hat, diese mitzugestalten. Vor 15 Jahren hat Hamburg mit dem Leitbild der "Kreativen Stadt" begonnen, Kultur, Kreativwirtschaft und Stadtentwicklung stärker zusammenzudenken. Heute können wir sagen, aus dieser Idee sind Strukturen geworden. Eine ganz zentrale Rolle spielt dabei die Hamburg Kreativ Gesellschaft. Sie berät und vernetzt nicht nur, sie vermittelt Räume, mietet selbst Flächen an, macht sie für Kreative zugänglich und begleitet aktiv Stadtentwicklungsprozesse. Und genau das brauchen wir. Denn eine kreative Stadt entsteht nicht zufällig. Kreativität braucht Raum. Und Raum ist in einer wachsenden Stadt eine politische Frage. Wie das funktionieren kann, zeigt der Oberhafen. Aus ehemaligen Güterhallen mitten in Hamburg ist ein Kultur- und Kreativquartier entstanden mit Ateliers, Werkstätten, Musikveranstaltungen und vielen unterschiedlichen Nutzungen. Und entscheidend ist: Diese Hallen bleiben städtisches Eigentum. Damit haben wir die Möglichkeit, diesen besonderen Ort langfristig für Kultur und Kreativität zu sichern. Und dafür muss ich übrigens nicht immer in die City schauen. Ich komme aus Barmbek. Dort zeigt die Zinnschmelze seit vielen Jahren, was kulturelle Stadtentwicklung ganz konkret bedeutet. Ein ehemaliger Industriestandort ist heute ein Ort für Kultur und Begegnung. Und mit dem BARMBEK°BASCH haben wir wenige Meter weiter ein Community Center, in dem Stadtteilkultur, soziale Beratung, Kirche und Quilter sich Räume und Infrastruktur miteinander teilen. Solche Orte sind weit mehr als ein Gebäude. Hier begegnen sich Menschen, die sich sonst wahrscheinlich nie begegnen würden. Sie diskutieren, organisieren, und hier wird gestritten und gemeinsam etwas auf die Beine gestellt. Ich finde, wir sollten solche Orte gerade in der heutigen Zeit sichern. Denn... Denn solche Orte sind demokratische Infrastruktur. Denn unsere Demokratie ist nicht allein dadurch stark, dass wir ihre Institutionen verteidigen. Sie wird stark, wenn Menschen Demokratie erleben, wenn sie erfahren: Ich werde gehört, ich kann widersprechen, ich kann mich einbringen und ich kann gemeinsam mit anderen etwas verändern. In einer Zeit, in der Debatten rauer werden, in der gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und diejenigen lauter werden, die von Ausgrenzung, Abschottung und Ähnlichem leben, brauchen genau diese Räume. Orte, an denen Menschen sich begegnen, statt nur übereinander zu reden. Deshalb ist die Sicherung dieser Orte für mich nicht nur Kulturpolitik, sie ist auch Demokratiepolitik. Aber wir wissen auch: Gerade diese Orte stehen unter besonderem Druck. Kreative machen Orte attraktiv, und manchmal führt genau dieser Erfolg dann dazu, dass diejenigen, die den Ort geprägt haben, sich ihn irgendwann nicht mehr leisten können. Das dürfen wir nicht hinnehmen. Kreative dürfen nicht die Vorhut einer Aufwertung sein, an deren Ende sie selbst verdrängt werden. Und deshalb ist es richtig, dass Hamburg handelt: mit städtischem Eigentum, mit Zwischennutzungen und mit städtebaulichen Verträgen. Und wir haben schon den nächsten Ort im Blick. Die ehemalige Paketpost am Diebsteich bietet die Chance, aus einem bestehenden Gebäude einen Ort für Kultur, Kreativwirtschaft und Begegnung zu entwickeln. Auch hier ist die Kreativ Gesellschaft bereits eingebunden, und genau das ist für mich die spannende Zukunftsperspektive. Wir warten nicht, bis ein Quartier fertig geplant ist und fragen dann: Wo könnte noch Platz für Kreative sein? Wir denken sie von Anfang an mit. Das ist der Anspruch, den wir an die Stadtentwicklung der kommenden Jahre haben sollten. Wir haben nicht jedes Problem gelöst, aber wir haben Instrumente geschaffen, mit denen wir handeln können. Wir müssen sie konsequent weiterentwickeln. Denn die kreative Stadt ist nicht die Stadt, in der wir Kultur noch irgendwo einen Raum übrig lassen. Die kreative Stadt ist die Stadt, in der wir Kultur von Anfang an mitplanen. Vielen Dank.

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