Lena Zagst
Sehr geehrtes Präsidium, liebe Kolleg:innen, ich möchte Ihnen heute Justizwachtmeister Jochen vorstellen. Jochen arbeitet bei uns im Strafjustizgebäude am Sievekingsplatz. Vielen Dank. Und zu Jochens täglichen Aufgaben gehört vor allem der Transport von Akten innerhalb des Gerichts. Das macht er schon einige Jahre, das macht er gut, das macht er zuverlässig. Aber Jochen merkt auch, die Justiz verändert sich, die elektronische Akte kommt, und in den Fluren des Gerichts werden immer weniger Papiere durch die Flure getragen. Deswegen fragt sich Jochen seit einiger Zeit, wie seine berufliche Zukunft eigentlich aussieht. Er interessiert sich zum Beispiel dafür, in den Justizvollzug zu wechseln. Er kann sich aber auch vorstellen, die Justiz ganz zu verlassen und woanders zu arbeiten, mit mehr Entwicklungsmöglichkeiten und vermutlich auch einer besseren Bezahlung. Was sagen wir als Hamburger Justiz zu Jochen? Früher hätten wir wahrscheinlich gesagt: "Ja, tut uns leid, dafür ist deine Laufbahn leider nicht ausgelegt." Und das ist natürlich ein Problem, weil so verlieren wir Menschen, die wir eigentlich dringend brauchen, die sich in der Justiz auskennen, die Erfahrung haben und die grundsätzlich motiviert sind. Und deswegen freue ich mich sehr, dass unsere Justizbehörde mit dem Projekt "Zukunftsberufsfeld Justiz" einen anderen Weg einschlägt. Denn dieses Projekt beginnt nicht mit der Frage, wie Justiz bisher funktioniert hat. Dieses Projekt stellt die Frage, wie die Justiz in Zukunft funktionieren soll. Unsere Justiz befindet sich vor allem durch die Digitalisierung mitten in einer der größten Veränderungen seit einem Jahrhundert. Die elektronische Akte verändert schon jetzt Arbeitsabläufe grundlegend, und wir erwarten, dass künftig KI noch zu größeren Veränderungen führt. Und gleichzeitig wissen wir, dass es immer schwieriger wird, ausreichend Personal vor allem auch für die nicht juristischen, nicht akademischen Berufe der Justiz zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Die Justiz konkurriert mit vielen anderen Arbeitgeber:innen, und junge Menschen entscheiden sich heute nicht mehr allein wegen eines sicheren Arbeitsplatzes. Sie fragen zu Recht nach Entwicklungsperspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten. Und dieses Projekt gibt auf diese Fragen die richtigen Antworten. Es entwickelt Berufe weiter, schafft neue Perspektiven und gibt Menschen echte Entwicklungsmöglichkeiten. Für Justizwachtmeister wie Jochen bedeutet das künftig neue Aufgabenfelder, zum Beispiel im Bereich Sicherheit bei den Gerichten oder beim lokalen IT-Support. Es bedeutet bessere Aufstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel in den mittleren Dienst. Und wenn Jochen sich beruflich verändern möchte, dann wird er dafür innerhalb der Justiz Möglichkeiten finden, zum Beispiel im Justizvollzug, und ist nicht gezwungen, die Justiz zu verlassen. Und dieses Prinzip beschränkt sich natürlich nicht auf den Justizwachtmeisterdienst, sondern betrifft genauso die Geschäftsstellen der Gerichte, die Gerichtsvollzieher:innen, die Rechtspfleger:innen und die Amtsanwält:innen. Die gemeinsame Idee dahinter lautet: mehr Durchlässigkeit bei den Laufbahnen, mehr Entwicklungsmöglichkeiten nach oben, mehr Abwechslung bei den Aufgabenfeldern. Und besonders hervorheben möchte ich dabei, dass es nicht nur um einzelne Stellschrauben geht, an denen gedreht wird, sondern hier wird systematisch analysiert, wie die nicht richterlichen Berufe der Hamburger Justiz in 10 oder 20 Jahren aussehen können. Und dabei wurden auch alle Stakeholder:innen der Justiz einbezogen, um sicherzustellen, dass die Maßnahmen praxisnah und tatsächlich auch umsetzbar sind. Das ist vorausschauende Personalpolitik, und das ist auch eine Investition in unseren Rechtsstaat. Funktionierende Gerichte brauchen eben nicht nur gute Jurist:innen, moderne Gebäude und eine leistungsfähige IT, sie brauchen vor allem auch Menschen, die in allen Justizberufen arbeiten wollen und dort auch langfristig bleiben wollen. Deswegen freue ich mich sehr über die große Zustimmung, die dieses Projekt bereits in der Justiz und auch in unseren Ausschussberatungen erfahren hat. Wenn das gelingt, was hier erarbeitet wurde, dann wird aus Justizwachtmeister Jochen in Zukunft kein ehemaliger Justizwachtmeister, sondern ein Beschäftigter, der unserer Hamburger Justiz erhalten bleibt – mit neuen Aufgaben, neuen Perspektiven und einer Zukunft in Hamburg in der Justiz. Vielen Dank.
