Anja Quast
Mahatma Ghandi hat gesagt: "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen," "wie sie ihre Tiere behandelt." Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Abgesehen von der etwas eigenartigen Unterscheidung in Haus-, Nutz- und Wildtiere, für deren Behandlung wir ja geradezu gegensätzliche Maßstäbe ansetzen, finde ich, sollten wir versuchen, alles dafür zu tun, dass das Zusammenleben in dieser Stadt mit den Wildtieren so gut wie möglich gestaltet wird. Und meine Kollegin hat eben schon einiges dazu gesagt. In der Großstadt ist es nicht zuletzt aufgrund der Enge immer wieder schwierig und es kommt zu Konflikten. Es braucht Auffangstationen, wo in Not geratene Tiere artgerecht versorgt und vor allem auch für die anschließende Auswilderung wieder fit gemacht werden können. Und ich wette, die meisten von Ihnen denken jetzt an den Wolf, das war ja spektakulär, der vor einigen Wochen in die Hamburger Innenstadt sich verlaufen hatte. Und der war ja genau so eines der Tiere, was in der Stadt in Not gerät. Der Wolf und der Umgang damit hat gezeigt, dass das Notfallmanagement im Zweifel zwar wirkt und funktioniert, in diesem Fall mithilfe des Wildgeheges Klövensteen, aber dass es keine ganz klaren Strukturen und Zuständigkeiten gibt, wie mit Wildtieren umgegangen wird. Vielmehr gibt es – und da hat auch Frau Nerlich einiges zu gesagt – viele einzelne überwiegend, weit überwiegend ehrenamtlich geführte Auffangstationen, die sich zumeist auf bestimmte Wildtierarten spezialisiert haben. Da ist Looki in Bergedorf, die sich ehrenamtlich insbesondere um Igel und Waschbären kümmern, aber auch Schafe, Gänse und andere Tierarten da haben. Und natürlich hat auch Looki Probleme mit Platzmangel und Überfüllung. Oder aber es gibt die Auffangstation für Eichhörnchen. Wir haben die auch schon mal in Anspruch genommen, als so eins bei uns aus dem Kobel gefallen ist. Da kommt dann jemand tatsächlich von der Nettelnburger Straße bis nach Wellingsbüttel gefahren und holt die ab. Das ist Wahnsinn. Und es gibt auch Menschen, die sich um Greifvögel kümmern. So einer wohnt in Duvenstedt, und bin ich eben nah dran vorbeigegangen. Manchmal saß dann da ein Habicht im Garten. Ich kann die jetzt nicht alle aufzählen, das sind sehr viele. Und ihnen gemein ist, dass es wirklich hauptsächlich ehrenamtlich arbeitende Menschen sind, die sich um Tiere in Not kümmern. Wir haben uns eben schon bei ihnen bedankt. Es ist tatsächlich eigentlich eine staatliche Aufgabe, liebe Kolleginnen und Kollegen, und genau hier kommen wir mit unserem heutigen Antrag. Was fehlt in Hamburg, das ist eine offizielle und systematische Anerkennung und vor allem auch Benennung einer abgestimmten Struktur von Wildtier-Auffangstationen. Und genau hier wollen wir mit unserem heutigen Antrag den Anstoß geben, denn der Bedarf ist da. Alle vorhandenen Stationen haben gut zu tun und geraten sowohl räumlich als auch personell immer wieder an ihre Grenzen. Eines der Probleme ist sicherlich die Tatsache, dass die Tiere, die auf der Liste der invasiven Arten stehen, dieser EU-Liste – dazu gehören Waschbären, dazu gehören auch Nutrias –, unter keinen Umständen wieder ausgewildert werden dürfen. Auch dann nicht, wenn sie kastriert sind. Ob das so sinnvoll ist, darüber wird in Fachkreisen gestritten. Die einen sagen, es wär das Beste, sie wieder auszuwildern, wenn sie kastriert sind, weil sie dann den nicht kastrierten Tieren den Lebensraum nehmen. Die anderen sagen aber, dass diese kastrierten Tiere nicht ausreichend offensiv um ihren, um den Lebensraum kämpfen und sich dadurch die anderen dann schneller vermehren. Fakt ist, im Moment sorgt die EU-Richtlinie dafür, dass diese invasiven Arten in unseren Wildtier-Auffangstationen sind und diese dadurch noch mehr zu tun haben. Wir ersuchen deshalb den Senat, die vorhandenen Wildtier-Auffangstationen noch mal genauer anzugucken auf ihre Flächenkapazitäten hin, auf ihre Potenziale, auf ihre personelle Situation und zu prüfen, inwieweit wir Unterstützungsstrukturen aufbauen können. Und meine Damen und Herren, ich sag mal, als Bezirkspolitikerin darf ich das vielleicht so sagen, mach keinen Hehl daraus: Meine Sympathie ist natürlich auch dafür, das Wildgehege Klövensteen, dort dem Wildgehege eine noch größere Rolle zukommen zu lassen. Das Wildgehege befindet sich ja in der Verwaltung des Bezirksamtes Altona, und ich finde, es ist eine staatliche Aufgabe eigentlich. Von daher fände ich es ganz richtig, wenn denen auch noch eine größere Rolle zukäme. Darüber können wir jetzt diskutieren. Das soll auch die zuständige Fachbehörde sich genau ansehen. Beim Wolf hat man gesehen, dass das gut geklappt hat. Und in diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag. Vielen Dank.
