Karen Pein
Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren. Ich hab jetzt eigentlich erst mal nichts vernommen, dass irgendjemand gesagt hätte: "Der Hamburg-Standard ist doof, den wollen wir nicht haben." Sondern alle warten eigentlich darauf, dass er umgesetzt wird. Wir arbeiten dran, das ist wunderbar. Ich will das noch einmal ausführen. Meine Behörde erhebt die Baukosten seit 2017. Wir haben sehr genaue Kenntnis über die Baukosten in Hamburg. 2017 hatten wir Mediankosten in Höhe von 2.700 Euro brutto den Quadratmeter Wohnfläche ohne Grundstück, ohne Finanzierung. Und von Rendite will ich hier gar nicht sprechen, da ist auch kein Gewinn drin. 2024 sind diese Baukosten bei 4.600 Euro gewesen. Und man sagt so Pi mal Daumen, 1.000 Euro Baukosten entsprechen 4 Euro Miete. Das heißt, die Mieten ohne Grundstück, ohne Finanzierung sind von 11 auf 18 bis 19 Euro angestiegen, und das ist das Problem, vor dem wir stehen. Ohne öffentliche Förderung kann man keinen günstigen Wohnraum in Hamburg mehr schaffen. Und das ist bundesweit der Fall. Das ist das Problem, vor dem wir stehen. Und Hamburg hat einen Weg aufgezeigt, und zwar als einzige Stadt, in Hamburg, wie wir Baukosten um bis zu 2.000 Euro reduzieren können. Mit allen Beteiligten der Bauwirtschaft und Planungswirtschaft haben wir ein Dreivierteljahr zusammen getagt und haben sehr konkrete, sehr technische Hinweise gegeben, wie wir das einlösen können. Das Spannende ist, dass der Median ja nur ein Durchschnittswert ist. Wenn man sich aber die Spanne der Bauunternehmen, der Bauprojekte anguckt, dann schaffen es einige Projekte auch unter diesen Rahmenbedingungen, trotz Krieg, trotz zerschossener Stahlindustrien 3.000 Euro ins Ziel zu bringen. Und andere landen bei 6.000 Euro. Das heißt, die Frage ist: Was macht der eine richtig und was macht der andere falsch? Und das stand im Fokus der Initiative "Kostenreduziertes Bauen" mit allen Beteiligten, die mitsprechen bei einem Bauprojekt, zu untersuchen, wo sind die Hindernisse, wo sind die Kostentreiber, wer muss eigentlich was tun, damit wir mit 3.000 Euro durchs Ziel laufen? Und wir haben uns jeden Beteiligten angeguckt. Es geht nicht nur an die öffentliche Hand und die Prozesse dort, sondern auch in der Privatwirtschaft wird richtig viel Geld liegen gelassen, auch bei den Ingenieuren. Ich will da nur mal die Sicherheitsbeiwerte, einen Sicherheitspuffer bei technischen Bauwerken nennen, mit dem wir ohne Ende mehr Stahl verbauen, mehr Beton verbauen, als wir eigentlich brauchen, und die Wohnfläche reduzieren. Es ist ein bisschen so, dass wir auch alle insgesamt wieder professioneller werden müssen. Und deshalb wollen wir über die Piloten dieses Wissen jetzt auch in den Markt bringen. Und das betrifft die öffentliche Hand, die Verwaltung, die Fachbehörden, aber das betrifft auch die Bauherren, die mit unflexiblen Vorgaben in ein Vorhaben starten, was dann zu einem zweiten notwendigen Treppenhaus zum Beispiel führt. Das sind die Ingenieure, das sind die Planer. Es geht darum, die Bauunternehmen von Anfang an dabei zu haben, weil die sitzen auf der Baustelle und die müssen ihr Know-how am Anfang einbringen. Und das erproben wir in den Piloten. Frau Dr. Frieling, Sie haben eben was Richtiges gesagt. Also ich hab eine große Beschwerdelage gehört, keinen einzigen Vorschlag, wie man's besser machen kann. Aber Sie haben gesagt, wir müssen es möglich machen. Alle Beteiligten müssen ein Mindset haben, dass wir kostengünstiges Bauen an den Boden bringen wollen. Und das hat dieser Prozess geleistet. Das ist das, was in allen Köpfen deutlich geworden ist, und jeder einzelne Akteur in der gesamten Wertschöpfungskette weiß jetzt genau, an welcher Stelle er eigentlich Sand ins Getriebe streut, und was er tun muss, um den Motor zu ölen. Und das ist das Wichtigste. Und insofern ist hier auch ein bisschen der Prozess das, was wichtig ist. Wir setzen das jetzt um. Wir müssen aber einen ganzen Schwarm umorientieren. Und damit meine ich nicht nur die Bauprüfer, damit meine ich auch die Privatwirtschaft, weil die Bauherren auch nicht ganz so professionell sind und manchmal mit einem Blatt Papier mit vier Linien im Bauamt aufschlagen und fragen: "Ist das genehmigungsfähig?" Und auch das haben wir aufbereitet. Jeder weiß jetzt, was er zu tun hat, und jetzt müssen wir das in die Praxis bringen. Und was mir wichtig ist: Wir müssen da auch die Motivation hochhalten. Jeder muss vor seiner Haustür kehren, und insofern betrifft es auch alle Anwesenden, auch alle Kommunalpolitiker, weil wir festgestellt haben, dass die Projekte, die mit 3.000 Euro ins Ziel laufen, das sind die, die keine Störungen im Prozess haben, die nicht fünfmal wieder umplanen müssen. Wir müssen unsere Ressourcen an den Anfang bringen. Ganz am Anfang müssen Planer, Bauunternehmen und die Verwaltung am Tisch sitzen, die Anforderungen an ein Bauprojekt definieren und dann schon bepreisen. Das ist eigentlich das tatsächlich neue Element im Hamburg-Standard, und sie müssen so lange am Tisch sitzen, bis der Bauherr sagt: "Mit diesen Bedingungen kann ich das Projekt für 3.000 Euro durchziehen." Und dann darf es aber auch keine Nachforderung, auch nicht von der Kommunalpolitik, ganz am Ende geben – oder irgendeinem anderen im Prozess. Und das müssen wir gemeinsam hinkriegen.
