Heike Sudmann
Liebe Hamburgerinnen, liebe Hamburger. Ich fang mal mit Frau Domm an. Finden Sie auch, dass man normalerweise bei Bauprojekten immer zuschauen kann, wie sie wachsen? Sie können live zugucken. Und wir haben heute über verschiedene Bauprojekte gesprochen, wir haben über das ZRE gesprochen. Da können Sie live zugucken, wie es wächst und wie es immer teurer wird. Sie konnten beim Elbtower jahrelang live zugucken, wie es wächst. Es wächst jetzt nicht mehr. Beim "Haus der Erde" konnten Sie zugucken. Das ist für mich wirklich definitiv kein Maßstab. Und Herr Schmitt, Sie haben ja recht, ein attraktiver ÖPNV wäre super. Ein attraktiver ÖPNV, wie Sie gesagt haben, der es ermöglicht, ohne Auto durch die Stadt zu fahren. Klasse! Jetzt müssten sich aber alle fragen: Erreichen Sie das mit den 16 Milliarden Euro, die Sie für die U5 ausgeben wollen? Ist das die beste Lösung, die effizienteste, die kostensparendste und die auch haushaltsrechtmäßige günstigste Lösung? Dann gucken Sie doch einmal, Sie wissen genau, wie Hamburg organisiert ist, ne? Sie sehen, alle Verkehrswege führen in die Stadt mit der Schiene. Haben wir Querverbindungen, die so gerne mit dem Auto genutzt werden – Ring 2, Ring 3? Haben wir nicht. Schaffen Sie das mit der U5? Nein. Ist es so, dass Sie jetzt wahnsinnig viele neue Fahrgäste erschließen? Guck ich mir die Zahlen der HOCHBAHN an, würde ich ja sagen, wow, was die HOCHBAHN so berechnet hat, wie viel neue Fahrgäste kommen. Ein Kollege sagte mal, es heißt für Bramfeld in der Mittagszeit, Bramfeld müsste entvölkert werden, weil alle jetzt in die U-Bahn müssen. Aber ich kann auch aktuell gucken, in der Jarrestraße, da rechnet jetzt die HOCHBAHN mit täglich 2.800 Ein- und Aussteiger:innen, wenn die U5 kommt. Heute mit zwei Buslinien sind es 2.507 Menschen. Also eine Steigerung um 900 Prozent, damit wären Sie weltweit spitze, aber das ist leider nicht realistisch. Ja, warum sagst du "hä"? Es ist eine Steigerung. Ich erkläre Ihnen das gerne noch mal. Also die HOCHBAHN nimmt Zahlen an. Da müssen Sie aus dem Stadtteil schon Leute irgendwie zwingen, ganz oft Bahn zu fahren, weil es gibt gar nicht so viel Nachfrage. Also das passt irgendwie nicht. Und ich meine, in einem Punkt würde ich ja sagen, da haben Sie wirklich jetzt ein Problem mit der CDU, die der U5 zustimmt und gleichzeitig sagt: "Aber bitte nicht den Autoverkehr beeinträchtigen!" Ich meine, wir reden hier über Klimaerwärmung, wir reden hier über CO2-Belastung. Wir reden darüber, dass wir Alternativen zum Auto brauchen. Und Sie sagen: "Verbuddelt von uns aus 16 Milliarden Euro," "aber oben möchte ich genauso viel Autoverkehr haben wie vorher." Das geht auch überhaupt nicht. Und haben Sie darüber gesprochen? Wie hatte das eben Frau Domm gesagt? Also die verkehrlichen Beeinträchtigungen sollen so gering wie möglich sein. Und auch die Beeinträchtigungen für die Anwohner:innen. Gucken Sie sich mal Bramfeld an, wie da die Beeinträchtigungen waren. Gucken Sie sich Steilshoop an, wie es da zurzeit ist. Und Sie haben jetzt leider nicht die Zeiten gesagt. Also eigentlich dauert so eine U-Bahn-Haltestelle, sie zu bauen in offener Baugrube, acht Jahre. Jetzt haben Sie sich ja überlegt, wir machen das so, dass wir eine Hälfte schneller bauen, dann Deckel drauf machen, dann kann man drüberfahren. Es sind vier Jahre. Vier Jahre, wo ganze Straßenabschnitte nicht befahrbar sein werden. Wo die Gewerbetreibenden, die heute schon sagen: "Wir gehen pleite mit euren Baustellen", die werden dann von Ihnen mal Lösungen erwarten. Was machen Sie eigentlich? Werden Sie einen Fonds auflegen? Einen Fonds für die Gewerbetreibenden, die nicht mehr so gut zu erreichen sind? Da bleiben Sie alle Antworten schuldig. Und es hat ja Herr Heißner eben schon mal versucht anzusprechen, Sie waren ein bisschen zu niedrig mit den Zahlen. Wenn ich mir die Zahlen aus der Drucksache angucke, dann liegen Sie bei Kilometerkosten für Ihre U-Bahn bei 500 bis 700 Millionen Euro pro Kilometer. Und ich kann's Ihnen nicht oft genug sagen, eine Straßenbahn kostet 20 bis 35 Millionen Euro pro Kilometer. Und das ist schön, dass Sie aufstöhnen, weil Sie werden aufstöhnen, wenn die Rechnung irgendwann kommt. Sie werden aufstöhnen, wenn Sie feststellen, der Bund soll ja auch ganz viel Geld dazugeben, 75 Prozent. Hat der Bund überhaupt das Geld? Hat der Bund mit seinen 2 Milliarden Euro plus eventuelle Steigerungen, die er jährlich aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz... Hat er so viel Geld? Hat er nicht, hätte er auch bei Olympia nicht gehabt. Also insofern wird auch Osdorf... Herr Schmitt, genau, Sie haben so von Lurup und Osdorf gesprochen. Ich meine, ob die Ihnen glauben, dass Sie jetzt wirklich eine U-Bahn bauen, sei dahingestellt. Aber Sie haben eben jetzt nicht die Verbesserung geschaffen. Sie reden von X21. Sie haben drei Jahre lang gesagt: "Wir machen euch ein Hochleistungsbussystem. Daran werden wir arbeiten." "Das bekommt ihr, bis die U-Bahn oder die S-Bahn kommt." Nix dergleichen ist passiert, auch das haben Sie wieder einkassiert. Das geht überhaupt nicht. Und... Und wollen die Leute zum Hagenbecks Tierpark fahren? Nein, die wollen nach Altona, da gibt es immer noch keine Anbindung. Und nun haben Sie ja im Ausschuss schon gesagt: "Frau Sudmann, warum sind Sie immer noch dagegen? Wir bauen doch schon." Sie bauen schon, Sie können gerne gucken von mir aus, dass Sie bis zum Borgweg jetzt vollenden, dann sind Sie bei der U3. Aber bauen Sie diesen Wahnsinn nicht weiter. Es ist irre teuer, es bringt nicht den Nutzen. Sie kriegen nicht die Hamburgerinnen und Hamburger erwischt, die bis heute keine Anbindung haben. Insofern bleiben wir bei unserem Nein und werden weiter an Alternativen arbeiten. Ich bin sicher, auch hier werden wir in ein paar Jahren Recht bekommen und Sie werden ganz locker auf die Straßenbahn umsteigen. Und darauf freue ich mich jetzt schon. Vielen Dank.
