buergerschaft.de ↗

Parica Partoshoar

GRÜNE 4:43 min Sitzungen 23/25

Wertes Präsidium, liebe Abgeordnete demokratischer Parteien. Die beruflichen Schulen sind für Hamburg von herausragender Bedeutung. Sie sichern Fachkräfte, eröffnen Bildungs- und Aufstiegschancen und leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung unserer Stadt. Darüber besteht in diesem Haus vermutlich Einigkeit. Gerade deshalb sollte man bei diesem Thema sorgfältig arbeiten. Denn wer weitreichende Forderungen erhebt, sollte zunächst überzeugend darlegen, welches Problem eigentlich gelöst werden soll. Genau daran fehlt es diesem Antrag. Er vermittelt den Eindruck, die beruflichen Schulen müssten endlich stärker mit Wirtschaft und Arbeitsmarkt verzahnt werden. Das klingt zunächst plausibel, nur wird dabei ein Zustand beschrieben, der mit der Realität wenig zu tun hat. Die berufliche Bildung in Hamburg wird schon heute gemeinsam mit den relevanten Akteur:innen gestaltet. Kammern, Unternehmen, Gewerkschaften, Behörden und Schulen arbeiten in unterschiedlichen Gremien und Netzwerken zusammen, um Fachkräftebedarfe zu analysieren und Bildungsangebote weiterzuentwickeln. Die Herausforderungen der Digitalisierung, des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sind dort längst Gegenstand kontinuierlicher Arbeit. Deshalb wirkt ein erheblicher Teil dieses Antrags wie die Forderung nach etwas, das bereits existiert. Besonders auffällig ist das bei der angeblich fehlenden wirtschaftlichen Expertise. Tatsächlich sind Wirtschaftsvertreter:innen längst an den entscheidenden Stellen eingebunden. Sie fordern hier vor allem zusätzliche Strukturen, zusätzliche Berichte und zusätzliche Verfahren, ohne nachzuweisen, dass die bestehenden Strukturen versagen. Und genau das ist das Grundproblem dieses Antrags: Er behauptet Defizite, belegt sie aber nicht. Das zeigt sich auch beim Thema Personal. Es wird hier das Bild eines Systems mit grundlegenden Passungsproblemen zwischen Lehrkräftebestand und tatsächlichem Bedarf gezeichnet. Natürlich gibt es Fachkräftemangel an bestimmten Stellen, das bestreitet auch niemand. Aber daraus eine generelle Fehlsteuerung des gesamten Systems abzuleiten, ist, gelinde gesagt, eine gewagte Schlussfolgerung. An berufsbildenden Schulen entscheidet nicht allein die Anzahl der Lehrkräfte, sondern die fachliche Qualifikation für bestimmte Berufsfelder. Deshalb werden Bedarfe differenziert betrachtet und deshalb werden bereits heute Maßnahmen ergriffen, um Mangelbereiche gezielt zu stärken. Wer aus einzelnen Herausforderungen gleich eine Systemkrise konstruiert, macht es sich einfach. Bemerkenswert ist auch das Verhältnis des Antrags zur Selbstverantwortung der Schulen. Einerseits wird die fachliche Exzellenz der beruflichen Schulen ausdrücklich gelobt, andererseits soll geprüft werden, ob die Eigenverantwortung der Schulen einer stärkeren zentralen Steuerung unterliegen soll. Man könnte auch fragen: Wenn die Schulen so erfolgreich arbeiten, warum soll ausgerechnet ihre Eigenverantwortung ein Problem darstellen? Nicht jede Herausforderung wird besser, nur weil man zusätzliche Steuerungsebenen einzieht. Nicht jedes Problem verschwindet, wenn man weitere Berichte anfordert. Und nicht jede politische Forderung wird dadurch überzeugend, dass sie besonders umfangreich formuliert wird. Die beruflichen Schulen stehen vor wichtigen Zukunftsaufgaben. Sie müssen sich weiterentwickeln, auf neue Technologien reagieren und Fachkräfte für die Wirtschaft von morgen ausbilden. All das geschieht bereits heute. Hamburg braucht deshalb keine Neuerfindung eines Systems, das funktioniert. Hamburg braucht eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was sich bewährt hat. Und genau aus diesem Grund lehnen wir diesen Antrag ab.

Alle Reden von Parica Partoshoar Rede ansehen ↗