Marco Hosemann
Ja, sehr geehrter Herr Präsident, liebe Hamburger:innen und Abgeordnete der demokratischen Fraktionen. Könnte die denkmalgeschützte Metallkonstruktion der Schilleroper sprechen, was würde sie uns alles erzählen? 1889 als fester Zirkusbau errichtet, 1905 zum Theater, 1932 zur Oper umgebaut, ab 1944 von den Nazis als Lager für italienische und ukrainische Zwangsarbeiter genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die ehemalige Manege als Lagerhalle, das Nebengebäude erst als Hotel, dann als Unterkunft für Gastarbeiter und später Geflüchtete und das ehemalige Foyer der Oper erst für Restaurants und zuletzt als Musikclub genutzt. Seit 2007 steht die Schilleroper leer und verfällt. Dafür ist nicht allein die Eigentümerin Mareike Janssen verantwortlich, sondern auch der Senat. Sie hat das Grundstück mit dem Denkmal 2014 gekauft und darauf spekuliert, die Schilleroper abreißen zu können, weil die Stadt selbst als Eigentümerin des denkmalgeschützten Cityhofs mit schlechtem Vorbild vorangegangen ist und der Senat auch anderen Spekulanten den Abriss ihrer Denkmäler genehmigt hat. Wir begrüßen es, dass der Senat im Fall der Schilleroper standhaft bleibt. Er darf sich aber nicht weiter von Frau Janssen am Nasenring durch die Manege führen lassen. Sie hat offensichtlich kein Interesse am Erhalt des Denkmals. Und bloß weil nun die Sicherung der Metallkonstruktion vor Gericht durchgesetzt wurde, ist die Schilleroper noch lange nicht denkmalgerecht entwickelt, und das Grundstück bleibt eine Brache. Deshalb beantragen wir heute, dass der Senat prüft, wie das Grundstück über Maßnahmen wie einen freihändigen Ankauf, eine Enteignung auf Grundlage von Paragraf 19 Nummer 1 des Denkmalschutzgesetzes oder im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme nach Paragraf 165 Baugesetzbuch in den Besitz der Stadt überführt werden kann und wie Nutzungsperspektiven für die Schilleroper entwickelt werden können. Wie eine Entwicklung der Schilleroper aussehen kann, haben wir vor ein paar Tagen mit unserem Zukunftskonzept aufgezeigt. Ich freue mich, wenn Sie unserem Antrag zustimmen oder ihn zumindest in den Stadtentwicklungsausschuss überweisen, damit die Schilleroper als Zeitzeugin bald ihre Geschichte erzählen kann und wir sie wieder zu einem besonderen Treffpunkt unserer Stadt machen können.
