Lisa Kern
Werter Herr Präsident, liebe Kolleg:innen. Wenn Sie mal mit den Pädagog:innen in Häusern der Jugend oder Jugendhilfeeinrichtungen sprechen, auf Bauspielplätzen, dann werden Sie feststellen, dass dort Personen arbeiten, die hoch engagiert sind und jeden Tag mit dem, was sie vor Ort vorfinden, das Beste für die Kinder und Jugendlichen machen, die zu ihnen kommen. Man erfährt aber auch schnell, dass die Dinge, die sie tun, sehr viel Zeit und Energie da reinstecken, den Standort am Laufen zu halten. Will sagen, diese Pädagog:innen haben eigentlich noch einen Zweitjob, ein unbezahlten, als Hausmeister an vielen Standorten. Und das ist erst mal Realität hier in Hamburg, dass ein Eimer unters Dach gestellt wird, dass mal schnell was angemalt wird, dass was repariert wird, ist auch nicht schlimm. Fliegt, glaub ich, niemandem von den Kollegen einen Zacken aus der Krone, aber es ist Zeit, die fehlt, um sich mit den Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen. Es ist Zeit, die dafür fehlt, was eigentlich am allerdringendsten notwendig ist. Und deshalb, und darum geht es, wollen wir mit dieser Initiative die Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg stärken. Weniger Geld... Weniger Zeit der Pädagog:innen für Steine, mehr Zeit für die Kinder. Diese Gebäude, Sie wissen vielleicht, die Kinder kommen da an aus freien Stücken. Sie müssen sich nicht anmelden, sie müssen nichts mitbringen, sie müssen niemand sein. Es ist ein dritter Ort, es ist eine Zuflucht für viele und ist ein Ort, an dem das Gebäude selber unheimlich wichtig ist. Denn wir alle kennen das, wenn es kaputt ist, wenn es unansehnlich aussieht, nicht einladend ist, dann mögen wir alle nicht so gerne in ein Gebäude reingehen. Das heißt tatsächlich, die Frage, wie so ein Haus aussieht, ist Teil der pädagogischen Frage und des Angebots, was wir an Kinder und Jugendliche machen müssen. Und wenn wir sie ernst nehmen und ihnen Orte bieten wollen, wo sie sich ernst genommen, gesehen und wertgeschätzt fühlen, dann müssen wir dafür sorgen, dass diese Orte eben auch genauso aussehen. Niemand, der regelmäßig Schultoiletten benutzt, fühlt sich sehr wertgeschätzt, glaube ich. Obwohl Hamburger Schultoiletten, habe ich mir sagen lassen, nicht dass sich jetzt hier jemand auf den Schlips getreten fühlt, deutlich qualitativ hochwertiger sind als die Schultoiletten andernorts. Oh, ich geh regelmäßig auf Schultoiletten, glauben Sie mir. Ich hab außerhalb dieses Hauses ein Leben, was sich viel in Schule abspielt. So. Jetzt kommen wir wieder zum Thema der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Der Kollege hat schon gesagt, wie viel wir in der Vergangenheit investiert haben, und das werden wir auch weiter tun. Und wir werden jetzt auch nicht nur, weil wir erheben und planen und gucken, aufhören damit, die drängendsten Fragen, die es in dieser Stadt gibt, uns damit zu kümmern. Aber um Geld sinnvoll auszugeben und effektiv auszugeben, müssen wir natürlich wissen: Wo ist der größte Bedarf? Wie ist der tatsächliche Zustand? Und auch das hat der Kollege schon gemacht, das ist ja kein neues Konzept. Das machen wir an vielen Stellen schon, im Straßenbau, in der Sportinfrastruktur und jetzt wollen wir das eben auch für unsere Immobilien in der Jugendhilfe. Und dabei kann es darum gehen, instand zu setzen, und es kann auch darum gehen, mal etwas neu zu bauen. Und dann gibt es ja den Reflex, beim Modulbau zu sagen: "Oh mein Gott, das entspricht ja gar nicht dieser Idee, der wir haben," "dass es pädagogisch hochwertige Räume sind." Und da sage ich, nein, das stimmt nicht. Wir geben damit einen Rahmen vor, der uns natürlich auch an unsere Sparsamkeitsprinzipien hält. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Pädagog:innen und die Jugendlichen, die wir dann hoffentlich, weil wir ja auch ganz gut mit Bürgerbeteiligung, Kinder- und Jugendbeteiligung in den Bezirken unterwegs sind, einbeziehen können in diesem Prozess, auch gleich schon etwas dabei haben, wenn sie sich diesen neuen Raum erobern. Im besten Fall direkt beim Bau und in der Gestaltung. Wenn's nicht klappt, dann spätestens in dem Moment, wo Kinder und Jugendliche in einen Modulbau gehen, wissen Sie doch alle, der sieht nach fünf Minuten, sieht der nicht mehr so aus, wie wir uns das vorgestellt haben. Und das ist doch dann auch wieder gelungene Kinder- und Jugendarbeit: Die Pädagogen, die dann die Zeit haben, die Kinder sich ihre Räume erobern zu lassen. Und an dieser Stelle vielleicht auch noch mal eine Bemerkung in Richtung der Linken, die ja so ein bisschen auf dem Trichter sind: "Warum, liebe Stadt, machst denn du das nur mit deinen eigenen städtischen Immobilien?" Für diese sind wir zuständig. Es gibt andere Eigentumsverhältnisse. Manchmal sind Träger in gemieteten Räumlichkeiten. Da sind es die Eigentümer dieser Immobilien, die dafür zuständig sind, für den Sanierungsstand der Gebäude, für die Barrierefreiheit zu sorgen. Glauben Sie uns, wir würden das gerne alles machen. Wir müssen da anfangen, wo unsere Zuständigkeit ist. Und das ist in unseren städtischen Immobilien, da fangen wir an. Und dann glaube ich, dass auch mehr wieder mehr Kinder, noch mehr Kinder in diese Einrichtungen kommen, weil es noch viel mehr ihre Häuser der Jugend sind, Orte für gute Pädagogik und für ein schönes Zusammensein und Aufwachsen. Vielen Dank.
