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Annika Urbanski

SPD 3:20 min Sitzungen 23/26

So, ich würde jetzt mal weitermachen, würde ich sagen. Sehr geehrter... Sehr geehrter Präsident, sehr geehrte Damen und Herren. Elias ist intelligent und höflich, kommunikativ und fleißig. Beim Auswahlverfahren bei der Feuerwehr ist für alle klar: Er ist ein echter Glücksgriff. Er schließt seine Ausbildung als Notfallsanitäter mit Bestnoten ab, und natürlich wird er dann Praxisanleiter. Er wird schnell einer der wichtigsten Auszubildenden. Ein cooler Typ, wie ein Kumpel für die Azubis, der immer derbe Witze raushaut. Wobei, bei den weiblichen Azubis hat er wenig Fans. Er behandelt sie schlechter, verhindert übergriffiges Verhalten der Kollegen nicht, seine Sprüche fördern sie sogar. Aber aus Angst vor persönlichen Konsequenzen schweigen die Frauen. Zehn Jahre nach auf dem Papier vorbildlicher Laufbahn trennt sich seine Ehefrau von Elias, mitten auf der Familienfeier. Elias denkt, die Frauen da draußen haben sicher seine Frau dazu gebracht. Er greift zum Messer. Zehn Minuten später sind seine Frau, seine Tochter, seine Mutter und Schwiegermutter tot. Er läuft raus zur S-Bahn-Station um die Ecke und sticht auf alles Weibliche, was er sieht. Sie sind schuld. Es ist sein Recht als Mann, sich zu wehren. Ein Aufschrei geht durch Deutschland. Die Medien überschlagen sich. Angst dominiert und die Abgeordneten der Opposition und der Regierung rufen, wie kann es dazu überhaupt kommen? Die Polizei hat keinerlei Erkenntnisse gehabt. Die Person ist nie straffällig geworden. Aber in den Akten des Verfassungsschutzes liest sich: Elias war schon als Jugendlicher in extremistischen Kreisen unterwegs. Er war sein Leben lang ständig auf Treffen, Demos, Chatgruppen unterwegs. Seine besten Freunde sind einschlägig als Verfassungsfeinde bekannt. Er konnte zehn Jahre sein Weltbild an Azubis, Kollegen des Staates weitergeben. Er behandelte Patientinnen. Männer, die so denken, gibt es viele – siehe Verfassungsschutzbericht. Elias könnte Rechtsextremist sein. Er könnte Islamist sein. Das Weltbild teilen sie sich ja. Das sind Beispiele, aber okay. Die Erfahrung zeigt: Diese Haltung, dass das ja alles nur ein theoretischer Fall wäre, dass das Generalverdacht wäre, die verschwindet auch bei der Opposition, sobald ein Fall Realität wird. Muss immer erst was passieren, bevor auch die Opposition handeln möchte? Diese Regelung ist kein Ausdruck von Misstrauen, sie ist ein Ausdruck von staatlicher Verantwortung und Sorgfalt... ...gegenüber der Bevölkerung und vor allem auch den Beschäftigten selbst. Sie ist der Inbegriff der wehrhaften Demokratie. Demokrat:innen schützen den Staatsapparat. Sie stimmen für die Regelanfrage. Vielen Dank.

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