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Sina Imhof

GRÜNE 3:05 min Sitzungen 23/27

Sehr geehrte Frau Präsidentin, werte Kolleginnen und Kollegen. Schon ein bisschen schwer erträglich hier an einigen Stellen. Diese Rede dauert drei Minuten. In genau drei Minuten wird in Deutschland rein rechnerisch eine weitere Frau Opfer häuslicher Gewalt. Fast jede zweite Frau erlebt im Laufe ihres Lebens in einer Partnerschaft psychische Gewalt. Rund 35 Prozent erleben körperliche Gewalt. Und das Erschütternde ist, wie still es bleibt. Von den Frauen, die körperliche Gewalt durch ihren Partner erfahren, zeigen nicht einmal drei von 100 die Tat an. Insgesamt kommt kaum jede zehnte Gewalterfahrung überhaupt zur Anzeige. Was bei Polizei und Gerichten ankommt, ist also nur ein sehr, sehr geringer Anteil. Und dabei ist all diese Gewalt nicht unvorhersehbar. Die Warnzeichen sind fast immer dieselben: ausgeprägte Eifersucht und Kontrolle, Drohungen, Nachstellungen, vorausgegangene Gewalt, die häufiger und heftiger wird bis hin zur offenen Ankündigung der Tat. Manche Signale sind besonders eindeutig und werden trotzdem oft übersehen. So erhöht etwa ein vorangegangenes Würgen innerhalb einer Beziehung die Tötungsgefahr um ein Vielfaches. Das heißt, wir reden hier nicht über unvorhersehbare Schicksalsschläge, sondern über Taten, die man oft kommen sieht. Und was man kommen sieht, das kann man verhindern. Das Problem ist: Diese Signale tauchen oftmals an ganz unterschiedlichen Stellen auf, beim Hausarzt, bei einer Beratungsstelle, bei einem Polizeieinsatz, im Freundeskreis, und zu oft bleibt jedes Signal für sich. Wirksamer Schutz heißt, sie zusammenzuführen und die zuständigen Stellen früh an einen Tisch zu bringen, bevor es zu spät ist. Und genau in diese Richtung arbeiten wir. Denn wenn all das nicht gelingt, wenn die Warnzeichen übersehen werden und niemand rechtzeitig eingreift, dann werden Frauen getötet, weil sie Frauen sind. Und dafür gibt es ein Wort: Femizid. Dass Frauen besonders gefährdet sind, ausgerechnet im eigenen Zuhause und in der eigenen Beziehung, war lange kein Thema für die Sicherheitsbehörden. Häusliche Gewalt galt als Privatsache, nicht als Sicherheitsfrage. Das hat sich geändert, und das muss sich auch weiterhin ändern. Denn der Schutz von Frauen vor tödlicher Gewalt ist kein Randthema, sondern betrifft die Hälfte der Bevölkerung. Alle drei Minuten. Und solange diese Uhr weiterläuft, geben wir uns nicht zufrieden. Denn jede Frau hat das Recht, in ihrer eigenen Wohnung und in ihrer Partnerschaft sicher zu sein, und jeder Femizid ist einer zu viel.

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